FDP versus Regierung

Streit um Corona-Lolli-Tests für Grundschulkinder

30 Sekunden lutschen, danach ein PCR-Pooltest im Labor: Lolli-Tests gelten als probates Mittel, um den Regelbetrieb an Schulen am Laufen zu halten. Laut FDP verschläft die Bundesregierung aber das Potenzial der Testmethode.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Eine Lehrerin in einer Grundschule in NRW erklärt ihren Schülern den „Lolli-Test“. In dem Bundesland sind die Tests seit Mai im Einsatz.

Eine Lehrerin in einer Grundschule in NRW erklärt ihren Schülern den „Lolli-Test“. In dem Bundesland sind die Tests seit Mai im Einsatz.

© Roland Weihrauch / dpa / picture alliance

Berlin. Die FDP wirft der Bundesregierung Versäumnisse bei der Corona-Teststrategie für Kitas und Grundschulen vor.

Insbesondere bei der Umsetzung von PCR-Lolli-Pooltests unterstütze der Bund die Länder nicht hinreichend. Dabei seien Lolli-Tests ein Goldstandard in der Teststrategie für jüngere Kinder, sagte die FDP-Gesundheitspolitikerin Katrin Helling-Plahr der „Ärzte Zeitung“ am Mittwoch.

Ihre Partei habe früh auf die kindgerechte Methode der Lolli-Tests hingewiesen, betonte die FDP-Politikerin. Die Tests könnten einen geregelten Alltag vor allem an Grundschulen sicherstellen. Dass der Bund das Angebot nicht stärker vorantreibe, sei daher „völlig unverständlich“. Das gelte auch für die Sicherstellung ausreichend hoher Laborkapazitäten. „Hier darf man mehr erwarten.“

NRW macht es seit Mai vor

Lolli-Tests kommen seit Mai in Nordrhein-Westfalen an Grund- und Förderschulen zum Einsatz. Dabei müssen mehrere Kinder jeweils morgens 30 Sekunden lang an einem Abstrichtupfer lutschen. Danach stecken alle ihre Tupfer in ein Pool-Röhrchen. Dieses geht anschließend ins Labor, wo ein PCR-Test erfolgt.

Bei einem Positivbefund muss jedes Kind der Gruppe am Folgetag zu Hause bleiben und dort erneut einen Lolli-Test machen. Anschließend wird jedes einzelne Stäbchen im Labor untersucht. So lässt sich herausfinden, welches Kind in der Gruppe mit SARS-CoV-2 infiziert ist.

FDP fordert bundesweiten Lolli-Einsatz

Mit Blick auf das neue Schuljahr forderte Helling-Plahr, Lolli-Pooltests müssten nicht nur in NRW, sondern bundesweit zum Einsatz kommen. Die Tests könnten zu einem ungefährdeten Regelbetrieb trotz Corona beitragen.

Wegen der Delta-Variante des Virus diskutieren Bund und Länder derzeit über einen möglichst sicheren Start ins neue Schuljahr. Befürchtet wird, dass es vermehrt zu Ausbrüchen in den Einrichtungen kommen könnte, da Delta als ansteckender gilt und es für Kinder unter 12 Jahren bislang keinen Impfstoff gibt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte unlängst betont, Lolli-Tests könnten Grundlage eines breit anwendbaren und systematischen Testkonzepts in Kitas und Schulen sein.

Schwierige Logistik

Dass Lolli-Tests eine Säule der Teststrategie an Grundschulen darstellen können, erkennt auch die Bundesregierung an. In einer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion heißt es, Lolli-Tests zeichneten sich durch „hohe Sensitivität, Spezifität und Anwenderfreundlichkeit“ sowie Akzeptanz bei jüngeren Kindern aus.

Allerdings erforderten die Tests eine geeignete Transportlogistik zu den Laboren. Diese Logistik sicherzustellen, könne sich gerade in ländlichen Regionen als schwierig erweisen, gibt die Regierung zu bedenken.

Dort, wo die mittels Lolli erfolgte Form der Beprobung nicht möglich sei, könnten Antigentests mit Probennahme im vorderen Nasenraum zum Einsatz kommen, schlägt die Regierung vor. Problematisch an dieser Testmethode sei jedoch, dass jüngere Kinder diese oft schlechter tolerierten oder sich die Tests nicht korrekt ausführen ließen.

Bund verweist auf Länder und Kommunen

Dünn fällt die Antwort der Regierungsvertreter auf die Frage aus, ob der Bund gemeinsam mit den Ländern dafür sorgen solle, Lolli-Tests in Kitas und Grundschulen aller Bundesländer zum Einsatz zu bringen. Die Entscheidung, „ob und gegebenenfalls welche Tests“ in Schulen und Kitas eingesetzt werden, obliege den zuständigen Ländern und Kommunen, schreibt die Regierung.

Zudem befürchtet der Bund offenbar, dass die flächendeckende Anwendung der Lolli-PCR-Tests vorhandene Laborkapazitäten sprengen könne. Immerhin sei von Testungen für rund 8,3 Millionen Kindern an allgemeinbildenden Schulen und weiteren 2,7 Millionen Kindern in Kitas auszugehen. Bei einer Poolgröße von im Schnitt 26 Abstrichtupfern und zwei Testungen pro Woche wären dies etwa 850.000 PCR-Tests, die anfielen.

Jede Auflösung eines positiven Pools ziehe weitere PCR-Tests nach sich, sodass sich deren Anzahl bei steigender Inzidenz stark erhöhen könne, gibt die Regierung zu bedenken – wohl auch aus fiskalischen Gründen: Bislang übernehmen Bund und Länder die Kosten für PCR-Tests an vielen Kitas ud Schulen. (Mitarbeit af)

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