Pflege der Zukunft

Wer ist der Kümmerer?

Mehr Kooperation aller Akteure in der Pflege - das ist Konsens. Doch wer hat den Hut auf, wurde bei einer Podiumsdiskussion gefragt.

Veröffentlicht: 29.04.2016, 11:04 Uhr

POTSDAM. Ärzte, Angehörige, Pflegedienste, Pflegekassen und Kommunen müssen näher zusammenrücken, um die Versorgung von Pflegebedürftigen in Brandenburg für die Zukunft zu sichern. Das war das Fazit bei einer Diskussionsveranstaltung der AOK Nordost in Brandenburg.

Elimar Brandt, Vorsitzender der Pflegezukunftsinitiative, forderte ein abgestimmtes Konzept aller an der Pflege Beteiligten in einer Region, damit im Sinn der Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen gehandelt werden könne.

Sozialdezernent Wolfgang Gall aus dem Landkreis Havelland hält es für die Zusammenarbeit vor Ort für essenziell wichtig, um Bedarfe zu erkennen und zu ermitteln, was sich umsetzen lasse und was nicht. Er forderte mehr Beteiligungs- und Entscheidungsmöglichkeiten für die Kommunen.

Die AOK Nordost sieht größte Herausforderung darin, auch in den dünner besiedelten Regionen Brandenburgs Strukturen und bedürfnisorientierte Angebote zu schaffen, die eine umfassende Betreuung der Pflegebedürftigen nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" ermöglichen.

Denn in Brandenburg treffen steigende Zahlen Pflegebedürftiger auf einen wachsenden Fachkräftemangel in der Pflege. Die Landesregierung hat deshalb eine "Pflegeoffensive" gestartet.

Um gegenzusteuern setzt Gesundheitsstaatssekretärin Almut Hartwig-Tiedt (Linke) auf die geplante generalisierte Pflegeausbildung. Anne Böttcher, Geschäftsführerin der AWO Brandenburg dagegen äußerte Befürchtungen, dass die Ausbildungsreform zulasten der ambulanten Pflege gehen wird. Einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, dass über weitere Betreuungsmodelle nachgedacht werden müsse.

Kein neues, sondern ein altes Modell favorisiert dafür der Gesundheits- und Pflegewissenschaftler Professor Johann Behrens. Er vertrat die Auffassung, dass mit dem Modell der früheren Gemeindeschwester die Betreuung vor Ort verbessert werden könnte.

In Brandenburg ist mittlerweile jeder Vierte über 70 Jahre pflegebedürftig. Mehr als drei Viertel der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Die Zahl der über 80 Jährigen beträgt landesweit rund 135.000 - Tendenz stark steigend. (ami)

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