MB berichtet

Schwierige Tarifverhandlungen für Uni-Ärzte

Bei der ersten Tarifrunde für die 20 000 Ärzte an Unikliniken beißt der Marburger Bund bei den Arbeitgebern erst einmal auf Granit. Aber er gibt sich kämpferisch – und blickt auf eine historische Jahreshauptversammlung in Berlin.

Von Thomas Hommel und Christian Beneker Veröffentlicht: 07.11.2019, 12:54 Uhr
Etwa 20.000 Ärzte arbeiten an den 23 Unikliniken.

Etwa 20.000 Ärzte arbeiten an den 23 Unikliniken.

© Mathias Ernert, Kreiskrankenhaus

Berlin. Der Marburger Bund (MB) hat sich enttäuscht über die Auftaktrunde der Tarifverhandlungen für die rund 20 000 Ärzte an den 23 Universitätskliniken gezeigt.

Die Arbeitgeberseite – die Tarifgemeinschaft der Länder – sei „tradierten Mustern“ gefolgt und habe alle von der Gewerkschaft vorgelegten Vorschläge erst einmal kategorisch abgelehnt, sagte der stellvertretende MB-Vorsitzende Dr. Andreas Botzlar am Donnerstag in Berlin. „Wir hätten uns gewünscht, mit inhaltlichen Dingen zu beginnen.“

MB-Verhandlungsführer Christian Twardy sagte, es liege noch „ein hartes Stück Arbeit“ vor beiden Seiten. Die Auftaktrunde habe deutlich gemacht, dass die Arbeitgeberseite falsche Vorstellungen vom Ausmaß der Belastungen der Klinikärzte habe. Die Gespräche sollen Anfang Dezember fortgeführt werden.

Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Gehalt und eine Neuregelung des Bereitschaftsdienstes. So sollen solche Dienste nur noch an maximal zwei Wochenenden im Monat angeordnet werden dürfen.

Ferner strebt die Gewerkschaft eine „verlässlichere“ Dienstplangestaltung und eine „manipulationsfreie Arbeitszeiterfassung an. Derartige Verbesserungen im Arbeitsalltag der Ärzte an den Unikliniken ließen sich durch betriebliche Regelungen alleine nicht umsetzen, sagte Botzlar. „Dafür braucht es auch tarifvertragliche Regelungen.“

Jahreshauptversammlung am Wochenende

Das Thema dürfte auch die Delegierten der diesjährigen Hauptversammlung des MB beschäftigen. Diese findet am 8. und 9. November in Berlin statt.

Die Versammlung hat historischen Charakter, da der amtierende MB-Vorsitzende Rudolf Henke nach zwölf Jahren an der Spitze der Gewerkschaft nicht mehr für den Posten kandidiert. „Das ist ein Stück Abschied“, betonte Henke. Mit Wehmut scheide er aber nicht aus dem Amt aus.

Der MB stehe finanziell „stark“ da und habe mehr Mitglieder als je zuvor. Als einen zentralen „Wunsch“ der Gewerkschaft an die Politik formulierte Henke, die ärztlichen Personalkosten aus den Fallpauschalen in Kliniken (DRG) herauszulösen.

Derzeit werde nur die Hälfte des Investitionskostenbedarfs der Krankenhäuser von den dafür zuständigen Ländern gedeckt. Diese Lücke versuchten die Häuser zu stopfen, indem sie auch bei den Personalkosten einsparten. Aus diesem Grund seien bereits die Pflegepersonalkosten von den Fallpauschalen getrennt worden.

„Das finden wir auch gut“, sagte Henke. Es könne aber nicht sein, dass man die Mittel, die bisher bei der Pflege eingespart worden seien, nun „umschichte“ und bei den Ärzten einzusparen versuche.

Gliedere man Pflege und die Ärzte aus dem DRG-System heraus, summiere sich das freilich auf einen Kostenblock von 40 bis 45 Prozent, der nicht mehr im DRG-System abgebildet werde. Ein Umbau der Klinikfinanzierung sei dann unabdingbar, so Henke.

Dieser Beitrag wurde am 07.11.2019 um 15:01 Uhr aktualisiert.

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