Ärzte Zeitung, 14.06.2010

Grippe-Impfung verursacht kein GBS

Keine gehäuften Fälle an Guillain-Barré-Syndrom nach Impfungen gegen saisonale und pandemische Influenza

TORONTO (hem). Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) und Influenza-Impfungen ist unwahrscheinlich. Das geht aus aktuellen epidemiologischen Erhebungen aus den USA hervor.

Grippe-Impfung verursacht kein GBS

Im Impfbuch werden sie dokumentiert: die effektivsten Präventionsmöglichkeiten in der Medizin. © pix4U / fotolia.com

In der Studie wurden GBS-Fälle statistisch ausgewertet, die im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten sind. Bei der Erhebung des Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) der US-Behörden CDC und FDA wurden in den USA bis zuletzt insgesamt 62 GBS-Fälle nach Impfung gegen die Schweinegrippe (Neue Grippe) registriert. Diese Zahl gab Professor Nizar Souayah aus Newark auf dem Kongress der US-Neurologengesellschaft AAN in Toronto bekannt. Auf zehn Millionen Geimpfte entfallen somit 6,2 GBS-Erkrankungen. Der Erfassungszeitraum war dabei stets auf bis zu sechs Wochen nach der Impfung begrenzt.

Ähnlich verhielt es sich mit Berichten über GBS nach Impfung gegen die übliche saisonale Influenza im Jahr 2009. Hier wurden im VAERS 51 GBS-Fälle gezählt. Auf zehn Millionen Impfungen anteilig berechnet gab es keinen nennenswerten Unterschied zur Impfung gegen die Neue Grippe. Bezogen auf eine geschätzte Rate in der Allgemeinbevölkerung von einem bis vier GBS-Fällen pro 100 000 Menschen pro Jahr ergab sich somit kein Warnsignal für die Impfung gegen Influenza - weder für die saisonale, noch für die pandemische, stellte Souayah fest und betonte: "Auch wenn die Sicherheitsdaten für beide Impfungen exzellent sind, bleiben CDC, FDA und Neurologen weltweit wachsam, um kein Signal für eine Gefährdung durch die Impfung zu übersehen."

Als auffällig bezeichnete Souayah das Verteilungsmuster der GBS-Fälle nach der Impfung. So gebe es in der zweiten Woche einen Gipfel, so dass bis zum Ende der zweiten Woche die Hälfte aller Fälle zu sehen sei. Dieses Phänomen ist seinen Beobachtungen zufolge auch bei anderen Impfungen zu konstatieren. Möglicherweise hänge es mit einer unspezifischen Aktivierung des Immunsystems zusammen. Das wäre konsistent mit der Beobachtung, dass GBS gehäuft nach Infektionen auftritt, also dann, wenn das Immunsystem arbeiten muss.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Nein, ausschließen kann man's nicht

Lesen Sie dazu auch:
Nur wenig Nebenwirkungen bei Schweinegrippe-Impfung in Schweden
Schweinegrippe-Impfung: Wirkverstärker werden grundlos verurteilt
Was ist dran an Berichten über GBS durchs Impfen?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

Kein Frühstück = höheres Diabetes-Risiko

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko für Diabetes. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Grünes Licht für die MWBO-Novelle

Weniger Richtzeiten und kompetenzbasiertes Lernen: Der Vorstand der Bundesärztekammer hat die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschlossen. mehr »