Ada hilft

Wie eine App Patienten steuert

Taugt ein KI-gestütztes digitales Diagnosesystem zur Patientensteuerung in der Notaufnahme? Eine Studie soll darüber Auskunft geben.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 17.10.2018, 05:31 Uhr
Wie eine App Patienten steuert

Funktional nüchtern: Die Diagnose-App Ada.

© Ada Health

DORTMUND. Die Unikliniken Essen und Gießen/Marburg wollen in einer Studie prüfen, ob sich die auf Künstlicher Intelligenz basierende Gesundheitsapp Ada zur besseren Patientensteuerung in Notaufnahmen einsetzen lässt. Das berichtete Andreas Kühn, Arzt und Medical Content Editor des Berliner Start-ups Ada Health, beim Jahreskongress der KV Westfalen-Lippe Anfang Oktober in Dortmund.

Geplant sei, dass Patienten im Warteraum der Notfallaufnahme die App erhalten, um Fragen rund um ihre Beschwerden und zur Krankheitsvorgeschichte zu beantworten.

Die Ärzte erhalten Zugriff auf diese Informationen und einen Hinweis des Systems, um welche Erkrankung es sich im Einzelfall handeln könnte. Gleichzeitig sehen die Mediziner, wie Ada zu der Entscheidung gekommen ist. Die Hoffnung: Die App könnte dazu beitragen, die Patienten schneller der richtigen Versorgungsebene zuzuordnen. "Wir hoffen, dass wir mit Ada die Effizienz erhöhen", so Kühn.

"Nie zu 100 Prozent korrekt"

Die von Ärzten, Wissenschaftlern und Ingenieuren entwickelte Ada-App ist 2016 in einer englischsprachigen Version auf den Markt gekommen, seit Oktober 2017 gibt es sie auch auf Deutsch. Nutzer können in der App, die vom Anbieter als "persönliche Gesundheitshelferin" bezeichnet wird, Beschwerden eingeben und werden per Chat durch einen Fragenkatalog geführt. Am Ende erfahren sie, um welche Erkrankung es sich handeln könnte und ob sie einen Arzt aufsuchen sollen.

"Es kommt der Hinweis, dass es sich nicht um eine Diagnose handelt, sondern um eine Information", betonte Kühn. Ada basiert auf einer umfassenden Datenbank, die durch Auswertung anonymisierter Patientendaten ständig erweitert wird. Ada sei ein lernendes System. Es liefere sehr gute Informationen. "Aber wir sind – wie Ärzte auch – nie zu 100 Prozent korrekt."

Neben der Patienten-App gibt es mit "Ada Dx" auch eine Anwendung für Mediziner, die bislang ausschließlich in Studien verwendet wird. Ärzte können sich damit die Informationen aus der App hochladen. Dabei sehen sie nicht nur die Vorschläge des Systems, sondern auch Aspekte, die verworfen wurden. Kühn: "Wir zeigen Entscheidungsbäume."

Dabei nehme Ada auch seltene Erkrankungen in den Blick. Derzeit erprobt das Zentrum für seltene Erkrankungen an der Medizinischen Hochschule Hannover das Tool. In einer Studie werde untersucht, wie viel Zeit sich bei seltenen Erkrankungen durch den Einsatz von Ada Dx von den ersten Symptomen bis zur Diagnose sparen lässt, berichtete Kühn. Ada Health habe großes Interesse daran, auch in Arztpraxen den Einsatz von Ada Dx zu testen.

Mehrfach ausgezeichnet

In der Verbindung der App und des Expertensystems sieht er den großen Vorteil seines KI-Produkts. Die Ada-App habe inzwischen weltweit über vier Millionen Nutzer, versichert Kühn und bislang über 7,5 Millionen Anwendungsfälle bearbeitet.

Ada Health hat mit der App etliche Preise gewinnen können. Ada Dx etwa war einer der Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs "Zukunftspraxis" der KBV.

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