Kommentar zum Gesundheitsdatennutzungsgesetz

Sekundärnutzung ein Gebot der Stunde!

Deutschland braucht ein Gesundheitsdatennutzungsgesetz, um EU-weit in der Forschungslandschaft Flagge zeigen zu können.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:

Zugegeben, es klingt zunächst einmal sperrig, wenn die EU von einer europäischen Datenstrategie und unter deren Dach von der Schaffung eines Europäischen Gesundheitsdatenraumes bis 2025 spricht. Abwegig, sich damit auch in Deutschland als Gesetzgeber zu beschäftigen, ist das Ansinnen auf keinen Fall. Im Gegenteil: Der Gesundheitsdatenraum soll für einen effizienten Austausch und direkten Zugriff auf unterschiedliche Gesundheitsdaten sorgen – für die Gesundheitsversorgung selbst (Primärnutzung) und die Gesundheitsforschung (Sekundärnutzung).

Allerdings hat der deutsche Gesetzgeber bisher noch nicht konkretisiert, wie vor allem auch die Industrie – Pharma und Medizintechnik – mit Patientendatenspenden umgehen soll. Bislang sind sie vom Gebrauch der Datenspenden, die Nutzer der elektronischen Patientenakte ab 2023 freiwillig vornehmen können sollen, explizit ausgeschlossen.

Aber genau das brauchen wir in Deutschland: ein patientenzentriertes Gesundheitsdatennutzungsgesetz, das öffentlicher und industrieller Forschung und Entwicklung Datennutzung ermöglicht. Dieses Gesetzeswerk wäre das Vehikel, um auch im internationalen Vergleich bestehen zu können, um die bestmögliche Diagnostik, Behandlung und Therapie im Sinne der evidenzbasierten Medizin durch neue Technologien zu gewährleisten.

Lesen sie auch

Heute ist in München – süffisanterweise unter dem Dach der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung – der Startschuss für die „Initiative Gesundheitsdatennutzungsgesetz“ gefallen, einer konzertierten Aktion, die die künftige Ampel-Koalition im Bundestag treiben will, das im Koalitionsvertrag verankerte Gesetz auf den Weg zu bringen.

Prominentestes Mitglied ist wohl Professor Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrates Gesundheit. Er wird mit gewaltiger Stimme dafür plädieren, mit dem neuen Rechtsrahmen auch ein modernes Gesundheitsdatenschutzverständnis zu etablieren, das die nutzenstiftende Forschung mit Patientendaten auch durch die Industrie akzentuiert, ohne Abstriche an einem angemessenen Schutz der Daten vornehmen zu müssen.

Das Gesetz ist ein Gebot der Stunde, um den Forschungsstandort Deutschland zu stärken – durch Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten, die in Praxen, Laboren, bei den Kassen und an weiteren Orten der Gesundheitslandschaft generiert werden.

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Von der Grundlagenforschung zu wegweisenden Therapien

© Alnylam

Pionier der RNAi-Technologie

Von der Grundlagenforschung zu wegweisenden Therapien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
„Forschung ist Teil unserer DNA“ – Onkologische Erkrankungen und Virusinfektionen im Fokus

© Edward Carreon

Unternehmensporträt

„Forschung ist Teil unserer DNA“ – Onkologische Erkrankungen und Virusinfektionen im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Lesetipps
Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft