E-Health

Rheumatologie im Corona-Digitalfieber

Nur ein Viertel der Rheumapatienten wie auch der Rheumatologen in Deutschland sehen die Digitalisierung ihres Versorgungsalltages skeptisch, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Drei von vier rheumatologischen Patienten und auch der behandelnden Rheumatologen sind laut Umfrage gewillt, digitale Lösungen im Versorgungsalltag einzusetzen.

Drei von vier rheumatologischen Patienten und auch der behandelnden Rheumatologen sind laut Umfrage gewillt, digitale Lösungen im Versorgungsalltag einzusetzen.

© WavebreakMediaMicro / stock.adobe.com

Berlin. Deutschlands Rheumatologen können sich im künftigen Versorgungsalltag die stärkere Einbindung digital-gestützter Angebote wie indikationsspezifische Gesundheits-Apps oder auch rezeptierfähige Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) vorstellen. Letztere müssen im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet sein, damit sie zu Lasten der Kassen verordnet werden können.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) verweist in einer aktuellen Mitteilung auf eine gemeinsame Studie der Arbeitsgemeinschaft Junge Rheumatologen (AGJR) und des Bundesverbandes der Patientenorganisation Deutsche Rheuma-Liga, wonach seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie Patienten mit Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis wie auch Rheumatologen vermehrt digitale Gesundheitslösungen nutzten (Kernder A, Morf H, Klemm P, et al. Digital rheumatology in the era of COVID-19: results of a national patient and physician survey. RMD Open 2021;7: e001548. doi:10.1136/rmdopen-2020-001548).

An der nicht-repräsentativen Online-Umfrage beteiligten sich 299 Rheumapatienten und 129 Rheumatologen aus Deutschland. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 49 Jahre, fast 80 Prozent waren Frauen. Bei den Ärzten nahmen fast gleichviel Männer wie Frauen teil, drei Viertel arbeiten an einem Krankenhaus, ein Viertel sind niedergelassen. Wie die Studie nahelegt, scheint Corona neben dem psychotherapeutischen und hausärztlichen auch diesen fachärztlichen Versorgungsbereich ins Digitalfieber versetzt zu haben.

Patienten gehen auf Nummer sicher

Patienten mit rheumatischen Erkrankungen müssen ihren Gesundheitsstatus, ihre Medikation sowie deren Wirkung regelmäßig überprüfen und dazu meist einen Rheumatologen konsultieren. Aus Sorge vor einer Ansteckung mit COVID-19 haben viele Patienten während der Pandemie verstärkt digitale Gesundheitslösungen genutzt, beispielsweise Videosprechstunden zur Verlaufskontrolle. Laut Studie gaben 90 Prozent an, in der Lage zu sein, digitale Gesundheitslösungen in Anspruch zu nehmen. Lediglich knapp drei Prozent verneinten dies kategorisch.

Jeder vierte Patient, aber auch jeder vierte Rheumatologe ist nach eigener Aussage skeptisch, was den Einsatz digitaler Gesundheitslösungen beim Management rheumatischer Erkrankungen angeht. „Vor allem virtuelle Monitoringmöglichkeiten wie die Videosprechstunden wurden als sinnvoll erachtet, weil sie zeit- und ortsunabhängig stattfinden können und damit mehr Flexibilität bieten“, verdeutlicht AGJR-Sprecher Dr. Martin Krusche von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité in Berlin, der auch als korrespondierender Autor der Studie fungiert.

Infodefizit beklagt

Als Haupthindernis für die Nutzung digitaler Gesundheitslösungen nennen 58,5 Prozent der Patienten und 41,9 Prozent der Ärzte mangelnde Informationen über nützliche und verfügbare Tools. 42,1 Prozent der Patienten beklagen mangelnde Benutzerfreundlichkeit, und 23,2 Prozent der Ärzte vermissen einen Nutzennachweis, der eben nur bei den offiziellen DiGA gegenüber dem BfArM zu erbringen ist. Weniger als zehn Prozent der Befragten in beiden Gruppen – 0,7 Prozent der Patienten und 8,5 Prozent der Ärzte – betrachten digitale Gesundheitslösungen als negativ für das Verhältnis zwischen Arzt und Patient.

Ob und wie oft die DGRh-Mitglieder welche ins DiGA-Verzeichnis des BfArM aufgenommenen DiGA rezeptiert haben, die bei Patienten mit bestimmten rheumatologischen Indikationen in Frage kommen, hat die Gesellschaft aus mehreren Gründen bis dato noch nicht erheben können. „Erste Verordnungszahlen von DiGA liegen der DGRh noch nicht vor, auch die Arbeitsgruppe Digital Health des Deutschen Netzwerk für Versorgungsforschung (DNVF) konnte dazu bislang keine Auskunft geben“, heißt in einer Stellungnahme auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“. Neben „Vivira“ kämen für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen auch Apps infrage, die Komorbiditäten beträfen.

„Die Verordnung von Vivira ist zudem nicht eindeutig für eine Verordnung durch Rheumatologen klassifiziert: Die App kann bei Coxarthrose unterschiedlicher Genese (primäre und sekundäre Coxarthrose) verordnet werden. Es ist dabei nicht festgelegt, dass es sich um Coxarthrose bei rheumatischen Erkrankungen handeln muss. Daher wären Verordnungszahlen zu Vivira nicht eindeutig Rheumatologen zu zuordnen. Zu erwarten sind eher Verordnungen durch Orthopäden und Unfallchirurgen“, so die DGRh.

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