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IGeL decken Mängel der Kassenversorgung auf

Die Mehrheit der Psychotherapeuten bietet keine Selbstzahlerleistungen an. Viele haben gar keine Kapazitäten dafür. Das zeigt eine Umfrage.

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Nur ein Viertel der Psychotherapeuten rechnet IGeL ab.

Nur ein Viertel der Psychotherapeuten rechnet IGeL ab.

© Meddy Popcorn / fotolia.com

NEU-ISENBURG (ger). Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) bei GKV-Versicherten sind wieder verstärkt im Gespräch, seit der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) und der GKV-Spitzenverband das Online-Portal www.igel-monitor.de ins Leben gerufen haben.

Sogar mehrere KVen haben sich mittlerweile zu Wort gemeldet. Sie beklagen die Stigmatisierung der IGeL. Bei Psychotherapeuten spielen IGeL, anders als bei manchen Facharztgruppen, keine große Rolle.

Auf die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema hat Dieter Best von der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung die "Ärzte Zeitung" hingewiesen.

Mögliche IGeL für Psychotherapeuten sind zum Beispiel Selbsterfahrung, Selbstbehauptungstrainings oder Verhaltenstherapie bei Flugangst. Sie werden etwa im IGeL-Kompendium von Hess und Klakow-Franck, erschienen im Deutschen Ärzte-Verlag, genannt.

Psychotherapeuten nutzen IGeL kaum

Doch nutzen Psychotherapeuten kaum die Möglichkeit, diese Leistungen abzurechnen. Das zeige die gemeinsame Befragung der Universität Duisburg, Lehrstuhl für Medizinmanagement, mit der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung.

Mehr als 2500 Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten seien befragt worden, berichtet Best. Das Ergebnis: Nur ein Viertel der Psychotherapeuten rechne überhaupt IGeL ab. Dabei erzielen die Therapeuten durchschnittlich nur 4,6 Prozent ihres Praxisumsatzes mit IGeL.

Mit klarem Abstand werden als IGeL am häufigsten Anschlussbehandlungen an eine Richtlinienpsychotherapie angeboten, nämlich dann, wenn eine Psychotherapie als Kassenleistung nicht mehr indiziert oder das vorgegebene Sitzungs kontingent erschöpft ist.

17 Prozent der Therapeuten bieten diese Leistung an. In sehr geringem Umfang (zwischen 1 und 3 Prozent) werden als IGeL auch Selbst erfahrungsgruppen, Selbstsicherheitstraining, Stressbewältigung, Entspannungsverfahren, Raucherentwöhnung oder Gruppentherapie begleitend zur Einzeltherapie angeboten.

Keine freien Kapazitäten für IGeL

Von den 75 Prozent der Therapeuten, die keine IGeL anbieten, erklärten zur Begründung ca. 70 Prozent, dass sie neben ihren Heilbehandlungen keine Kapazitäten für IGeL frei hätten, knapp 30 Prozent gaben an, dass entsprechende Leistungen auch von anderen Stellen, zum Beispiel Beratungseinrichtungen der Kirchen oder Volkshochschulen, angeboten würden.

Knapp 16 Prozent hielten das Angebot von IGeL für schädlich für die therapeutische Beziehung. Weitere 25 Prozent begründeten ihre Entscheidung gegen IGeL allerdings auch mit dem Mangel an zahlungsfähigen oder -willigen Patienten.

"Psychotherapeuten nutzen IGeL nicht als zusätzliche Einnahmequelle, sondern in erster Linie, um die Begrenzungen der Psychotherapierichtlinien, zum Beispiel Höchstkontingente oder wenige antragsfreie Gesprächsleistungen, zu erweitern", lautet das Fazit Bests zum Ergebnis der Umfrage.

Vor allem zum Erhalt des Therapieerfolgs und zur Rezidivprophylaxe bei der Depressionsbehandlung fehle es an sinnvollen kassenfinanzierten Weiterbehandlungsmöglichkeiten, wenn das Therapiekontingent nach den Psychotherapierichtlinien erschöpft ist. Sich mit privat zu bezahlenden individuellen Gesundheitsleistungen zu behelfen, sei letztlich keine Alternative.

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