Telemedizin

Neurologen bieten Palliativ-Teams digitale Unterstützung am Krankenbett

Das Klinikum Agatharied ermöglicht ambulanten Pflegern und Hospizen, virtuell mit Neurologen Symptome zu besprechen. Zukünftig sollen alle Palliativ-Teams in Bayern das Angebot nutzen können.

Von Kathrin HandschuhKathrin Handschuh Veröffentlicht:
Dr. Christiane Weck und Professor Stefan Lorenzl vom Klinikum Agatharied unterstützen SAPV-Teams virtuell. (Archivbild).

Dr. Christiane Weck und Professor Stefan Lorenzl vom Klinikum Agatharied unterstützen SAPV-Teams virtuell. (Archivbild).

© Eva-Maria Feilkas

Hausham. Hospize und spezialisierte ambulante Palliativversorgungs-Teams (SAPV) können sich jetzt bei der Betreuung neurologisch erkrankter Patienten durch erfahrene Neuropalliativmediziner unterstützen lassen. Das Krankenhaus Agatharied im bayerischen Landkreis Miesbach hat gemeinsam mit fünf Konsortialpartnern das Projekt „TANNE“ ins Leben gerufen.

TANNE steht für „Telemedizinische Antworten auf Neuropalliative Nachfragen in Echtzeit“. Die SAPV-Teams und Hospize bekommen damit die Möglichkeit, rund um die Uhr per Video Kontakt zu den beiden Klinik-Neurologen Professor Stefan Lorenzl, Leiter der Abteilung Neurologie, und Oberärztin Dr. Christiane Weck aufzunehmen.

„Derzeit werden viele Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu Hause oder im Pflegeheim versorgt, ohne dass fachspezifische Hilfe zur Verfügung steht. Das betrifft beispielsweise Patienten mit ALS, Parkinson, Demenz, MS“, sagt Christiane Weck. Die beiden Mediziner möchten mit TANNE den Schwerkranken ermöglichen, möglichst bis ans Lebensende zuhause versorgt werden zu können. Den Patienten würden damit unnötige Klinikaufenthalte erspart, auch Stress und Schmerzen durch den Transport fielen weg.

2,2 Millionen Euro Fördergelder

Ziel des auf drei Jahre angelegten Innovationsfondsprojekts ist es, die ambulante und hospizliche Versorgung neurologischer Patienten in einer palliativen Phase zu verbessern. Insgesamt können Fördermittel über 2,2 Millionen Euro beansprucht werden. Die bei der im April startenden Studie erhobenen Daten sollen helfen, TANNE in die Regelversorgung zu überführen. „Für die Studie benötigen wir insgesamt 225 Patienten, davon 150 Konsile und 75 Kontrollpatienten über den Zeitraum von 24 Monaten“, so Christiane Weck.

Bislang wurden 60 Patienten im Rahmen eines vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege und der Paula Kubitscheck-Vogel Stiftung geförderten Pilotprojekts telemedizinisch betreut. 15 Teams konnten erfolgreich an die Neurologie des Krankenhauses Agatharied angeschlossen und mit speziell konzipierten mobilen Telesystemen ausgestattet werden. Den Grundstock bilden dabei Handys, Tablets und ein W-Lan-Router. Das Modell soll zukünftig auf ganz Bayern ausgeweitet werden, so der Wunsch der Neurologen.

Die Teams vor Ort führen die Konsile direkt vom Patientenbett aus. „Bei den Videokonsultationen geht es beispielsweise um Symptome wie Schleimbildung, vermehrten Speichelfluss, Unruhe oder epileptische Anfälle“, erläutert Christiane Weck. Die Neurologen gehen davon aus, dass auch bei der Hinzunahme weiterer Teams das Arbeitsaufkommen mit TANNE gut zu händeln sein wird.

Lorenzl: „Die Frequenz der Konsile wird geringer, die ersten Teams wissen inzwischen, was bei welchem Symptom zu tun ist.“ Außerdem seien neuropalliative Notfälle in der SAPV-Versorgung und im Hospiz zum Glück sehr selten.

Ein Obolus für jeden Patienten?

Während der Studie soll auch ermittelt werden, welche Kosten Ärzten und ambulanten Teams entstehen und wieviel durch weniger stationäre Aufenthalte gespart werden könnte, sollte das Projekt in die Regelversorgung gehen. Bei der Abrechnung könnte man sich am telemedizinischen Schlaganfall-Netzwerk „TempiS“ orientieren, meint Lorenzl. Dort entrichten die Kassen für jeden Patienten einen Obolus. Die Mediziner können sich vorstellen, dass TANNE auch auch auf andere Fachbereiche übertragen wird – zum Beispiel auf die Dermatologie oder die Urologie, so Lorenzl.

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