Was Ärzte wollen

Die Anforderungen an den E-Arztbrief

Ärzte stellen erhebliche Erwartungen an den elektronischen Arztbrief. Welche das sind, erläutert ein Telematik-Experte.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Datensicherheit und Kompatibilität sind die großen Herausforderungen, damit sich Ärzte schnell via IT miteinander austauschen.

Datensicherheit und Kompatibilität sind die großen Herausforderungen, damit sich Ärzte schnell via IT miteinander austauschen.

© Robert Kneschke / fotolia.com

ESSEN. Ärzte stellen eindeutige aber auch anspruchsvolle Bedingungen an den elektronischen Arztbrief. "Der IT-unterstützte Arztbrief muss besser und schneller sein als der herkömmliche und genauso verbindlich, zuverlässig und sicher", forderte Dr. Hans-Jürgen Bickmann auf dem Kongress IT-Trends Medizin/Health Telematics in Essen.

Bickmann ist einer der beiden Vorsitzenden des Ärztlichen Beirats, der in Nordrhein-Westfalen den Aufbau einer Telematik-Infrastruktur begleitet.

Der Beirat hat Empfehlungen zum elektronischen Arztbrief herausgegeben. Eine solche Innovation sei nur dann sinnvoll, wenn sie dazu beiträgt, die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern, erläuterte der in Siegen beheimatete Gynäkologe.

Integration in jede Praxis-EDV

Deshalb müsse der elektronische Arztbrief nicht nur alle relevanten Informationen zur aktuellen Symptomatik, Diagnostik und Therapie enthalten, sondern auch Angaben zur bisherigen Diagnostik sowie ergänzende Empfehlungen und Warnhinweise.

Damit die neue Technik für die Anwender auch zu einer Zeitersparnis führt, müssten die Ärzte Diagnosen eindeutig verifizieren können. Die Briefe müssten sich in jedes Praxisverwaltungs- und Krankenhausinformationssystem integrieren lassen.

Wichtig sei darüber hinaus, dass Ärzte Befunde und ihre Quelle schnell wiederfinden und erkennen können, betonte Bickmann. Er verwies auf einen aus Sicht der Ärzte besonders kritischen Punkt: die eindeutige Regelung der Verantwortlichkeiten und der Haftung bei der Arbeit mit den E-Arztbriefen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass uns auch alte Informationen um die Ohren gehauen werden können", sagte er.

Deshalb sei es beispielsweise wichtig, dass keine Originalbefunde mit medizinischer Relevanz ohne eine fachliche Interpretation in den Arztbrief eingestellt werden. Fremdbefunde sollten dementsprechend auch als solche gekennzeichnet werden.

Angesichts der ärztlichen Dokumentationspflichten sei es außerdem notwendig, dass alle Datenformate mindestens bis zum Ende der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist lesbar und ohne Vertraulichkeits- und Authentizitätsverlust konvertierbar sind.

Bickmann: "Wir müssen die Briefe unabhängig von der technischen Umgebung immer wieder aufrufen können."

E-Arztbrief in täglicher Praxis einsetzbar

Die Erfahrungen aus einem aktuellen Modellprojekt in Düren zeigen, dass der E-Arztbrief in der täglichen Praxis einsetzbar ist, berichtete bei dem Essener Kongress Gilbert Mohr, IT-Experte der KV-Telematik sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, der das Projekt leitet. "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, funktioniert es."

Düren profitiert allerdings davon, dass dort sehr viele Ärzte mit der gleichen Software arbeiten, und zwar der von Duria. "Das ist ein ideales Biotop", versicherte Mohr.

Bislang sind nach Auskunft des Projektleiters in der rheinischen Stadt schon mehr als 82.000 elektronische Arztbriefe mit einer qualifizierten Signatur verschickt worden, monatlich seien es inzwischen 4500 bis 5000, berichtete Mohr.

Rund 20 fachärztliche Praxen verschicken elektronische Arztbriefe, 120 Hausärzte sind die Empfänger. An dem Pilotprojekt beteiligen sich auch drei regional ansässige Krankenhäuser.

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