Berufskrankheiten

Asbest bleibt ein Thema

Bei asbestbedingten Berufskrankheiten hat es in den vergangenen zehn Jahren gegensätzliche Entwicklungen gegeben.

Veröffentlicht:

Berlin/Dortmund. Im Zeitraum von 2009 bis 2018 ist die Zahl der erstmals bezüglich der Berufskrankheit (BK) Nummer 4103 (Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankungen der Pleura entschiedenen Fälle von 3326 auf 3061 zurückgegangen.

Im vergangenen Jahr haben die Unfallversicherungsträger und die gewerblichen Berufsgenossenschaften erstmals in 1064 Fällen zur BK-Nr. 4105 (Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells oder des Perikards) entschieden – 2009 waren es noch 1222 Fälle. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Deutlich gestiegen ist im Zehnjahresvergleich hingegen die Zahl der erstmals entschiedenen Fälle im Hinblick auf die BK Nummer 4104 (Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs oder Eierstockkrebs in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren. 2009 waren hier 3202 erstmals entschiedene Fälle zu verzeichnen gewesen, im vergangenen Jahr waren es dagegen bereits 4501 Fälle.

„Der Bundesregierung ist bekannt, dass Weißasbest eine gegenüber Blauasbest geringere Biobeständigkeit aufweist (‚Fahrerfluchtphänomen‘). Für die Anerkennung asbestbedingter Lungenerkrankungen als Berufskrankheiten stellen die Berufskrankheiten nach Nummern 4103 und 4104 der Berufskrankheitenverordnung (BKV) folgerichtig primär auf den Nachweis asbesttypischer Lungen- oder Pleuraveränderungen oder den Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaubdosis von mindestens 25 Faserjahren ab“, schreibt die Bundesregierung auf die Frage nach der durch die Biopersistenz bedingte, geringere Anerkennung mancher asbestassoziierter Berufskrankheiten.

Trotz eines umfassenden Verbots im Jahr 1993 sterben jährlich etwa 1500 Menschen an den Folgen von Asbest – lange wurde es als das „Mineral der tausend Möglichkeiten“ gepriesen. Dies geht aus dem 2015 veröffentlichten, ersten nationalen Asbest-Profil für Deutschland der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hervor.

In der Vergangenheit seien demnach bis zu 2,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland asbestgefährdet gewesen, weil sie asbesthaltigen Stäuben ausgesetzt gewesen sind. (maw)

Mehr zum Thema

Arbeitsmedizin

EU: Corona soll auf die Berufskrankheitenliste

Kommentar zu Berufskrankheiten

Mit Schwung und Erfolg alte Zöpfe abgeschnitten

Das könnte Sie auch interessieren
Probeentnahme für einen Corona-Test: In den USA sind im ersten Jahr der Coronaimpfung knapp 14 Prozent der komplett geimpften Krebskranken an COVID erkrankt, aber nur 5 Prozent der geimpften Patienten ohne Krebs. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pekic / Getty Images / iStock

Viele Durchbruchsinfektionen

COVID-19 bleibt auch für geimpfte Krebspatienten gefährlich

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

Anzeige | LEO Pharma GmbH
VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

© LEO Pharma GmbH

Publikation

VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Eingespieltes Team: Die beiden Vorsitzenden der Ständigen Konferenz „Ärztliche Weiterbildung“ der Bundesärztekammer (StäKo), Professor Henrik Herrmann und Dr. Johannes Albert Gehle, erläuterten in Bremen den aktuellen Stand der (Muster-)Weiterbildungsordnung.

© Rolf Schulten

126. Deutscher Ärztetag

Heiße Debatte über Fehlzeiten in der Weiterbildung

BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt leitet den 126. Deutschen Ärztetag.

© Porträt: Rolf Schulten | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag“-Podcast

Bringt die neue GOÄ für Ärzte mehr Bürokratie, Dr. Reinhardt?

Affenpocken – ein kurzer Überblick für die Praxis

© Springer Medizin

„EvidenzUpdate“-Podcast

Affenpocken – ein kurzer Überblick für die Praxis