Ärzte Zeitung, 11.12.2015

NRW

Mehr Patienten-Selbstbestimmung

Transparenz, Selbstverantwortung, Entscheidungskompetenz.: Patienten rücken in den Fokus.: Die Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen stellt die Weichen für 2016.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Im nordrhein-westfälischen Gesundheitswesen soll 2016 die Selbstbestimmung der Patienten besonders groß geschrieben werden. Das hat die 24. Landesgesundheitskonferenz (LGK) beschlossen.

"Durch mehr Unterstützung, Teilhabe und Information von Patientinnen und Patienten wollen wir die gesundheitliche Versorgung noch stärker an den Bedarfen der Betroffenen ausrichten und die Selbstverantwortung stärken", sagte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne).

In der LGK sind alle relevanten Akteure des Gesundheitswesens zusammengeschlossen, darunter die Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen, die Standesorganisationen der Zahnärzte und Apotheker, die Krankenkassen, die Rentenversicherer und die Wohlfahrtsverbände.

Mit ihrer Entschließung hat die LGK Maßnahmen zu fünf Schwerpunkten auf den Weg gebracht:

Selbstbestimmung und Orientierung verbessern: Beratungs- und Versorgungsangebote sollen transparent gemacht werden, die Patienten die Möglichkeit erhalten, ihre Interessen besser zu vertreten und Entscheidungen auf Basis gesicherter Informationen zu treffen.

Kommunikation und Wissensaustausch zwischen Patientinnen und Patienten sowie allen im Gesundheitswesen Tätigen fördern: Die Kommunikationskompetenz der Akteure soll gestärkt werden. Bei der Informationsweitergabe liegt ein besonderes Augenmerk auf den Schnittstellen zwischen ambulanter, stationärer, rehabilitativer und pflegerischer Versorgung.

- Patientenbeteiligung stärken: Patienten sollen ihre Sichtweisen, Kompetenzen und Bedürfnisse einbringen und sich aktiv an der Gestaltung der Versorgung beteiligen können. Auch im Bereich der Telematik-Anwendungen und der Telemedizin ist es das Ziel, die Interessen der Nutzer schon bei der Entwicklung zu berücksichtigen.

- Patientensicherheit verbessern: Die Akteure wollen in den Einrichtungen des Gesundheitswesens die Kultur der Fehlervermeidung und der Patientensicherheit voranbringen.

- Beschwerdemöglichkeiten weiterentwickeln: Die Mitglieder der LGK unterstützen den Ausbau von patientenorientierten einrichtungsbezogenen Beschwerdemanagementsystemen in Krankenhäusern, Arztpraxen, MVZ sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen.

"Alle Beteiligten sind aufgefordert, neue Wege in der Kommunikation, der Information und der Patientenbeteiligung zu finden und auch zu gehen", sagte Steffens.

Beispielhafte Projekte für die Stärkung der Patienten-Selbstbestimmung werden 2016 mit dem Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »