Hygiene-Skandale: Experten fordern "Stiftung Warentest"

Bremen, Leipzig, Kassel, Fulda - die Liste der jüngsten Hygieneskandale in deutschen Kliniken ist alles andere als bescheiden. Oft rücken resistente Keime in den Fokus. Doch das greife zu kurz, kritisieren Experten. Es gebe noch ganz andere Gefahren.

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Op-Besteck: Genauer prüfen, fordern Experten.

Op-Besteck: Genauer prüfen, fordern Experten.

© Uwe Zucchi / dpa

KASSEL (kaj). Die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW) hat bessere Kontrollen und eine unabhängige Bewertung für die Reinigungsverfahren von Operationsinstrumenten gefordert.

Die Instrumentenaufbereitung müsse im Sinne einer "Stiftung Warentest" unabhängig evaluiert werden, sagte Kongresspräsident Professor Hans-Martin Seipp bei einer Pressekonferenz zum Auftakt des DGfW-Jahreskongresses in Kassel. Um Patienten zu schützen, sei es nötig, neue Geräte und Produkte kritisch zu bewerten.

Vermeintliche Verbesserungen würden entwickelt, aber ihre Wirkung nicht ausreichend untersucht, kritisierte der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin.

"Es gibt sehr viele Einflüsse, die nicht untersucht werden", so Seipp. Ein Beispiel sei der Einsatz silikat-haltiger Reiniger für Desinfektionsautomaten, der neue Risiken für die Prozessqualität bedingt habe.

Hygiene nicht im Schnellverfahren

Die DGfW reagierte mit ihrer Forderung auch auf Hygiene-Skandale in deutschen Kliniken im vergangenen Jahr. In einigen Fällen waren schlierenartige Silikatablagerungen an Operationsbestecken aufgefallen, in anderen Flugrost oder andere unerwünschte Partikel.

Seipp bemängelte, beim Thema Hygiene habe man sich zu lang auf mikrobiologische Fragestellungen konzentriert. Er widersprach der landläufigen Meinung, ein Instrument sei hygienisch einwandfrei, wenn es steril ist.

So gebe es nach Operationen ein hohes Risiko von Verwachsungen, die durch Partikel ausgelöst würden. Diese könnten beispielsweise von Silikat auf Instrumenten stammen. Sie würden aber etwa auch aus Bauchtüchern freigesetzt, wie sie für Operationen verwendet werden.

Die neuen gesetzlichen Regeln für Krankenhaushygiene nannte Seipp "zumindest einen Fortschritt". Zugleich warnte er die Bundesländer davor, die Anforderungen im Schnellverfahren umsetzen zu wollen. Das geforderte Hygienefachpersonal für die Krankenhäuser benötige eine gründliche Ausbildung.

Seipp selbst lehrt an der Fachhochschule Gießen: Dort würden zur Zeit 60 neue Hygienefachleute ausgebildet werden. "Unsere ersten Absolventen werden in vier Jahren fertig sein", sagte der Professor.

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