Ärzte Zeitung, 10.03.2015

Umfrage zeigt

Viele fühlen sich für Gesundheit der Eltern verantwortlich

Die 30- bis 60-Jährigen in Deutschland sind aktiv, wenn es um die Gesundheit ihrer Eltern geht, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Viele suchen auch den direkten Draht zum behandelnden Arzt der Eltern.

Von Matthias Wallenfels

Viele fühlen sich für Gesundheit der Eltern verantwortlich

Ein Spaziergang ist für Kinder durchaus eine Gelegenheit, sich über den Gesundheitszustand ihrer alten Eltern zu informieren.

© Stockbyte / Thinkstock

ERLANGEN/MÜNCHEN. Der demografische Wandel könnte Ärzte in Praxis und Klinik zu einem Umdenken in Sachen Patientenkommunikation bewegen.

Denn bereits heute fühlen sich neun von zehn Deutschen in der Generation der 30- bis 60-Jährigen für die Gesundheit ihrer Eltern verantwortlich.

Das geht aus der repräsentativen Online-Umfrage des internationalen Marktforschungsinstituts Research Now im Auftrag der Agenturen Spirit Link Medical und BSKOM unter dem Titel "Die Rolle der Angehörigen bei Gesundheitsfragen" hervor.

"Ziel war es, die Entscheidungswege bei Gesundheitsfragen im familiären Umfeld unter die Lupe zu nehmen und zu beleuchten, ob und inwieweit erwachsene Kinder als Gesundheitsmanager ihrer Eltern agieren", erläutert Heiko Pröger, Partner bei Spirit Link Medical.

Auch an Therapieentscheidungen beteiligt

89 Prozent der Befragten fühlten sich demnach tatsächlich für die Gesundheit ihrer Eltern verantwortlich, 88 Prozent haben sich in den vergangenen zwölf Monaten um Gesundheitsfragen ihrer Eltern gekümmert.

Darüber hinaus seien bereits 55 Prozent an Kaufentscheidungen für Gesundheitsprodukte und 46 Prozent an Therapieentscheidungen ihrer Eltern beteiligt gewesen.

Die Intensität des familiären Gesundheitsmanagements ist indessen uneinheitlich ausgeprägt. So fühlen sich 31 Prozent generell verantwortlich, bei 40 Prozent trifft dies zu, wenn die Eltern von akuten gesundheitlichen Problemen betroffen sind.

61 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, bei gesundheitlichen Themen von ihren Eltern um Rat gefragt worden zu sein.

Zudem zeigt die Studie den starken Einfluss der Angehörigen auf die Adhärenz: 64 Prozent überprüfen, ob sich die Eltern an Behandlungsempfehlungen des Arztes halten.

Mehr Infomaterial gewünscht

Diese aktive Rolle äußert sich auch darin, dass sich 88 Prozent zu Erkrankungen der Eltern informieren - 70 Prozent davon bereits nach Auftreten von Symptomen und noch vor der Diagnose durch den Arzt.

50 Prozent informieren sich nach Diagnosestellung und 38 Prozent während der Behandlung.

Wie die Umfrage zeigt, ist der behandelnde Arzt für die Kinder der betroffenen Patienten mit 54 Prozent Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um die Frage des aktuellen Gesundheitszustandes des Vaters respektive der Mutter geht.

Deutlich abgeschlagen folgen als weitere Infoquellen Gesundheitsseiten im Web mit 35 Prozent und allgemeine Webseiten mit 26 Prozent. Weitere Anlaufstellen sind andere Angehörige (24 Prozent), Apotheken und Freunde (je 19 Prozent) und Social Media (12 Prozent).

Trotz der vielfältigen Informationsmöglichkeiten wünschen sich 42 Prozent der Befragten mehr Infomaterial zu gesundheitlichen Themen der Eltern. Bei Angehörigen, die ihre Eltern beraten, sind es sogar 53 Prozent.

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