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Unnötige Aufregung um Generika-Preise in Datenbank

NEU-ISENBURG (ger). Die Meldung der KV Bremen zu vermeintlichen Fehlern in der Arznei-Datenbank ifap praxisCENTER hat in der Branche einiges an Aufregung hervorgerufen. Auf einen Bericht in der "Ärzte Zeitung" über diese angeblichen Fehler - es seien Preise in der Datenbank falsch ausgewiesen, und die Datenbank sei auch nicht vollständig - haben sich sowohl der Generika-Hersteller ratiopharm als auch Datenbankanbieter ifap Service-Institut für Ärzte und Apotheker gemeldet und haben die Informationen richtig gestellt.

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Hintergrund ist, dass immer noch mehr als 90 Prozent der Vertragsärzte die Updates ihrer Arzneidatenbank einmal im Quartal auf CD-ROM beziehen.

"Die Folge ist, dass die Preise in den Datenbanken auf den Arztcomputersystemen sehr häufig nicht mehr aktuell sind, weil die Pharma-Unternehmen alle 14 Tage Änderungen an die Datenbankhersteller weitergeben, diese den Arzt offline aber nicht pünktlich erreichen", so ifap-Geschäftsführer Eckhart Horn.

Die Möglichkeit eines regelmäßigen Online-Updates werde von weniger als zehn Prozent der Ärzte genutzt, obwohl das keine Zusatzkosten verursachen würde, so Horn. Das sei vor allem bei Wirkstoffen relevant, bei denen das Patent gerade abgelaufen ist und die Generika-Hersteller Produkte neu in den Markt bringen. In der Regel komme es dann im Vergleich zum Originalpräparat zu Preissenkungen um 50 bis 70 Prozent.

Systembedingte Preisänderungen

"Die Preisänderungen sind systembedingt, weil die Daten zum Quartalswechsel an die Ärzte geliefert werden", so Horn weiter. Für die Ärzte sei letztlich der Preis entscheidend, der in der Apotheke auf das Rezept kommt, der sei aber im Vorfeld nicht bekannt.

Um bei Markteinführungen im Quartalsverlauf den Herstellern die Möglichkeit zu geben, trotz einer Offline-Datenbank aktuelle Informationen über neue Produkte den Ärzten verfügbar zu machen - und so bei Patentabläufen auch schneller auf Generika umsteigen zu können, ohne Rezepte mit der Hand ausfüllen zu müssen -, haben die Datenbankanbieter das Instrument der "Tagesfreischaltung" entwickelt.

Die Kosten für die damit verbundene Programmierarbeit und Qualitätskontrolle werden an die Hersteller weiter gegeben. Nicht alle Hersteller machen davon Gebrauch. Und auch aktuelle Preisbewegungen können so nicht erfasst werden, da sich die Preise im Wettbewerb am Markt und in Rabattvertragsverhandlungen frei bilden.

"Das Instrument der Tagesfreischaltung wird von ratiopharm wie auch von vielen anderen Generika-Anbietern dazu genutzt, den Ärzten vom ersten Tag eines Patentablaufs an eine einfache Möglichkeit zur Verordnung preisgünstiger Generika zu bieten", schreibt ratiopharm-Geschäftsführer Dr. Sven Dethlefs in einem Brief an die "Ärzte Zeitung".

"Enorme Einsparungen für das Gesundheitssystem"

Dies führe zu einem schnelleren Umstieg auf Generika und "damit zu enormen Einsparungen für das Gesundheitssystem", so Dethlefs. Die Preise für die Präparate des Unternehmens zu Valsartan seien ab Mitte Dezember sogar niedriger als in der Datenbank angegeben. Zudem handele es sich in der Datenbank immer um Bruttoangaben.

Herstellerrabatte und auch Rabatte aus Verträgen würden nicht erfasst, betont Dethlefs. Ihn ärgert vor allem, dass sich ratiopharm völlig korrekt verhalten und aus Unkenntnis jetzt doch Ärger bekommen habe.

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