Ärzte Zeitung online, 18.03.2019

Aktuelle Umfrage

Stimmungstief in der Pflege

Katastrophale Stimmung bei den Pflegeberufen: Beklagt werden nicht nur Personalnotstand, sondern auch desolate Technik und Organisation.

Von Helmut Laschet

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In der Pflege bewegt sich viel, aber es dauert wohl noch, bis die Pflegekräfte die Verbesserungen auch spüren.

© Robert B. Fishman, ecomedia / dpa

BERLIN. Ungeachtet der politischen Anstrengungen der Großen Koalition (GroKo), die Situation in der Pflege zu verbessern, beurteilen die Beschäftigten in der Pflege ihre Situation als nachhaltig schlecht, teilweise sogar mit negativem Trend. Das geht aus der beim Deutschen Pflegetag in Berlin vorgestellten PSYMA-Umfrage unter mehr als 2000 Angehörigen von Gesundheitsberufen, darunter auch 360 Haus- und Fachärzte, hervor. Die Umfrage fand im Herbst 2018 statt.

Nach dem Care-Klimaindex hat sich die Stimmung unter den Pflegeberufen selbst weiter verschlechtert: von einem Basiswert von 100 im Vorjahr auf 95,3 Prozent. In den alten Bundesländern fällt dieser Trend deutlich stärker aus.

Schlechtes Zeugnis für Pflegequalität

Das mit dem Start der GroKo im Frühjahr vergangenen Jahres angekündigte deutlich verstärkte politische Engagement für die Pflege wird von den Berufsangehörigen selbst kaum wahrgenommen, die Werte haben sich nur marginal verbessert:

  • So ist der Anteil der professionellen Pflegekräfte, die der Auffassung sind, Pflege habe in der Politik einen zu geringen Stellenwert, von 91 Prozent in 2017 auf 87 Prozent im vergangenen Jahr gesunken.
  • Etwas stärker ist die Wahrnehmung des Engagements von Politikern bei akademischen Pflegekräften: bei diesem Personenkreis sank der Anteil derer, die den politischen Stellenwert der Pflege für zu niedrig halten, von 88 auf 80 Prozent.

Die Umstände der Berufsausübung haben nach Auffassung der Betroffenen gravierende und ernste Folgen für die Versorgung: Der Anteil derer, die die Qualität der Pflege als schlecht bewerten, stieg von 24 auf 27 Prozent; mehr als die Hälfte hält die Pflegequalität für mittelmäßig.

In Gefahr gerät dabei auch die Patientensicherheit: Nur noch 14 Prozent bewerten sie als gut, im Vorjahr waren es 16 Prozent. 50 Prozent der Pflegekräfte halten die Sicherheit der ihnen anvertrauten Menschen für nur teilweise gewährleistet.

Besonders schlechte Noten erhalten die Arbeitsbedingungen – sie haben sich 2018 weiter verschlechtert: Der Anteil der professionellen Pflegekräfte, die die Bedingungen für schlecht halten, hat sich von 51 auf 60 Prozent erhöht, von mittelmäßigen Arbeitsbedingungen sprechen 31 Prozent (Vorjahr: 39 Prozent). Das heißt: Weniger als jede zehnte Pflegekraft bewertet ihre Arbeitsbedingungen positiv.

Problemfeld Personalmangel

Noch schlechter fällt die Bewertung der personellen Ausstattung aus: 71 Prozent der professionellen Pflegekräfte hält sie für unzureichend, nur noch vier (Vorjahr sechs) Prozent sagen, sie sei ausreichend. Besonders kritisch sehen das akademisch gebildete Pflegekräfte und das Pflege-Management: In dieser Personengruppe, die die Hauptverantwortung für die Organisation und Sicherstellung der Pflege trägt, klagen 89 Prozent über unzureichende Personalausstattung.

Es sind aber nicht allein Personalfragen, die den Notstand erklären; auch Management- und Unternehmerfehler treten in der Umfrage zutage: 44 Prozent der Pflegekräfte klagen über Probleme bei der Überleitung von Patienten aus der Akutversorgung in die Langzeitpflege; im Vorjahr waren es noch 33 Prozent. Auch die Einschätzung der technischen Ausstattung hat sich verschlechtert: Aktuell wird sie von 44 Prozent der Pflegekräfte als schlecht bewertet, im Vorjahr waren es 37 Prozent.

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