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Gute Akutschmerztherapie in Kliniken selten

Akutschmerzdienste, Qualitätskontrollen und Dokumentation -  das fehlt in der Schmerztherapie an deutschen Krankenhäusern, bemängeln Experten.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Schmerztherapie - in Tablettenform oder als Injektion - hat in Kliniken noch Verbesserungsbedarf.

Schmerztherapie - in Tablettenform oder als Injektion - hat in Kliniken noch Verbesserungsbedarf.

© Setareh / fotolia.com

KÖLN. Bei der Akutschmerztherapie in deutschen Krankenhäusern gibt es Verbesserungsbedarf.

Insbesondere der systematische Ausbau von Akutschmerzdiensten (ASD) wäre sinnvoll, denn sie könnten die Patientenzufriedenheit erhöhen und die Kosten senken. Zu diesem Schluss kommt ein aktueller Health Technology Assessment-Bericht.

"Eine gute Akutschmerztherapie ist noch nicht zur klinischen Routine geworden", schreiben die Autoren Dieter Korczak, Carmen Kuczera und Meinhard Rust.

Der Bericht, den das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) veröffentlicht hat, stützt sich auf 16 medizinische und fünf gesundheitsökonomische Studien mit einem hohen Evidenzlevel. Zehn Studien beziehen sich auf die Situation in Deutschland.

"Die Studienlage zur Akutschmerztherapie ist hinsichtlich der postoperativen Schmerztherapie zufriedenstellend, hinsichtlich der Schmerztherapie auf den konservativen Stationen jedoch unzureichend und ein Abbild der Unterversorgung auf konservativen Stationen."

Qualitätskontrolle in Kliniken durch Stichproben

Nach der Literaturauswertung ist die Akutschmerztherapie sowohl auf den postoperativen als auch auf den konservativen Stationen wirksam und kosteneffektiv. Die Autoren geben eine Reihe von Empfehlungen, wie eine breitere Implementierung erreicht werden kann.

Neben dem Ausbau der ASD gehören dazu eine regelmäßige Qualitätskontrolle durch repräsentative Stichproben in allen Kliniken und Behandlungseinheiten sowie die Weiterentwicklung des Wissensstands des medizinischen Personals.

"Eine umfassende und regelmäßige Dokumentation der durchgeführten Schmerzerfassung und der medikamentösen Behandlung einschließlich der eventuell auftretenden Nebenwirkungen ist notwendig", betonen die Autoren.

Sie sollte Teil der Patientenakten sein, alle Klinikangestellten müssen Zugriff haben. "Dies gilt von der Aufnahme eines Patienten bis zu dessen Entlassung, auch der Hausarzt ist über die vorgenommene Schmerzbehandlung ausreichend zu informieren."

Schmerzmessungen über mehrere Tage

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Akutschmerztherapie über die analgetische Versorgung der Patienten hinausgehen sollte.

Die Möglichkeiten der nichtmedikamentösen Behandlung werden nach ihrer Einschätzung im Klinikalltag nicht ausgeschöpft, psychologische Aspekte wie Ängste nur unzureichend beachtet.

"Schmerzmessungen sollten regelmäßig über mindestens drei Tage erfolgen, um mögliche Effekte der operativen Anästhesie auf die Ergebnisqualität der Akutschmerztherapie kontrollieren zu können", empfehlen die Autoren.

Für notwendig halten sie weitere Studien zum Einsatz und zur Wirksamkeit der Akutschmerztherapie nach ambulanten OPs.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schmerz, lass' nach

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