Es ist noch immer kein HIV-Impfstoff in Sicht

TORONTO (awa). Auch 25 Jahre nach dem ersten Nachweis einer HIV-Infektion gibt es trotz großer Forschungsanstrengungen keinen Impfstoff. Professor Françoise Barré-Sinoussi vom Institut Pasteur in Paris plädierte deshalb dafür, neue Impfstrategien zu testen.

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Schon 1987 wurde in einer Phase-I-Studie ein erster HIV-Impfstoff ge-prüft. Bis 2006 schafften es mehr als 30 verschiedene Impfstoffkandidaten in die Prüfphase I/II. Wirksamkeitsstudien konnten bisher nur mit drei Vakzinen durchgeführt werden, von denen eine wegen enttäuschender Ergebnisse 2004 gestoppt wurde, faßte Barré-Sinoussi die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs bei der Weltaidskonferenz zusammen.

In einer der beiden laufenden Phase-III-Studien wird getestet, ob ein Impfstoff der Firmen Sanofi-Pasteur und VaxGen mit einem abgeschwächten Canarypox-Virus und dem HIV-Oberflächenantigen gp 120 die HIV-Infektion verhindern oder zumindest die Virus-Konzentration im Blut verringern kann.

Einen anderen Ansatz verfolgt das Unternehmen Merck (in Deutschland MSD) in der zweiten bestehenden Phase-III-Studie: Dieser Impfstoff enthält die HIV-Gene gag, pol, nef und env und als Genfähre einen abgeschwächten Adenovirus-Typ. Ziel ist, eine zelluläre Immunabwehr hervorzurufen.

Die Entwicklung einer HIV-Vakzine ist aus zwei Gründen so schwierig: Erstens ist das Virus hoch variabel, und zweitens merzt die natürliche Immunantwort das HI-Virus nicht aus, wie bei den meisten akuten viralen Infektionen.

Barré-Sinoussi machte die nach wie vor unzureichenden Kenntnisse über die komplexe Immunantwort auf eine HIV-Infektion, die mangelnde Koordina-tion der verschiedenen Arbeitsgruppen und den meist traditionellen Ansatz der Impfstrategie für die bisherigen Fehlschläge verantwortlich. So sollte ein Impfstoff möglichst gegen alle HIV-Subtypen schützen und idealerweise sowohl die Bildung von neutralisierenden Antikörpern als auch eine breite und langanhaltende zelluläre Immunität hervorrufen.

Vielversprechend seien Ansätze einer therapeutischen Vakzinierung, so Barré-Sinoussi. Dabei wird das Immunsystem von Menschen, die mit HIV-1 infiziert sind und eine antiretrovirale Therapie erhalten, stimuliert, um das Virus noch wirksamer in Schach zu halten. Auch neue Erkenntnisse zur HIV-Pathogenese wie die protektive Funktion der natürlichen Killerzellen könnten helfen, neue Impfstrategien zu entwickeln.



Koordinierte Vakzineforschung

Seit der Weltaidskonferenz in Bangkok in Thailand vor zwei Jahren wurde die Entwicklung für eine wirksame HIV-Impfung weltweit koordiniert:

  • Die Stiftung von Bill und Melinda Gates unterstützt die Collaboration for AIDS Vaccine Discovery (CAVD). Die CAVD konzentriert sich vor allem auf Impfstoffe, die eine dauerhafte und breit angelegte zelluläre Immunantwort auslösen.
  • Das US National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) gründete das Center for HIV/AIDS Vaccine Immunology (CHAVI). Das CHAVI erforscht die virologischen, genetischen und immunologischen Antworten auf eine HIV-Infektion.
  • Die International AIDS Vaccine Initiative (IAVI) versucht, das Problem der neutralisierenden Antikörper zu lösen, und richtete ein großes Entwicklungslabor ein.
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