Medizininformatik-Initiative

Meilenstein der deutschen Corona-Forschung

Ziel des Projekts CODEX ist es, einen COVID-19-spezifischen Forschungsdatenbestand aller universitär-stationären Fälle in Deutschland zu erstellen. Eine erste Analyse zeigt: Es klappt!

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Blick in eine Intensivstation mit COVID-19-Patient: Im Laufe der Pandemie ist die Versorgung der Corona-Patienten in den Unikliniken professioneller geworden und die Sterblichkeit infolgedessen gesunken, so eine neue Studie.

Blick in eine Intensivstation mit COVID-19-Patient: Im Laufe der Pandemie ist die Versorgung der Corona-Patienten in den Unikliniken professioneller geworden und die Sterblichkeit infolgedessen gesunken, so eine neue Studie.

© Marcel Kusch / dpa / picture alliance

Berlin. Im Rahmen der Coronavirus-Pandemie kann sich jetzt bewähren, was nicht primär für diese Zielstellung angedacht war: Seit 2018 haben bundesweit 29 Unikliniken in der beim Bundesforschungsministerium angesiedelten Medizininformatik-Initiative (MII) Datenintegrationszentren (DIZ) errichtet, um Daten aus der Versorgung und der Forschung klinikübergreifend und datenschutzgerecht für die Forschung nutzbar zu machen.

Die DIZ sind an die bestehende Krankenhaus-IT-Infrastruktur angebunden und ermöglichen eine zunächst dezentrale Datenhaltung. Die Unikliniken behalten dabei jeweils die Hoheit über ihre Daten. Systematisch werden klinische Datenquellen erschlossen und die entsprechenden Daten harmonisiert und in einem standardisierten Datenmodell im DIZ für die Forschung bereitgestellt.

Pandemie als Prüfstein

Die MII-Infrastruktur stellt die Grundlage für die Forschungsdatenplattform zu COVID-19 dar, die seit August 2020 im Rahmen des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) entwickelt wird, heißt es von Seiten der TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung, wo auch die MII-Koordinationsstelle angesiedelt ist. Diese hat jetzt erste Ergebnisse im Rahmen einer Studie zur Sterblichkeit von COVID-19-Patienten in 14 Unikliniken geliefert.

Ziel des Projekts CODEX ist es laut TMF, einen COVID-19-spezifischen Forschungsdatenbestand aller universitär-stationären Fälle zu erstellen. In diesem Kontext arbeiten demnach mittlerweile alle deutschen Unikliniken intensiv an der Bereitstellung des GECCO-Datensatzes (German Corona Consensus) in ihren DIZ, um in Zukunft weitergehende verteilte Analysen zur Versorgung von COVID-19-Patienten durchführen zu können.

Sterberate im Laufe der Pandemie rückläufig

Die Sterberate bei COVID-19-infizierten Patienten in Deutschland ist also rückläufig, wie eine vom Universitätsklinikum Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg geleitete Forschungsgruppe berichtet. In ihrer kürzlich veröffentlichten Studie wurden Krankenhausaufenthalte von 1318 COVID-19-Patienten aus 14 deutschen Universitätskliniken von Januar bis September 2020 untersucht.

Die Analyse zeigt einen Rückgang der durchschnittlichen Sterberate bei COVID-19-Patienten von anfangs 20,7 Prozent (Januar bis April) auf 12,7 Prozent (Mai bis September). Dies kann aus Sicht der Forscher ein Beleg für eine kontinuierliche Optimierung der COVID-19-Behandlung, bessere Therapieempfehlungen und zunehmende Erfahrung der Behandlungsteams mit der Erkrankung sein.

„In dieser Untersuchung wird zum ersten Mal für die stationäre Versorgung von COVID-19-Patienten in deutschen Unikliniken gezeigt, dass die anfänglich sehr hohe Sterberate relevant gesunken ist“, verdeutlicht Professor Jürgen Schüttler, Direktor der Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen.

„Die bisher erzielten Fortschritte der MII ermöglichen quasi zum richtigen Zeitpunkt standortübergreifende Analysen, um den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie besser zu begegnen“, ergänzt er laut Mitteilung.

Studie bestätigt Risikoprofil der Corona-Patienten

Die Gesamtsterblichkeit von stationär behandelten COVID-19-Patienten in 14 deutschen Unikliniken lag im Beobachtungszeitraum von Januar bis September 2020 laut Studie bei 18,8 Prozent – bei beatmeten Patienten habe die Sterberate im ersten Abschnitt von Januar bis April bei 39,8 Prozent gelegen und sei im späteren Zeitraum von Mai bis September auf 33,7 Prozent gesunken. Besonders ausgeprägt sei dieser Effekt der reduzierten Sterblichkeitsrate bei Patienten mit einem Alter über 60 Jahre gewesen.

Häufige Komorbiditäten der COVID-19-Patienten seien Niereninsuffizienz (35,2 Prozent), Blutarmut (26,0 Prozent) und Diabetes mellitus (21,1 gewesen). Mit 58,3 Prozent sei der Großteil der COVID-19-Patienten mindestens 60 Jahre alt gewesen. Unter den verstorbenen Patienten stammten 82,6 Prozent aus dieser Altersgruppe. Der Anteil männlicher COVID-19-Patienten lag insgesamt bei 63,4 Prozent, bei den beatmeten Patienten waren 74,9 Prozent männlich, bei den verstorbenen 72,6 Prozent.

Die gefundenen Risikofaktoren wie männliches Geschlecht, höheres Alter und das Komorbiditätsmuster entsprechen laut Schüttler den bereits in früheren Publikationen veröffentlichten Ergebnissen.

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