Ärzte Zeitung online, 16.01.2012

Rotwein-Forscher hat Studien gepanscht

Von wegen in vino veritas: Jahrelang hat ein US-Autor wissenschaftliche Artikel über die gesundheitsfördernde Wirkung von Rotwein veröffentlicht. Doch viele waren offenbar Humbug: Jetzt ist er von seiner Uni der Datenfälschung überführt worden.

Rotwein-Forscher der Datenfälschung beschuldigt

Ärger wegen des roten Weines hat ein US-Forscher.

© Aleksandra Duda / shutterstock.com

STORRS (ob). Der in Rotwein enthaltende Wirkstoff Resveratrol steht schon seit geraumer Zeit im Blickpunkt der medizinischen Forschung.

Unter anderem wegen seiner antioxidativen Eigenschaften erhofft man sich von diesem Polyphenol mögliche protektive Effekte gegen Atherosklerose in Gefäßen und somit gegen kardiovaskuläre Erkrankungen, aber auch gegen Krebserkrankungen.

Besonders hoffnungsvoll stimmende Befunde speziell zu kardioprotektiven Effekten von Resveratrol kamen in den letzten Jahren aus dem von Dr. Dipak Das geleiteten kardiovaskulären Forschungslabor an der Universität von Connecticut in Storrs.

Anscheinend waren seine Forschungsberichte zumindest in einigen Aspekten aber wohl einfach zu schön, um wahr zu sein. Denn jetzt beschuldigt die Universität Connecticut Dipak Das, in 145 Fällen Forschungsdaten erfunden oder gefälscht zu haben.

Zwei Dutzend Publikationen strittig

Zuvor war ein Untersuchungsausschuss (Special Review Board SRB) der Universität der Sache drei Jahre lang auf den Grund gegangen, nachdem die Universität 2008 vom US-amerikanischen Office of Research Intergrity einen Wink bezüglich vermuteter Datenfälschungen bekommen hatte.

Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass Das offenbar in zwei Dutzend seiner Publikationen geschwindelt haben muss. Inzwischen hat die Universität elf wissenschaftliche Fachjournale darüber in Kenntnis gesetzt.

So soll Das unter anderem Abbildungen der Ergebnisse von Westernblot-Untersuchungen per Gel-Elektrophorese in seinen Artikeln mithilfe einer Bildbearbeitungssoftware manipuliert haben.

Die Universität Connecticut hat als Konsequenz knapp 900.000 Dollar externe Forschungsgelder für das von Das geleitete Labor eingefroren und ein Entlassungsverfahren eingeleitet.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[16.01.2012, 17:32:04]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"In Vino Vanitas" ...
lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“ müsste es dann heißen. Dabei ist es doch unwahrscheinlich, dass gesundheitsfördernde Wirkungen von Rotwein nur an einen e i n z i g e n Inhaltsstoff gekoppelt sein sollten. Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »