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Fatigue belastet Krebspatienten stark

ELTVILLE-ERBACH (djb). Fatigue ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen einer Tumorerkrankung. Außerdem ist sie ein üblicher unerwünschter Effekt der Tumortherapie. Hauptursache der belastenden Erschöpfung ist meist eine Anämie. Durch eine Therapie mit Erythropoetin-stimulierenden Agenzien wie Epoetin beta kann sie behandelt werden.

Veröffentlicht:

Diagnose Fatigue

  • Müdigkeit, Energiemangel oder inadäquat gesteigertes Ruhebedürfnis
  • Gefühl der generalisierten Schwäche oder Gliederschwere
  • Konzentrationsstörungen
  • Mangel an Motivation oder Interesse, den normalen Alltagsaktivitäten nachzugehen
  • Erleben des Schlafs als wenig erholsam
  • Gefühl, sich zu jeder Aktivität zwingen zu müssen
  • Ausgeprägte emotionale Reaktion auf die empfundene Erschöpfung (z. B. Niedergeschlagenheit, Frustration, Reizbarkeit)
  • Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags
  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Nach körperlicher Anstrengung mehrere Stunden andauerndes Unwohlsein

Fatigue beeinträchtigt den Alltag stark.

Mehr als 60 Prozent der Krebspatienten, die bei einer Chemotherapie eine Anämie entwickeln, erhalten keine entsprechende Behandlung, kritisierte Professor Wolfram Brugger aus Villingen-Schwenningen. Die mit der Anämie einhergehende krankhafte Ermüdung, die sich durch normale Erholung nicht beheben lässt, schränke jedoch die Lebensqualität der Patienten erheblich ein.

Fatigue-Anzug simuliert Situation der Patienten

Wie Fatigue-Patienten sich fühlen, konnte Brugger selbst nachempfinden, als er bei einer Veranstaltung des Unternehmens Roche Pharma einen so genannten Fatigue-Anzug (Alterssimulationsanzug) ausprobierte. Der Anzug wiegt über 15 Kilogramm und schränkt die Beweglichkeit der Gelenke ein. Wie Brugger berichtete, waren damit alle Bewegungsabläufe enorm anstrengend und ermüdend.

Über ähnliche Erfahrungen berichtete die Krebspatientin Helga L. aus Köln. "Viel schlimmer als die Schmerzen war die über Wochen anhaltende Erschöpfung und Kraftlosigkeit", sagte sie. Während und nach der Chemotherapie sei ihr einfach alles zu viel gewesen, und sie habe kaum ihren Alltag bewältigen können.

Mit dem rekombinanten humanen Erythropoetin Epoetin beta (NeoRecormon®, 30 000 I.E s.c. pro Woche) können niedrige Hämoglobinwerte bei Krebspatienten nach Chemotherapie erhöht werden. Damit lässt die Fatigue nach, erläuterte Brugger. Die Lebensqualität steige bei der Epoetin-beta-Therapie, wie klinische Studien ergeben hätten.

Bei ESA-Therapie sind häufig weniger Bluttransfusionen nötig

Zudem mache die Therapie mit ESA (Erythropoiese stimulating factor) Bluttransfusionen häufig überflüssig. In einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 40 Lungenkrebs-Patienten nach Chemotherapie stieg der mittlere Hämoglobinwert mit 30 000 I.E. / Woche Epoetin beta in vier Wochen. Der mittlere Ausgangswert von 10,4 g / dl erhöhte sich um 1,3 g / dl auf 11,7 g / dl. So wurden bei 95 Prozent der Patienten Bluttransfusionen vermieden, berichtete der Hämatoonkologe.

Bei dem Parameter "Lebensqualität" schneide die Therapie mit Epoetin beta besser ab als wiederholte Bluttransfusionen, betonte Professor Brugger.

Die Behandlung solle bei Hämoglobinwerten von 9 bis 11 g / dl beginnen und fortgeführt werden, bis ein Wert von maximal 12 g / dl erreicht ist.

Weitere Informationen zu Fatigue gibt es unter www.krebshilfe.de und www.deutsche-fatigue-gesellschaft.de



STICHWORT

Fatigue

Fatigue ist ein Zustand massiver körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung. Fatigue ist häufig bei Krebspatienten in Zusammenhang mit der Erkrankung oder der Therapie zu finden. Meist tritt sie überraschend und ohne vorherige adäquate Anstrengung auf. Man unterscheidet zwischen akuter und chronischer Fatigue, die bis fünf Jahre oder länger nach Therapie-Ende andauern kann. Über die Ursachen der Fatigue ist noch wenig bekannt. Häufig ist die tumorbedingte Erschöpfung jedoch mit einer Anämie assoziiert. (otc)

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