Direkt zum Inhaltsbereich

Antibiotikaeinsatz

Multiresistente Erreger auch in der Ambulanz ein Problem

Antibiotikaresistenzen sind längst nicht mehr nur ein Problem der Kliniken. Sie sind auch im ambulanten Bereich angekommen. Besonders hoch ist das Risiko für eine MRE-Infektion bei Reisenden in Länder mit einer hohen MRE-Kolonisationsrate.

Von Beate Fessler Veröffentlicht:
Multiresistente Enterobakterien: Resistenzen bereiten zunehmend auch im ambulanten Bereich Probleme.

Multiresistente Enterobakterien: Resistenzen bereiten zunehmend auch im ambulanten Bereich Probleme.

© IMMIH, Köln / Hamprecht

DRESDEN. Etwa drei Viertel der niedergelassenen Ärzte haben bereits Erfahrung mit multiresistenten Erregern (MRE).

Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Befragung von 6333 Ärzten durch das MRE-Netz Rhein-Main, die der Berliner Pneumologe Dr. Andrés de Roux beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin präsentierte.

85 Prozent der Teilnehmer halten Resistenzen gegen Antibiotika für relevant. 62 Prozent sind der Auffassung, dass ihr eigenes Verordnungsverhalten Einfluss auf die Resistenzsituation in der Region hat. Und etwa drei Viertel haben bereits Erfahrung mit Therapieversagen wegen Antibiotika gemacht.

Umfrage-Ergebnisse in Kürze

85 Prozent der teilnehmenden niedergelassenen Ärzte halten Resistenzen gegen Antibiotika für relevant.

62 Prozent sind der Auffassung, dass ihr eigenes Verordnungsverhalten Einfluss auf die Resistenzsituation in der Region hat.

Etwa drei Viertel haben bereits Erfahrung mit Therapieversagen wegen Antibiotika gemacht.

Die aktuellsten Daten zur Antibiotikaresistenz in Europa, publiziert im November 2017 vom EARS-Net (European Antimicrobial Resistance Surveillance Network), zeigen eine erhebliche Variabilität der Resistenzraten innerhalb Europas mit einem Süd-Nord-Gefälle.

Insgesamt hat MRSA (Methicillin-resistenter S. aureus) abgenommen, dagegen sind eine deutliche Zunahme von VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) zu beobachten sowie erste Nachweise von Colistin-Resistenzen. Noch selten, aber zunehmend sind Carbapenem-Resistenzen bei E. coli und Klebsiellen.

De Roux kritisierte den starken Anstieg bei der Verordnung von Reserveantibiotika und verwies insbesondere auf Cefuroximaxetil. "Cefuroximaxetil hat den stärksten Anstieg als Einzelsubstanz im 10-Jahres-Zeitraum zu verzeichnen, obwohl die Substanz in keiner deutschen Behandlungsleitlinie Mittel der Wahl ist", betonte er.

Trendwende im ambulanten Bereich

Generell sei aber eine Trendwende im Antibiotikaverbrauch im ambulanten Bereich zu verzeichnen. Eine aktuelle Auswertung von Versichertenzahlen der kaufmännischen Krankenkasse sieht einen Rückgang der Verordnungen seit 2008 um 17 Prozent.

Besonderes Augenmerk auf MRE sollte bei Touristen sowie bei Patienten gelegt werden, die Kontakt zu ausländischen Medizinsystemen haben, etwa in Indien, China, Griechenland oder Saudi Arabien. Immerhin sind in Indien 75 Prozent der Menschen Träger von ESBL (Extended-Spectrum Beta-Lactamasen). "Und die Bakterien reisen mit."

Studien in Schweden und in Deutschland deuten darauf hin, dass ESBL nicht selten durch Reisen erworben wird. So zeigte eine prospektive Kohortenstudie in Deutschland bei Reisenden in 53 verschiedene Länder einen Anteil an ESBL-Trägern vor der Reise von 6,8 Prozent (14/205), nach der Reise von 40 Prozent (63/191).

Besonders hoch war das Risiko bei Aufenthalten in Indien und Süd-Ost-Asien. Eine Gastroenteritis im Reiseland erhöhte die Wahrscheinlichkeit. Die Persistenz nach sechs Monaten lag bei 8,6 Prozent. In der schwedischen Studie lag die Zahl der ESBL-Träger bei 2,4 Prozent vor und 30 Prozent nach der Reise.

Quelle: www.springermedizin.de

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Lesetipps
Arzt mit einem Modell des männlichen Harntrakts in der Hand spricht mit einem Patienten.

© Peakstock / stock.adobe.com

Künstliche Intelligenz

Bei urologischen Problemen: Fragen Sie Chatbot „Urobert“

Eine Frau geht Walken im Park. Man sieht nur ihre Beine.

© Robert Kneschke / AdobeStock

Cochrane-Update

Körperliches Training hilft wohl doch kaum bei Hüftarthrose

Die Wissenschaftler arbeiten mit der Annahme, dass die Zellen nach dem „Auftauen“ ihre normalen physiologischen Prozesse wieder aufnehmen.

© Tomorrow.bio

Start-up

Kryokonservierung: Der Traum vom ewigen Leben