Direkt zum Inhaltsbereich
Kooperation | In Kooperation mit: Deutsche Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Neues aus der Krebsversorgung

Pathologe Tolkach: „Wir werden mit KI-Algorithmen präziser und objektiver“

Damit Kollege Computer mitdiagnostizieren kann, muss die Pathologie dringend digitaler werden. Aber nicht nur technische, auch strukturelle Innovationen halten beim Krebs Einzug, wie in der Eröffnungspressekonferenz zum Deutschen Krebskongress betont wurde.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Während der Eröffnungspressekonferenz zum DKK 2024 sprachen PD Dr. Yuri Tolkach (v.l.), Prof. Reinhard Büttner, Bärbel Söhlke, Prof. Michael Ghadimi und Gerd Nettekoven zu dem Motto „Fortschritt gemeinsam gestalten“. 

Während der Eröffnungspressekonferenz zum DKK 2024 sprachen PD Dr. Yuri Tolkach (v.l.), Prof. Reinhard Büttner, Bärbel Söhlke, Prof. Michael Ghadimi und Gerd Nettekoven zu dem Motto „Fortschritt gemeinsam gestalten“.

© Peter-Paul Weiler

Berlin. „Die Künstliche Intelligenz ist wie ein Tsunami in die Krebsmedizin gekommen“, sagte der Präsident des diesjährigen Krebskongresses, Professor Dr. Reinhard Büttner, von der Pathologie am Universitätsklinikum Köln, bei der Eröffnungspressekonferenz des DKK 2024 am Mittwoch. Sein Fach, die Pathologie, ist dabei der Hauptnutznießer: „Wir werden mit KI-Algorithmen präziser und wir werden auch objektiver“, sagte PD. Dr. Yuri Tolkach, ebenfalls Köln.

Wie das konkret aussieht, machte Tolkach am Beispiel der Untersuchung einer Lungenkrebsbiopsie deutlich. Mit KI-Hilfe könnten Gewebe bis hinab auf die Einzelzellebene klassifiziert und quantifiziert werden. Mehrere tausend Parameter seien zumindest potenziell analysierbar und können den Pathologen wichtige Antworten auf pathologische Fragen geben: „Das ging früher nicht.“

Tolkach: „Wir werden mehr als doppelt so schnell“

Ein zweites interessantes Beispiel für den medizinischen Nutzen des KI-Einsatzes in der Pathologie ist die Rekonstruktion des Tumorvolumens beim Ösophaguskarzinom. Sie kann sowohl prognostische als auch therapierelevante Informationen liefern. Es gehe aber auch ganz konkret um Effizienzgewinne, so Tolkach.

Hier wäre beispielsweise die normale Malignitätsdiagnostik zu nennen. Ein anderes Beispiel ist die KI-gestützte Bestimmung der Aggressivität eines Tumors. Grob gesagt lasse sich die Geschwindigkeit der konventionellen Krebspathologie mit KI-Hilfe mehr als verdoppeln, so der Kölner Pathologe.

Pathologien müssen dringend digital aufrüsten

Das Ganze hat freilich einen Haken: Ohne eine digitale Pathologie wird das nichts mit dem KI-Einsatz bei Gewebeschnitten. Und solche leistungsstarken, digitalen Pathologien, für deren Aufbau problemlos siebenstellige Investitionssummen nötig werden, gibt es in Deutschland selbst an Universitätskliniken bisher kaum.

„Damit wir KI breit einsetzen können, benötigen Kliniken oder Institute leistungsstarke Rechner und Server – der derzeitige Zustand in Deutschland ist unbefriedigend“, betonte Tolkach. Neben Hardware und Netzwerken fehle es vielerorts auch an IT-Spezialisten, die an der Schnittstelle von Informatik und Medizin arbeiten wollen.

Neue Zertifizierung für personalisierte Medizin

Innovation gibt es in der Krebsmedizin nicht nur an der Digitalisierungsfront, sondern auch bei den Versorgungsstrukturen. So berichtete der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), Prof. Dr. Michael Ghadimi von der Universitätsmedizin Göttingen, von dem neuen DKG-Zertifizierungsprogramm für Zentren der Personalisierten Medizin (ZPM). Es wird derzeit aufgebaut. Mittlerweile seien zwölf ZPM deutschlandweit zertifiziert, alle an Comprehensive Cancer Centers (CCC). Bis Ende 2024 könnten es 24 sein, so Ghadimi.

Lesen sie auch

Bei den ZPM geht es um die an molekulargenetischen Markern ausgerichtete, individualisierte Therapie von Krebspatientinnen und -patienten, die in der Regel bereits mehrfach vortherapiert sind. Das neue Zertifizierungsprogramm dient vor allem der Qualitätssicherung bei den anspruchsvoll umzusetzenden ZPMs. Besonders wichtig ist hier das Molekulare Tumorboard, an dem neben den üblichen Fachdisziplinen auch Bioinformatiker und mitunter Molekularbiologen teilnehmen.

Neben dem Tumorboard ist das Thema klinische Studien ein weiterer Pfeiler der ZPM-Zertifizierung: „Die Evidenzlage muss insgesamt noch unterfüttert werden“, so Ghadimi. Deswegen sei es wichtig, dass möglichst viele der personalisiert therapierten Patientinnen und Patienten an klinischen Studien teilnehmen. Hierfür sind Finanzierungsmodelle nötig, die in den letzten Jahren zumindest teilweise geschaffen wurden.

Mehr zum Thema

Vom Mentor bis zur Trainings-App

So unterstützen Sie junge Erwachsene mit Krebs

Fragen helfen für Differenzierung

Wie sich eine krebsbedingte Fatigue von einer Depression abgrenzt

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Demenzprävention?

Alzheimer: Bei wem Fleischkonsum doch von Vorteil sein könnte

Lesetipps
Eine hervorgehobene Leber im 3D-Modell

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Münchner Aids- und Infektiologie-Tage

Chronische Hepatitis B: Heilung durch monoklonalen Antikörper?

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram