Weiterbildung

"Förderung tut gut"

Warum nicht einfach mal zufrieden sein mit dem, was sich in letzter Zeit für Ärzte in Weiterbildung getan hat? Gemeckert wird genug, meint Dr. Jonas Hofmann-Eifler.

Von Dr. Jonas Hofmann-Eifler Veröffentlicht:

Bis vor wenigen Jahren war es für viele Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin aus finanziellen Gründen kaum möglich, ambulante Weiterbildungsabschnitte zu absolvieren. Die meisten niedergelassenen Allgemeinmediziner konnten sich schlichtweg eine den Krankenhaustarifen angelehnte Bezahlung ihrer Assistenzärzte nicht leisten.

Leidtragende waren die jungen Weiterbildungsassistenten ohne ausreichende ökonomische Sicherheit – für viele junge Familien ein sehr großes Problem. Diese finanzielle Unsicherheit hat damals viele von der Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin in Deutschland abgeschreckt.

Mit dem sich verstärkenden Hausärztemangel der letzten Jahre und dem kontinuierlichen Aufbau und Erstarken der verschiedenen Weiterbildungsverbünde in Deutschland, allen voran der Verbundweiterbildung Plus Baden-Württemberg, wuchs der Druck 2010 auf die Politik, durch neue finanzielle Rahmenbedingungen für mehr Attraktivität in der Ausbildung junger Hausärzte zu sorgen.

Mittlerweile erhalten die ambulanten Weiterbilder 4800 Euro monatlichen Zuschuss für ihre Schützlinge. Diese finanzielle und ideelle Förderung hat dazu geführt, dass die Zahl der ambulant geförderten Ärzte in Weiterbildung regional um 24 Prozent angestiegen ist (nach J. Steinhäuser 2016).

Nicht nur Kliniken und Hausärzte können diese finanzielle Förderung, deren Grundlage die Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung gemäß Paragraf 75a SGB V zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen auf Bundesebene darstellt, beantragen, sondern seit kurzem zum Beispiel in Baden-Württemberg unter anderem auch niedergelassene Pädiater, Orthopäden und Augenärzte.

Unbegrenzt und limitiert

Die anderen Facharztgruppen möchten also auch vom Kuchen des finanziellen Erfolgsmodells für die Allgemeinmedizin ein Stück bekommen. Die Förderstellen für Allgemeinmediziner sind unbegrenzt, die der anderen Fachgruppen limitiert.

Die Implementierung der finanziellen Förderung ist insgesamt als sehr positiv zu bewerten. Sie hat dazu geführt, dass die jungen Hausärzte in Ausbildung das gleiche Gehalt erhalten wie im Krankenhaus und nicht nach der Krankenhausausbildung wie früher in eine unsichere finanzielle Situation geraten, wenn sie ihre Weiterbildung im ambulanten Sektor abschließen. Dazu sind die Weiterbilder mittlerweile gesetzlich verpflichtet.

Konkret heißt das, dass im fünften und letzten Weiterbildungsjahr die werdenden Hausärzte genau 5361,94 Euro brutto monatlich für eine 100-Prozent-Stelle verdienen, für die der Arbeitgeber dank der Förderung lediglich 561,94 Euro plus etwa 700 Euro Lohnnebenkosten zahlen muss.

Beide Seiten profitieren von diesem Fördermodell: Der Weiterbilder wird in der Praxis bei sehr geringen Ausgaben von einem approbierten Arzt unterstützt, der Weiterbildungsassistent erhält das gleiche Gehalt wie im Krankenhaus und meist eine sehr gute Weiterbildung dank des 1:1-Betreuungsverhältnisses.

Meine Erfahrung und auch die vieler meiner Kollegen zeigen, dass die Weiterbilder in der Praxis sich mehr Zeit für uns Assistenten nehmen als in der Ära vor der Förderung, da sie nicht mehr unter dem finanziellen Druck stehen, ihre Kosten wieder hereinzuarbeiten. Das tut auch der Beziehung der beiden gut. Teilzeitstellen sind im Fördermodell übrigens auch vorgesehen.

Es kann schwierig werden

Neben all den Systemverbesserungen merken kritische Stimmen jedoch an, dass man in manchen Bundesländern mit Erhalt der Fördersumme die Verpflichtung eingeht, dort auch später allgemeinmedizinisch arbeiten zu müssen. Weiterhin ist zu bedenken, dass der Weiterbildungsassistent einen Teil der Fördersumme zurückzahlen muss, wenn er später nicht als Allgemeinmediziner arbeitet oder die maximale Weiterbildungszeit von fünf Jahren überschreitet. Elternzeit kann zwar angerechnet werden, jedoch wird es zum Beispiel bei Auslandsaufenthalten und anderen Konstellationen schon schwieriger.

Auch später nach der Assistenzarztzeit ist eine Tätigkeit in der Hausarztpraxis finanziell absolut attraktiv. Angestellt bekommt man meist ein dem Krankenhaus gleichgestelltes Facharztgehalt von rund 6000 Euro brutto im Monat oder als Selbstständiger 13.000 Euro brutto monatlich nach Abzug aller Praxiskosten (nach Kostenstruktur der KBV, Basisjahr 2012), was mindestens einem leitenden Oberarztgehalt entspricht.

Wir Allgemeinmedizin-Weiterbildungsassistenten können mit dem aktuellen finanziellen Fördersystem insgesamt zufrieden sein. Aber auch später gestaltet sich die angestellte oder selbstständige Arbeit als Facharzt für Allgemeinmedizin ökonomisch sehr attraktiv.

Dr. Jonas Hofmann-Eifler

Alter: 30

Aktuelle Position: Weiterbildungsassistent Allgemeinmedizin, aktuell in einer orthopädischen Gemeinschaftspraxis in Emmendingen (Baden-Württemberg)

Werdegang: Approbation in Freiburg 2012, Assistenzarzt in der Inneren Medizin des Ortenau Klinikums Offenburg und in der Endokrinologie/Diabetologie des Universitätsklinikums Freiburg

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