KI in Praxis und Klinik

Skalierbarer Avatar in der Augenklinik für die Aufklärung

Wenn Technik und Medizin zusammenwachsen, dann kann das Spaß machen, auch Ärztinnen und Ärzten. Das könnte ein Fazit der „apoTalk“-Veranstaltung zu KI-Praxen und Avatar-Ärzten sein.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Die Avatar-Ärztin für die Aufklärung – statt dieselbe Ärztin live und in Farbe? Zumindest im Stadtspital in Zürich arbeitet man an einer solchen Lösung. Dort soll der Avatar der Ärztin oder des Arztes sogar in Mimik, Gestik und Stimme dem echten Vorbild täuschend ähnlich sein.

Die Avatar-Ärztin für die Aufklärung – statt dieselbe Ärztin live und in Farbe? Zumindest im Stadtspital in Zürich arbeitet man an einer solchen Lösung. Dort soll der Avatar der Ärztin oder des Arztes sogar in Mimik, Gestik und Stimme dem echten Vorbild täuschend ähnlich sein.

© [M] © Vladimir Kononok / Getty Images / iStock

Berlin. Vielen Menschen ist längst klar, welche Vorteile KI und Digitalisierung bieten. Wie aber lassen sich die überzeugen, die heute noch skeptisch sind? Die um Empathie und Menschlichkeit fürchten, die Vorbehalte wegen einer ungebremsten Datenverbreitung haben und die, die technischen Neuerungen gegenüber misstrauisch sind? Mit diesen und weiteren Fragen rund um die Digitalisierung beschäftigte sich der jüngste apoTalk spezial der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Deutlich wurde, dass es Skeptiker auch in der Ärzteschaft gibt – und die müssen abgeholt werden. „Es ist wichtig, dass Ärztinnen und Ärzten die Digitalisierung erlebbar gemacht wird“, resümierte Daniel Zehnich von der apoBank.

Das gelingt zum Beispiel der KV Nordrhein mit ihrer „Praxis4future“, in der Besucher die aktuellen Möglichkeiten der Digitalisierung in einer Arztpraxis erleben können: Vom Self-Check-in über smarte Gadgets und Touchscreens bis zur LED-Leinwand.

KV-Chef Dr. Frank Bergmann berichtete von großer und vor allem positiver Resonanz auf diese digitale Welt: „Das ruft Staunen und Begeisterung hervor“, sagte Bergmann. Die eine Hälfte der Besucher sei vorher schon positiv gegenüber der Digitalisierung eingestellt gewesen, die andere Hälfte sei hinterher eher aufgeschlossen.

Bergmann: „Technik muss funktionieren“

Die Ärzteschaft insgesamt, versicherte Bergmann in der späteren Diskussion, sei ohnehin aufgeschlossen. Berechtigt kritisch sei die Ärzteschaft allerdings, wenn Praxen wegen unausgereifter Technik stillstehen. „Technik muss funktionieren“, nannte Bergmann als Voraussetzung für eine schnellere Implementierung von Innovationen.

Eine Praxis, die auf Digitalisierung setzt, ist die von Hausarzt Jan Gerlach im niedersächsischen Scheeßel. Seine Frau Tanja berichtete von den bisherigen Erfahrungen. Als negative Punkte nannte sie Schnittstellenprobleme bei digitalen Anwendungen und eine noch herrschende Skepsis bei Ärztekammern. Positiv nimmt die Praxis die Unterstützung der KV wahr.

Von Patienten gebe es viel Lob, aber auch Anregungen, was die Praxis noch verbessern könnte. Die Mitarbeitenden selbst beobachten nach ihrer Darstellung, dass Ressourcen optimiert eingesetzt werden. Die Videosprechstunden seien ein Fortschritt, weil die Gespräche eher zielorientiert ablaufen.

Skalierbar für die Aufklärung

Termine ohne persönliche Anwesenheit des Arztes sind zum Beispiel möglich, wenn für die Aufklärung das Tool „PatientEd“ eingesetzt wird. Amr Saad, Forschungsassistent an der Augenklinik im Stadtspital Zürich, berichtete von Vorteilen einer digitalen Anwendung, für die ein Avatar des behandelnden Arztes erstellt wird, der in Mimik, Gestik und Stimme dem echten Vorbild täuschend ähnlich sieht.

Zu den Vorteilen zählen unter anderen: Keine Wartezeit oder Anfahrt, geringe administrative Kosten, ständige Verfügbarkeit, Mehrsprachigkeit, Skalierbarkeit für beliebig viele Aufklärungsgespräche.

Auch bei den Wearables sorgen Innovationen für Erleichterungen. Jonathan Chmiel von der biopeak GmbH stellte ein zertifiziertes Medizinprodukt vor, das in der Klinik 13 Vitalwerte kontinuierlich aufzeichnen und in Echtzeit übertragen kann. Damit erweiterten sich die Diagnosemöglichkeiten bei verringertem Personaleinsatz.

Wearables für die Blutdruckmessung

„Das erleichtert den Alltag in den Kliniken“, sagte Chmiel. Auch für Arztpraxen gebe es medizinzertifizierte Wearables, die zum Beispiel für die Blutdruckmessung die Manschette überflüssig machen.

Trotz solcher Fortschritte herrscht in Teilen der Gesellschaft Skepsis – auch bei manchen jüngeren Menschen. Sylvia Thun, Professorin für digitale Medizin und Interoperabilität in Berlin, berichtete, dass zum Beispiel zum Thema KI in der Chirurgie der Hörsaal weniger gut gefüllt sei als bei rein medizinischen Themen.

Thun: „Technik und Medizin müssen zusammenwachsen“

Höhere Aufgeschlossenheit ließe sich nach ihrer Ansicht erreichen, wenn die Chancen der Digitalisierung – mehr Orientierung im Behandlungsalltag, Fortschritte für Prävention und Aufklärung sowie eine bessere und genauere Diagnostik und Behandlung – stärker in den Vordergrund gestellt werden.

„Technik und Medizin müssen zusammenwachsen“, sagte Thun. Sie und Gerlach betonten, dass dabei auch herausgestellt werden müsse: „Das macht Spaß.“

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