Direkt zum Inhaltsbereich

Praxistaugliches Schema erhöht Therapiesicherheit

Berliner Apotheker haben ein Schema erarbeitet, mit dem sich die Therapiesicherheit kaliumrelevanter Arzneimittel erhöhen lässt. Bei Auffälligkeiten gibt es Rückmeldungen an den Arzt.

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:
Unter der Lupe: Arzneien, die auf den Kaliumspiegel wirken.

Unter der Lupe: Arzneien, die auf den Kaliumspiegel wirken.

© Schlierner / fotolia.com

Nach Statistiken sind bei Interaktionen kaliumrelevante Arzneimittel immer von großer Bedeutung. Polypharmazie und die zunehmende Zahl älterer Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion verstärken das Problem. Das belegen auch Zahlen des deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI).

Danach haben im vierten Quartal des vergangenen Jahres 365 Patienten pro Apotheke in Berlin Arzneimittel erhalten, die den Kaliumspiegel erhöhen können. Dazu zählen Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten oder kaliumsparende Diuretika.

Etwa 136 der betroffenen Patienten nahmen zusätzlich noch Medikamente, die das Kaliumrisiko weiter erhöhen. Häufig kennt der Arzt nicht die komplette Medikation. Nur in der Apotheke kann deshalb das Gesamtrisiko ermittelt und entsprechend interveniert werden.

Vor diesem Hintergrund haben sich zwölf Apotheker in einem Qualitätszirkel zusammengeschlossen, um ein praktisches Prozedere zum Patientenscreening und zur Medikationsüberwachung zu entwickeln, wie Stephan Achterberg, Referent für Fortbildung bei der Apothekerkammer Berlin gegenüber ApothekerPlus erläuterte.

Aus ihrer Arbeit entstanden ist ein Schnellschema mit dem Alter/Geschlecht, Kaliumwert/Nierenfunktion, Erkrankung/Komorbidität, den Kaliumspiegel beeinflussenden Arzneimitteln sowie Befinden/Allgemeinzustand in einer Apotheke erfasst werden. Anhand der Angaben kann ein Apotheker dann das Risiko des Patienten für unphysiologische Kaliumspiegel ermitteln und bei Auffälligkeiten dem behandelnden Arzt Rückmeldung geben.

Dieser entscheidet dann, ob der Kaliumwert überprüft werden muss und eventuell eine Therapieumstellung nötig ist.

In einem nächsten Schritt soll der Bogen nun außerhalb des Qualitätszirkels in weiteren Berliner Apotheken getestet werden. Außerdem wurden Konzepte zur Kommunikation mit Arzt und Patient und zur Teamschulung erarbeitet. "Das Schema wurde nach praxisnahen Gesichtspunkten entwickelt, die wissenschaftliche Evaluation steht noch an", so Achterberg. Erste Reaktionen von Ärzten sind nach seinen Angaben durchweg positiv ausgefallen.

Resultate ihrer Arbeit hat die Apothekerkammer Berlin auch kürzlich auf dem 9. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung sowie auf der 5. Jahrestagung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit präsentiert. "Die Apotheke ist die letzte Kontrollinstanz, bevor der Patient sein Arzneimittel einnimmt. Damit leisten die Beratungen der Offizin einen unersetzlichen Beitrag zur Therapiesicherheit", betont Achterberg.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kolumne aus Berlin

Medizin ohne Arzt: Das Land klatscht Beifall

Das könnte Sie auch interessieren
Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

© quantic69 | iStock

Politische Perspektive

Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

Anzeige | CSL Behring GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

Risiko einschätzen und Lebensstil ändern

Diabetes und Vorhofflimmern: Das hilft gegen die gefährliche Kombi

Kasuistik

Der Fall eines Patienten mit MODY-Diabetes nach längerer Remission

Lesetipps
Ein Dermatologe mit blauen Handschuhen untersucht im Rahmen einer Hautkrebsvorsorgeuntersuchung die durch einen Kreis als auffällig markierten Muttermale auf dem Rücken eines Mannes.

© kinomaster / stock.adobe.com

Frage an die Ethiker

Darf der Intimbereich beim Hautkrebs-Screening ausgelassen werden?