Rheuma-Vertrag

Honorar steigt mit der Zufriedenheit der Patienten

Im Rheuma-Strukturvertrag in Brandenburg betreuen 309 Hausärzte und 26 Rheumatologen 3300 Patienten. Jetzt wurde das Honorar für die Ärzte erhöht.

Von Angela Mißlbeck Veröffentlicht:
Dank zufriedener Patienten erhalten Ärzte im Strukturvertrag zehn Prozent mehr Honorar.

Dank zufriedener Patienten erhalten Ärzte im Strukturvertrag zehn Prozent mehr Honorar.

© cameravit / stock.adobe.com

Potsdam. In Brandenburg zahlt es sich für die Ärzte aus, wenn Patienten mit ihrer Rheumabehandlung zufrieden sind. Stimmen die Umfrageergebnisse, dann steigt das Honorar.

So regelt es der Rheuma-Strukturvertrag zwischen AOK Nordost und Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB) bereits seit 2011. Jetzt ist er mit generell verbesserten Honoraren verlängert worden.

„Der seit Jahren erfolgreich laufende Rheumastrukturvertrag der AOK Nordost ist ein Beispiel dafür, dass eine am Ergebnis orientierte Vergütung zu guten Resultaten führen kann“, meint Pramono Supantia, Leiter Programme und Verträge im Versorgungsmanagement der AOK Nordost.

Der Vertrag zur abgestimmten haus- und fachärztlichen Versorgung von Rheuma-Patienten in Brandenburg soll die Diagnostik beschleunigen und mit einem frühen Behandlungsbeginn und engmaschigen Kontrollen Komplikationen und Spätfolgen verhindern. Dazu setzen die Vertragspartner auf eine enge Zusammenarbeit zwischen den wenigen Rheumatologen in Brandenburg und den Hausärzten.

Ziele wurden erreicht

„Die Ergebnisse der Patientenbefragung zeigen, dass diese Ziele mit dem Rheuma-Strukturvertrag erreicht werden“, so Supantia weiter. 309 Hausärzte und 26 Rheumatologen betreuen in diesem Rahmen rund 3300 Patienten.

Die nun vereinbarte Honorarerhöhung soll nach Supantias Angaben dem Mehraufwand für eine intensivere Versorgung der AOK-Versicherten Rechnung tragen.

„Im Sinne einer guten medizinischen Versorgung unserer Versicherten stehen alle unsere Versorgungsverträge regelmäßig auf dem Prüfstand und werden bedarfsgerecht weiterentwickelt“, erläutert er.

KVBB-Chef Dr. Peter Noack zeigt sich erfreut, weil die neue Vergütungslösung den ärztlichen Aufwand angemessener abbilde. „Der Rheuma-Strukturvertrag liegt der KVBB besonders am Herzen. Gemeinsam mit der AOK Nordost haben wir seit geraumer Zeit zahlreiche Varianten der Vergütungsanpassung entwickelt und analysiert“, so Noack.

Er verweist auf „die hervorragenden Ergebnisse der Qualitätsbefragungen der teilnehmenden Versicherten“.

Honorar steigt, wenn bestimmte Zufriedenheitsquote erreicht ist

Der Vertrag sieht vor, dass das Honorar der Ärzte steigt, wenn eine bestimmte Patientenzufriedenheitsquote erreicht ist. Dazu führt die AOK Nordost regelmäßig eine Befragung der teilnehmenden Versicherten durch. Sie erhebt dabei unter anderem Krankheitssymptome und deren Verlauf sowie das Schmerzverhalten und den Gesundheitszustand.

Aber auch Abläufe in der Behandlung, der Informationsstand der Patienten über ihre Erkrankung, die Nutzung von Schulungsangeboten und die Zufriedenheit mit der rheumatologischen Betreuung sind Gegenstand der Befragung. Konkret fragt die Kasse zum Beispiel, ob der Rheumatologe den Rheuma-Pass ausfüllt, welche Untersuchungen er vornimmt, wie die Terminvergabe klappt oder ob der Hausarzt informiert wird.

Die AOK Nordost und die KVBB haben dazu schon 2011 bestimmte Pauschalen vereinbart, die jedoch nur zum Teil ausbezahlt werden. Der Auszahlungsanteil steigt abhängig von der Patientenzufriedenheit.

Zeigen sich mehr als 88 Prozent der Patienten zufrieden, steigt die Auszahlungssumme um fünf Prozentpunkte. Sind mehr als 93 Prozent zufrieden, kommen weitere fünf Prozentpunkte oben drauf.

Anfangs haben die Brandenburger Ärzte den Zielwert laut KVBB nicht erreicht. Denn viele Ärzte hatten den Patienten keinen Rheuma-Pass mitgegeben. Nun wird die Vergütung aber rückwirkend ab 2015 zu 85 Prozent ausbezahlt.

Für die Jahre 2016 und 2017 fiel die Qualitätsbefragung der Patienten laut KVBB so gut aus, dass sich die Honorare jeweils um zehn Prozentpunkte erhöhten.

Ärzte begrüßen engere Betreuung

Trotz dieser variablen Pauschalen betrachtet KVBB-Chef Noack den Vertrag nicht als Modell für erfolgsabhängige Vergütung. „Zu Pay for Performance (P4P) gehört mehr als nur eine Patientenbefragung. Unser Vertrag ist da eher ein zartes Pflänzchen, das sich in Richtung P4P entwickeln kann“, sagte er der „Ärzte Zeitung“.

Die Rheumatologen in Brandenburg sind nach seinen Angaben mit dem Vertrag sehr zufrieden, weil sie die Patienten früher überwiesen bekämen, sie enger betreuen könnten und das auch bezahlt bekämen.

Die Vergütung im Rahmen des Strukturvertrags ist mit einzelnen Pauschalen geregelt, etwa für eine kurzfristige Zwischenkontrolle beim Rheumatologen (Tight Control) oder für Patientenschulungen (STRUPI). Mit der Anpassung des Vertrags im Frühjahr dieses Jahres sind auch Regeln zur Arzneiverordnung getroffen worden.

Zehn Prozent mehr Vergütung erhalten die Ärzte für die Verordnung eines bestimmten, jährlich steigenden Anteils von Biosimilars.

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