Hauptstadtkongress

Datenschutzbeauftragte: „Nicht die Technik, sondern der Mitarbeiter ist das Problem“

Cybersicherheit und Agilität gehören beim digitalen Transformationsprozess untrennbar zusammen. Klar ist aber auch: Nicht die Technik ist häufig das Problem, sondern die Mitarbeiter sind es.

Von Kathrin HandschuhKathrin Handschuh Veröffentlicht:
Agilität und Cybersicherheit – zwei Seiten einer Medaille. Darüber diskutierten auf dem Hauptstadtkongress (v.l.): Christian Klose (gematik), Heike Thielmann (AOK Nordost), Moderator Matthias Wallenfels (Ärzte Zeitung), Professor Axel Ekkernkamp (BG-Kliniken), Christoph Ingelfinger (Cisco Systems GmbH) und der zugeschaltene Jens Schulze (Universitätsklinik Frankfurt).

Agilität und Cybersicherheit – zwei Seiten einer Medaille. Darüber diskutierten auf dem Hauptstadtkongress (v.l.): Christian Klose (gematik), Heike Thielmann (AOK Nordost), Moderator Matthias Wallenfels (Ärzte Zeitung), Professor Axel Ekkernkamp (BG-Kliniken), Christoph Ingelfinger (Cisco Systems GmbH) und der zugeschaltene Jens Schulze (Universitätsklinik Frankfurt).

© Schmidt-Dominé / WISO

Berlin. Sind Agilität und Cybersicherheit zwei Seiten einer Medaille? Für die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum zukunftssicheren Gesundheitswesen am Dienstagnachmittag auf dem Hauptstadtkongress stand übereinstimmend fest, dass für einen erfolgreichen digitalen Transformationsprozess beides untrennbar zusammengehört. Dafür erfordere es eine adäquate Ausbildung der Mitarbeiter und eine entsprechende Kultur in den jeweiligen Unternehmen und Einrichtungen.

„Der Faktor Mensch ist hierbei ganz wichtig“, betonte beispielsweise Jens Schulze, Chief Information Officer und Leiter des Dezernats für Informations- und Kommunikationstechnologie (DICT) des Universitätsklinikums Frankfurt.

Die Mitarbeiter müssten genau wissen, wo in den Systemen welche Schwachstellen seien, um Cyberattacken zu verhindern. Das Prinzip „Meine Daten in meinem Haus“ gelte angesichts der riesigen Datenmengen, mit denen viele Kliniken operierten, bald nicht mehr. „Wir müssen uns neu aufstellen, dazu gehört auch die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen mit unterschiedlichen Skills.“ Eine wichtige Kompetenz sei die Datensicherheit.

Professor Axel Ekkernkamp, Geschäftsführer Medizin der BG-Kliniken gGmbH, schlug vor, die Prozesse aus der Simulationsmedizin auf die IT-Sicherheit zu übertragen, um für mögliche Cyberangriffe gewappnet zu sein. Externe Dienstleister würden in Zukunft zu wichtigen Sparringspartnern werden. „Es braucht Fachleute, entweder bei uns oder außerhalb.“

„Nicht die Technik, sondern der Mitarbeiter ist das Problem.“

Unterstützung bekam er von Heike Thielmann, Datenschutzbeauftragte der AOK Nordost. Für den Versicherer sei es nicht so einfach, passende Mitarbeiter zu finden, die den digitalen Transformationsprozess bewältigten. Sie bedauerte, dass es keine Ausbildung zur Digitalisierung in der Verwaltung gebe. „Nicht die Technik, sondern der Mitarbeiter ist das Problem.“ Thielmann berichtete, wie bei der AOK Datenschutz-Schulungen auf webbasierte Trainings umgestellt wurden, die sich besser in den Alltag der Arbeitnehmer integrieren ließen.

Wie agil ein Unternehmen unter dem Dach der Telematikinfrastruktur werden könne, fragte Christian Klose, Leiter der Unterabteilung gematik, TI und E-Health im BMG. Aus seiner Sicht werde zu viel über Konnektoren und Technik, statt über die Möglichkeiten der Digitalisierung gesprochen. Die Technik dürfe lediglich Mittel zum Zweck sein. „Die dazugehörige Kultur erreichen wir nur über Kommunikation.“

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Christoph Ingelfinger, Leiter Strategie Gesundheitswesen, Länder & Kommunen der Cisco Systems GmbH, machte auf die Probleme angesichts von zukünftig 20.000 bis 30.000 vernetzten Geräten pro Klinik aufmerksam. Schutzbedarf und Komplexität müssten gleichzeitig bewältigt werden. Jede Einrichtung stehe vor entscheidenden Fragestellungen: Wie digital ist mein Unternehmen? Und vor allem: Woher weiß ich das? Und wie sieht es damit in einer Woche aus? „Wir müssen ausloten, welche Fähigkeiten wir brauchen, um das Risiko einer Gefährdung von außen einzuschätzen.“

In der Runde ging es auch um die Frage, wie die Digitalisierung dem Patienten nutzen kann. Heike Thielmann betonte angesichts des Datenschutz-Wirbels um die elektronische Patientenakte in jüngster Zeit, dass es „unser fester Wille ist, das Projekt weiterzuentwickeln“. Freiwilligkeit sei bei der ePA der wichtigste Faktor. Ekkernkamp warnte davor, den Kliniken zu viel zuzumuten: Corona-Krise, Personalmangel und Digitalisierung – man könne nicht alles gleichzeitig machen. Er forderte ergänzend zum Krankenhauszukunftsgesetz ein Arztzukunftsgesetz. Dadurch würden auch in der Praxis die notwendigen Anreize zur digitalen Transformation geschaffen.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Da haben die Kolleg:Innen in puncto Gendern noch einiges aufzuholen. Johannes Rau, Ex-Ministerpräsident von NRW und späterer Bundespräsident, pflegte schon lange vor jeglicher Gender-Gerechtichkeits-Debatte eine geniale Begrüßungsformel. Er sprach: "Verehrte Anwesende", und damit war das Thema vom Tisch.

Wenn ich hier in der Ärzte Zeitung schon im Titel lese: „Nicht die Technik, sondern der Mitarbeiter ist das Problem“ biegen sich bei mir Finger- und Zehennägel nach oben. Warum kann man/frau nicht wenigstens schlicht und ergreifend sagen: „Nicht die Technik, sondern Mitarbeiter sind das Problem“ oder von mir aus "Mitarbeitende"?

Der Satz: "Nicht die Technik ist häufig das Problem, sondern die Mitarbeiter sind es", klingt schon besser, weil der Plural von Mitarbeiter im Deutschen weiblich ist.

Man könnte auch sagen: "Dafür erfordere es eine adäquate Ausbildung a l l e r Mitarbeiter und eine entsprechende Kultur..."

„Der Faktor Mensch..." (Uni Ff/M) ist auch eine Lösung.

Aber wenn Heike Thielmann, Datenschutzbeauftragte der AOK Nordost, tatsächlich gesagt haben soll: Für den Versicherer sei es nicht so einfach, passende Mitarbeiter zu finden, die den digitalen Transformationsprozess bewältigen, müsste sie sich darüber im Klaren sein, dass sie für d i e AOK arbeitet.

Und wenn "die Digitalisierung dem Patienten nutzen" soll, bleibt dann die andere Hälfte der Menschheit ausgesperrt? Sicher ist, die "elektronische Patientenakte" (ePA) kann so nicht bleiben, wenn schon alle Stellenanzeigen in "m/w/d" umformuliert werden müssen.

Das Krankenhauszukunftsgesetz geht ja noch, aber ein Arztzukunftsgesetz? Ich erinnere nur an die Formulierung: "Wird der Arzt im Praktikum schwanger..."

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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