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Schavan stellt Gesundheitsforschungszentren vor

Neue Zentren für Gesundheitsforschung sollen den Wirtschafts- und den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken. Aus der Hochschulmedizin wird Kritik laut.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Netzwerk Forschung: Annette Schavan (mitte) und sechs Sprecher der geförderten Gesundheitszentren.

Netzwerk Forschung: Annette Schavan (mitte) und sechs Sprecher der geförderten Gesundheitszentren.

© BMBF

BERLIN. Vier weitere Zentren für die Erforschung von Volkskrankheiten sind am Donnerstag an den Start gegangen. Als Anschubfinanzierung stelle das Bundesforschungsministerium (BMBF) bis 2015 rund 700 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Forschungsministerin Professor Annette Schavan bei der Vorstellung der Zentren in Berlin.

Die Förderung der Forschungszentren gehe nicht zu Lasten der Projektförderung und der Zuwendungen an andere Forschungs- und Sonderforschungsbereiche in der Medizin. Insgesamt stünden bis 2014 5,5 Milliarden Euro für die Gesundheitsforschung bereit.

Schavan stellte die vier neuen Zentren vor. Es sind das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL), das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung.

Bereits seit zwei Jahren arbeiten das Deutsche Zentrum für Neurdegenerative Erkrankunge (DZNE) und das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD).An insgesamt 39 Standorten forschen nun Wissenschaftler von mehr als 120 Hochschulen, Universitätsklinika und Einrichtungen wie den Max-Planck-Instituten, Fraunhofer Instituten, der Leibniz Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft interdisziplinär.

Die Zentren sollen dazu beitragen, neue Erkenntnisse der Wissenschaft schneller in die Krankenhäuser und Arztpraxen zu bringen. Dem Ministerium schweben die Zentren ferner als Kristallisationskerne für strategische Allianzen mit Biotechnologie, Pharma- und Medizintechnikunternehmen vor.

Kritik an den Strukturen der Zentren kommt aus der Hochschulmedizin. Die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin vermisst in der Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Partnern den Respekt. Die maßgeblich von der Bundesregierung finanzierten Helmholtz-Zentren als außeruniversitäre Partner hätten versucht, die Uniklinika zu dominieren, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft.

Verträge würden einseitig zu Ungunsten der Uniklinika gestaltet. "Zentralhierarchische Strukturen" und "Top-Down-Steuerung" konterkarierten den übergreifenden Ansatz. Die Forschungskultur an den Universitäten aber sei und bleibe "bottom-up".

Für Schavan ist diese Kriti bereits "Geschichte". Die universitären und außeruniversitären Partner arbeiteten in gemeinsamen Gremien auf Augenhöhe zusammen, trotz des deutlichen Übergewichts des Bundes bei der Finanzierung der Gesundheitszentren. "Es kann überhaupt keine Rede davon sein, dass die Helmholtzgesellschaft entscheidet", sagte die Ministerin.

Die Debatte darüber, ob der Bund über die Helmholtzgesellschaften Einfluss auf die Universitätsklinika nehmen wolle, sah sie dem überbordenden Selbstbewusstsein aller Beteilgten geschuldet. Dass sich die Strukturen des Wissenschaftsbetriebes ändern müssten, mahnte die Ministerin gleichwohl an. Die Helmholtzgesellschaft sehe ihren Auftrag darin, diese Strukturen weiterzuentwickeln.

Die Versäulung zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung müsse aufgebrochen werden, sagte Schavan.

Die sechs geförderten Gesundheitszentren

  • Deutsches Zentrum für Diabetesforschung Jeder dreizehnte Deutsche leidet an Diabetes, rechnet das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) vor. Die Forscher in dem bereits 2009 gegründeten Zentrum gehen die molekularen Grundlagen des Diabetes an, um zur Aufklärung der Vorgänge im Körper beizutragen und Präventionsstrategien zu entwickeln. Dafür arbeiten Grundlagenforscher und Kliniker eng zusammen.
  • Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen Schon seit 2009 widmet sich das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen der Erforschung von Alzheimer, Parkinson und weiterer Volkskrankheiten. Im Fokus haben die Wissenschaftler auch die Risikofaktoren wie Altern, Diabetes und Depression. Das Zentrum will daraus auch Strategien zur Verbesserung der Pflegequalität und der Information von Angehörigen ableiten.
  • Deutsches Zentrum für Infektionsforschung Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) nimmt seine Arbeit voraussichtlich im Herbst 2011 auf. Die Wissenschaftler des Netzwerkes von universitären und außeruniversitären Einrichtungen an zwölf Standorten konzentrieren ihre Arbeit auf die Erforschung von Krankheitsursachen und -verläufen sowie neuer Ansätze für Diagnostik, Prävention und Therapie.
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung Forschungsergebnisse schnell in die Praxis übertragen soll das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK). Das Konzept der Partner an zehn Standorten sieht sieben Forschungsprogramme vor, darunter Molekulare Diagnostik und Früherkennung. Fünf Forschungsplattformen stehen allen Partnern gemeinsam zur Verfügung. Das Budget beträgt fünf Millionen Euro.
  • Deutsches Zentrum für Herzforschung Aufgabe des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung mit seinen 13 Partnerstandorten ist es, aufbauend auf einer starken Grundlagenforschung innovative klinische und epidemiologische Studien aufzulegen. Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Aufklärung der genetischen und molekularen Ursachen von Herzmuskelschwäche und Rhythmusstörungen.
  • Deutsches Zentrum für Lungenforschung Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) verknüpft an zehn Standorten universitäre und außeruniversitäre pneumologische Forschungszentren. Die wichtigsten Forschungsfelder sind die chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma Bronchiale, Lungengerüsterkrankungen, Lungenentzündungen, Lungenkrebs, pulmonale Hypertonie und Lungenversagen.
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