Patientensicherheit

Blick von außen auf die Praxis

Peer Reviews für die Praxen: In Niedersachsen haben niedergelassene Ärzte das vom Arbeitskreis Patientensicherheit entwickelte Konzept ausprobiert.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 05.10.2015, 12:21 Uhr

HANNOVER/VERDEN. Der Arbeitskreis Patientensicherheit in Hannover hat ein Konzept des Peer Reviews für die Praxen niedergelassener Ärzte entwickelt.

"Ein Pilotprojekt", wie Dr. Anouk Sigglekow sagt, Beauftragter für Patientensicherheit der Ärztekammer Niedersachsen. Eine internistische und eine Hausarztpraxis haben das Konzept miteinander ausprobiert.

"Eigentlich sind wir gut aufgestellt", resümiert Hausarzt PD Dr. Guido Schmiemann. Die Hausarztpraxis aus Verden, in der er arbeitet, hat das Peer Review zusammen mit der internistischen Praxis von Dr. Johannes Herzog aus Uelzen gemacht. "Aber wir haben im Review noch einmal erlebt, wie wichtig die Kommunikation in der Praxis ist", sagt der Hausarzt.

So gebe es zum Beispiel bei Neuerungen in der Praxis immer solche Mitarbeiter, die schnell mitziehen und andere, die zurückhaltend sind. "Hier gilt es, verborgene Konflikte anzusprechen und zu entschärfen", sagt Schmiemann der "Ärzte Zeitung".

Für solche Situationen geht dem Peer Review eine eintägige Schulung für mehrere Praxisteams voran. Hier erlernen je ein Arzt und eine oder zwei Medizinische Fachangestellte (MFA) einer Praxis, wie wertschätzendes Feedback funktioniert. "Eine sehr gute Schulung", wie Schmiemann sagt.

Beim darauf folgenden Praxisbesuch kommt es darauf an, auch heikle Aspekte entsprechend respektvoll und konstruktiv anzusprechen. Schwerpunkte des Reviews sind unter anderem das Fehler- und Risiko-Management, Medikamente und Verordnungen, Team- und interne Kommunikation oder Beschwerdemanagement und Datenschutz.

Oft liegen die gleichen Probleme vor

Bei dem etwa vierstündigen Praxisbesuch werden die Themen zwischen den Ärzten und MFA zunächst getrennt besprochen. Zuvor überreicht die besuchte Praxis einen ausgefüllten Selbsteinschätzungsbogen. Die Perspektive der besuchenden Praxis findet sich vor Ort und wird gemeinsam in einem Fremdeinschätzungsbogen festgehalten. Klar, dass im abschließenden Feedbackgespräch genug Themen auf dem Tisch liegen.

"Das Konzept dient eigentlich nur als Anlass und Rahmen, zielführender miteinander über sicherheitsrelevante Themen zu sprechen", sagt Siggelkow. "Welche Probleme habt ihr, welche Probleme haben wir? Und oft stellt man fest: Wir haben die Selben."

Lösungen soll dann das gemeinsame Feedbackgespräch bringen. Die Gesprächsatmosphäre und die Interprofessionalität unterscheide das Review vom Audit, "denn der Auditor ist meist niemand, der in der gleichen Situation ist, wie die Praxismitarbeiter." Viele Tipps und Erkenntnisse seien am Ende des Tages bei den Beteiligten hängen geblieben, sagt Siggelkow.

Wie bei vielen Projekten zum Qualitätsmanagement machen auch hier oft diejenigen Praxen mit, die es eigentlich nicht benötigen. Deshalb setzt man in Hannover auf das Prinzip Mission. Wenn Ärzte mit guten Erfahrungen im Review nach außen treten und von ihren Erfahrungen berichten, dann hofft man, dass auch andere Praxen nachziehen.

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