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Grippe

Nur jeder dritte Risikopatient ist geimpft

Die WHO sieht die Impfung von Risikopatienten gegen Influenza vor - doch umgesetzt wird sie weltweit sehr verschiedlich. Während in den Niederlanden 78 Prozent geschützt sind, ist Deutschland im internationalen Ranking bei den Schlusslichtern. 

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Senioren sind eine Risikogruppe, denen die jährliche Grippe-Impfung empfohlen wird. Die Impfraten sind in Deutschland sehr niedrig.

Senioren sind eine Risikogruppe, denen die jährliche Grippe-Impfung empfohlen wird. Die Impfraten sind in Deutschland sehr niedrig.

© JPC-PROD / fotolia.com

MADISON. Chronisch kranke Menschen, etwa mit Herzerkrankungen, sollten jährlich gegen Grippe geimpft werden. Das ist die Empfehlung der Impfkommissionen von Deutschland (STIKO) und vieler anderer Länder.

Tatsächlich geschützt wird aber immer nur ein Bruchteil der infrage kommenden Risikopersonen, wie jetzt wieder eine große internationale Studie bei Herzinsuffizienz-Patienten zeigt. Dabei variieren die Impfraten der verschiedenen Länder erheblich.

Risikopatienten sollten gegen Grippe geimpft werden, weil die Erkrankung bei ihnen lebensgefährlich verlaufen kann, so die WHO. Die Impfraten sind jedoch in einigen Regionen sehr niedrig, wie US-amerikanische Kardiologen kürzlich berichtet haben. Sie hatten bei Probanden der PARADIGM-HF-Studie die Impfquoten überprüft und nach Faktoren gesucht, die eine Grippeimpfung begünstigen (J Am Coll Cardiol HF 2015, online 30. Dezember).

An der PARADIGM-HF-Studie hatten 8399 herzinsuffiziente Patienten mit einer verringerten Auswurffraktion teilgenommen, die randomisiert entweder mit dem Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor LCZ696 (Sacubitril/Valsartan) oder mit Enalapril behandelt worden waren.

Internationale Unterschiede

Tatsächlich gegen die saisonale Grippe geimpft waren nur 1769 (21 Prozent) Probanden, wobei die Studienautoren ausschließlich Impfungen innerhalb der letzten zwölf Monate vor Studienbeginn berücksichtigt hatten.

Auffällig waren die national unterschiedlichen Impfraten. Am besten schnitten Länder Westeuropas ab, allen voran die Niederlande mit einem Anteil von 78 Prozent, gefolgt von Großbritannien (77 Prozent) und Belgien (68 Prozent).

In Deutschland war die Impfrate mit 32 Prozent weniger als halb so hoch; die Quote lag sogar hinter Chile (44 Prozent). Schlusslicht waren asiatische Länder mit einer Gesamtimpfrate von 2,6 Prozent.

Doch nicht nur die nationale Zugehörigkeit war ausschlaggebend für den Impfschutz. Begünstigende Faktoren für den Schutz waren zudem höheres Lebensalter, ein bestehender Diabetes, ein niedriges NYHA-Stadium, eine niedrige Herzfrequenz, Digoxintherapie, ein implantierter Defibrillator oder eine kardiale Resynchronisationstherapie, eine niedrige glomeruläre Filtrationsrate, eine größere Auswurffraktion, weiße Hautfarbe sowie ein Krankenhausaufenthalt in der Vorgeschichte.

Mehr Begleiterkrankungen

Ein positiver Impfstatus war insgesamt mit mehr kardiopulmonal und Grippe bedingten Krankenhausaufenthalten und einer erhöhten Hospitalisationsrate assoziiert. Wurde der Effekt von Alter und Begleiterkrankungen aber herausgerechnet, gab es zwischen Geimpften und Ungeimpften keinen Unterschied mehr. Das Gesamtsterberisiko aber lag bei den Geimpften um 18 Prozent niedriger als bei Patienten ohne Impfschutz (propensity adjusted HR 0,82).

Das Fazit der US-Kardiologen: Geimpfte Patienten waren im Mittel älter und hatten mehr Begleiterkrankungen, die eine intensive medizinische Betreuung notwendig machten. Da die Impfraten offenbar mit dem Bruttoinlandsprodukt der Länder steigen, könnte - so die Hypothese der Kardiologen - der sozioökonomische Status der Patienten eine Rolle spielen. Endgültige Aussagen lasse die Studie aber nicht zu, da Informationen zu den Lebensumständen der Studienteilnehmer nicht verfügbar waren.

Die in der unbereinigten Analyse höhere Hospitalisationsrate bei gleichzeitig unveränderter Sterberate ist aber nach Ansicht der Studienautoren ein Indiz dafür, dass geimpfte Patienten leichter Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung haben als Nichtgeimpfte.

Die Daten seien allerdings kein Beleg dafür, dass sich mit einer Grippeimpfung tatsächlich Leben retten lasse, so die Studienautoren. Zwar war die Impfung mit einer verringerten Sterberate assoziiert, Rückschlüsse auf einen kausalen Zusammenhang sind aber in einer solchen Beobachtungsstudie prinzipiell nicht möglich.

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