Kampf gegen Corona

Bitkom-Präsident: Impftermin-Management „einer Hightech-Nation unwürdig“

Der Digitalverband Bitkom nimmt zwei aktuelle Umfragen zum Anlass, um das Pandemiemanagement in Deutschland zu kritisieren. Insbesondere beim Thema Corona-Impfung handle man „Blindflug“ – zum Ärger der Bürger.

Von Margarethe UrbanekMargarethe Urbanek Veröffentlicht:
Kurz vor zwölf – Impftermin schon vereinbart? Bitkom-Präsident Achim Berg fordert am Dienstag, umgehend am Terminmanagement für die Corona-Schutzimpfung zu drehen. Eine Umfrage seines Verbands unterstützt seine Forderung.

Kurz vor zwölf – Impftermin schon vereinbart? Bitkom-Präsident Achim Berg fordert am Dienstag, umgehend am Terminmanagement für die Corona-Schutzimpfung zu drehen. Eine Umfrage seines Verbands unterstützt seine Forderung.

© Stillfx / stock.adobe.com

Berlin. Mit zunehmender Dauer der Coronavirus-Pandemie wächst auch die Kritik am Status quo der Digitalisierung in Deutschland, etwa bei der Terminvergabe für Corona-Schutzimpfungen, der digitalen Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern oder der Übermittlung von Testergebnissen.

Aktuell wünschen sich 75 Prozent der Menschen in Deutschland einen stärkeren Einsatz digitaler Technologien, um die Corona-Pandemie besser in den Griff zu bekommen.

Das ist das Ergebnis zweier repräsentativer Umfragen des Digitalverbands Bitkom, die am Dienstag vorgestellt wurden. Eine Umfrage zur Corona-Warn-App wurde im Januar durchgeführt. Die Umfrage zur Corona-Impfung fand im Februar statt. Befragt wurden jeweils mehr als 1000 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren.

Im Durchschnitt rund 20 Anläufe pro Impftermin

Nach Ansicht vieler Bundesbürger laufen insbesondere die Impfaktivitäten nicht schnell genug. So sagen 85 Prozent, es sei mehr Tempo bei der Impfung in Deutschland nötig. Insgesamt würden die meisten Befragten (59 Prozent) ihren Termin gerne online vereinbaren.

Hier herrscht in den Bundesländern jedoch kein einheitliches System. Hinzu kommt: In der Praxis funktionieren die verschiedenen Systeme nur unzureichend: 75 Prozent empfinden die Organisation rund um die Corona-Impfungen als chaotisch.

In den fünf Bundesländern, in denen die Terminvergabe über die KVen läuft, kommen laut Bitkom-Präsident Achim Berg auf 1,4 Millionen vereinbarte Termine insgesamt 39 Millionen einzelne Terminanfragen. Heißt: Im Durchschnitt müssen Bürger rund 20 Anläufe unternehmen, um einen Impftermin zu vereinbaren.

Das gleiche Problem zeigt sich laut Umfrage auch im bundesweiten Durchschnitt: Nur sechs Prozent der Befragten gaben in der Bitkom-Umfrage an, reibungslos einen Impftermin vereinbart zu haben.

„Einer Hightech-Nation unwürdig“

Viele haben dagegen oft dutzende Versuche unternehmen müssen: Jeder Siebte (14 Prozent) hat es maximal 15 Mal probiert. Jeder Fünfte (21 Prozent) hat immerhin 15 bis 25 Versuche unternommen, erneut anzurufen oder die Buchungsseite neu zu laden.

Insgesamt sei bei der Corona-Schutzimpfung binnen kürzester Zeit viel erreicht worden, betonte Bitkom-Präsident Achim Berg am Dienstag. Das Terminmanagement sei jedoch „einer Hightech-Nation unwürdig“. Dies müsse nun „umgehend“ angegangen werden.

Erschwerend hinzu kommt laut Berg, dass es bundesweit keinen Überblick über bereits vergebene Impftermine gibt. Der Verband habe bei KVen und Gesundheitsministerien angefragt, aber keine Auskunft erhalten. „Wie soll so die Impfstofflogistik funktionieren?“, fragte Berg auf der Pressekonferenz am Dienstag.

Und weiter: „Das zeigt, in welchem Blindflug wir durch das Impfmanagement navigieren.“ Angesicht eigentlich existierender digitaler Lösungen sei das „eigentlich nicht entschuldbar“. Er fordert nun ein „bundeseinheitliches und professionelles digitales Terminmanagement auf Basis bestehender Systeme, flankiert von Call-Centern“.

Digitaler Impfpass erwünscht

Der ohnehin für 2022 geplante Digitale Impfpass stößt der Umfrage zufolge nun auf großes Interesse innerhalb der Bevölkerung. Immerhin 64 Prozent geben an, eine Smartphone-App anstelle des Papier-Impfpasses nutzen zu wollen.

Ein Großteil dieser Menschen sieht den größten Vorteil darin, etwa bei Reisen oder Veranstaltungen nachweisen zu können, bereits geimpft zu sein – falls es zu Lockerungen für Geimpfte kommen sollte. 60 Prozent plädieren dafür, dass der digitale Impfpass nicht erst 2022, sondern schon jetzt eingeführt wird.

„Während das Vorziehen des digitalen Impfpasses als Teil der elektronischen Patientenakte strukturell schwer möglich ist, können andere digitale Impfpässe oder -Zertifikate vorübergehend eine Lösung sein“, so Berg. Rund 60 Prozent derjenigen, die nicht am digitalen Impfpass interessiert sind, sorgen sich um den Datenschutz.

Mit Blick auf die Corona-Warn-App hat die Umfrage ergeben, dass diese für viele erst mit Zusatzfunktionen attraktiv werden würde. So würden sich 63 Prozent derjenigen, die die App nicht nutzen, von ihr Hinweise wünschen, wenn sich Infizierte in der Nähe aufhalten. Mehr als jeder zweite würde gern automatische Push-Mitteilungen über den aktuellen Stand des eigenen Risikos erhalten und 46 Prozent Hinweise zum Ort einer Risikobegegnung.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Klaus Rottach

Die Tatsachenverdrehung der Digitalisierungs-Drücker ist unerträglich.

Mein Eindruck ist keineswegs, dass sich die Bürger mehr Digitalisierung wünschen. Noch niemals hat mir das jemand gesagt. Da wäre es doch hochinteressant, welche angeblich repräsentative Umfrage mit welchen Fragen und Antworten dieses Ergebnis hatte (wurde dies journalistisch evaluiert?)-
Mein Eindruck ist, dass die vielgepriesene "Digitalisierung" (bedeutet in der Medizin die Austastung des Rektums mit dem Finger) bislang keinen positiven Effekt hatte. Spahns Corona-Warn-App hat ja wohl weitgehend versagt. Inwiefern die verspätete Bestellung von Impfstoff ein Digitalversagen oder ein Politikversagen war, kann ich nicht sicher beurteilen. Die digitalisierte Anmeldung für die Impfung funktioniert nicht, wie Bitkom-Berg selbst kritisiert. Und nichts wünschen sich die Senioren > 80 weniger als eine Online-Anmeldung. Höchst peinlich für die Health-Digitalisierungs-Industry: die Anmelde-Software ist offenbar ein Schrott-Programm, das den gesamten Datensatz an der email-Adresse festmacht. Wenn für einen zweiten Datensatz die gleiche Email-Adresse verwendet wird, kommt es zur kompletten Löschung des ersten Datensatzes (gilt für Bayern, wurde wohl vor einigen Tagen korrigiert).
Überhaupt ist die Arbeit im Impfzentrum zu ca. 80% durch Digital-Dienern bestimmt. Das Netzwerk muss gefüttert werden, falls es nicht gerade am Boden liegt, zahllose Dokumente müssen eingescannt werden (falls der Scanner funktioniert), am Ende bekommt der Patient ein Dokument ausgedruckt, wenn der Drucker gerade geht. Irgendwann zwischendurch wird mal schnell geimpft. Man könnte wohl 3x so viele Patienten in der selben Zeit impfen, wenn man nicht so durch diesen Digital-Meteorismus ausgebremst würde. Tatsächlich haben viele nach einem Eintrag in den Impfausweis verlangt, niemals wurde dagegen bei uns nach einem digitalen Impfpass gefragt.
Alles in allem wäre es leichter, wenn wir nur Pandemie und nicht auch noch dieses gebetsmühlenartige Digitalisierungs-Geschrei hätten.


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