Montgomerys Nachfolge geklärt

Reinhardt ist neuer BÄK-Präsident

Ein Hausarzt steht wieder an der Spitze der Bundesärztekammer: Dr. Klaus Reinhardt setzt sich bei der Wahl zum BÄK-Präsidenten in einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen durch.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Dr. Klaus Reinhardt setzt sich bei der Wahl zum neuen BÄK-Präsidenten knapp gegen Martina Wenker durch.

Dr. Klaus Reinhardt setzt sich bei der Wahl zum neuen BÄK-Präsidenten knapp gegen Martina Wenker durch.

© Guido Kirchner / dpa

MÜNSTER. Dr. Klaus Reinhardt ist neuer Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Der Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe setzte sich am Donnerstag beim 122. Deutschen Ärztetag in Münster in einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen im dritten Wahlgang gegen die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Dr. Martina Wenker, durch.

Bei den Wahlen waren auch Reinhardts Wunschkandidatinnen für die Posten der Vizepräsidentinnen erfolgreich: Dr. Heidrun Gitter und Dr. Ellen Lundershausen.

30.05.2019 Video
© Springer Medizin

Nach 70 Jahren wieder ein Hausarzt an der Spitze

Mit Reinhardt steht erstmals seit 70 Jahren wieder ein Hausarzt an der Spitze der BÄK. Er ist zudem der erste, dem dieser Sprung gelang, ohne Präsident einer Landesärztekammer zu sein.

Der 59-jährige Allgemeinmediziner bringt nach eigener Einschätzung gute Voraussetzungen für die neue Herausforderung mit: Durch die Arbeit in seiner hausärztlichen Praxis in Bielefeld kenne er das komplexe Spektrum der hausärztlichen Tätigkeit, berichtete Reinhardt.

Gleichzeitig hat er vielfältige Erfahrungen in der ärztlichen Standes- und Berufspolitik, nicht zuletzt in seiner Funktion als Vorsitzender des Hartmannbundes. „Ich verbinde die praktischen Erfahrungen mit einer breit angelegten Expertise in der berufspolitischen Arbeit.“

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Die Ärzteschaft brauche wieder mehr Einfluss auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit, betonte er. „Ein Kulturwandel des Gesundheitswesens ist im vollen Gang, wir sind dabei die Opfer und nicht die Gestalter.“

Das soll unter seiner Ägide anders werden. Es gehe darum, dem Gesetzgeber eigene Ideen entgegenzusetzen, beschrieb er eines der Ziele seiner Präsidentschaft. „Wir müssen Herausforderungen antizipieren und nicht warten, bis ein Gesetzentwurf vorliegt.“

Reinhardt plant neue Vergütungs-Konzepte

Einsetzen will sich der BÄK-Präsident auch für neue Vergütungskonzepte. „Wir müssen die Anreizsysteme im Gesundheitswesen so gestalten, dass wir Zeit und Muße haben, uns um die Patienten zu kümmern.“

Es müsse überprüft werden, ob das DRG-System im Krankenhaus und die quartalsweise Vergütung der niedergelassenen Ärzte wirklich angemessen seien, oder ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, die ärztliche Tätigkeit zu bezahlen, erklärte Reinhardt.

Entscheidung im dritten Wahlgang

Daumen hoch für Dr. Reinhardt: Er hat die Wahl gewonnen.

Daumen hoch für Dr. Reinhardt: Er hat die Wahl gewonnen.

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Im ersten Wahlgang konnte Reinhardt 91 Stimmen auf sich vereinigen, Wenker folgte dichtauf mit 88. Für den bayerischen Kammerpräsidenten Dr. Gerald Quitterer hatten 46 Delegierte votiert, für Dr. Günther Jonitz, Chef der Ärztekammer Berlin, 24.

Da keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit von 125 Stimmen erhalten hatte, wurde ein zweiter Wahlgang nötig. Dabei trat Jonitz nicht mehr an.

Im nächsten Abstimmungsgang entfielen 109 Stimmen auf Reinhardt, 100 auf Wenker und 40 auf Quitterer. Damit fiel die Entscheidung über die Besetzung der BÄK-Spitze erst im dritten Wahlgang.

Dort setzte sich Reinhardt mit 124 Stimmen knapp gegen Wenker durch, die 121 Delegierte des Ärztetags hinter sich brachte.

Gitter und Lundershausen zu Stellvertretern gewählt

Die Entscheidungen über die Besetzung der beiden Vize-Posten im BÄK-Präsidium fielen im ersten Anlauf. Gitter, die Präsidentin der Ärztekammer Bremen, setzte sich gegen den Präsidenten der Ärztekammer im Saarland, Dr. Josef Mischo, durch, der auf 113 Stimmen kam.

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Ähnlich knapp war die Entscheidung zwischen Thüringens Kammerpräsidentin Lundershausen und dem Berliner Jonitz, der sich „als Überzeugungstäter“, wie er es nannte, erneut dem Votum des Plenums stellte. Für Lundershausen votierten 126 Delegierte, für Jonitz 111.

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Am Schluss des Wahlmarathons musste der Ärztetag darüber entscheiden, wer die Sitze der sogenannten weiteren Ärztinnen und Ärzte im BÄK-Vorstand einnimmt – die Länderkammerchefs sind qua Amt Mitglied in dem Gremium.

Dr. Susanne Johna aus der Ärztekammer Hessen konnte dabei ihr Mandat klar gegen Dr. Paula Hezler-Rusch von der Bezirksärztekammer Südbaden verteidigen.

Johna erhielt 198 Stimmen, Hezler-Rusch 42. Neu in das Gremium zieht Dr. Peter Bobbert aus Berlin ein. Er setzte sich im zweiten Wahlgang mit 95 Stimmen gegen Dr. Christiane Groß von der Ärztekammer Nordrhein (95) durch.

Ende der Ära Montgomery

Nach den Wahlen verabschiedeten die Delegierten den scheidenden BÄK-Präsidenten Professor Frank-Ulrich Montgomery mit stehenden Ovationen.

Montgomery, der 2011 ins Amt kam, bedankte sich „für acht tolle Jahre, in denen ich die Sitzungen leiten durfte.“ Er wollte aber nicht zu lange im Rampenlicht stehen: „ Ich habe morgen Geburtstag, da machen wir das.“

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 30.05.2019 um 17:11 Uhr.

Lesen Sie dazu auch: Montgomerys Nachfolge geklärt: Reinhardt ist neuer BÄK-Präsident Porträt: Ein BÄK-Präsident, der streitet und verbindet Video-Interviews: 13 Fragen an das neue BÄK-Präsidium Kommentar: Neues Trio, neue Chance Ärztetag: Die BÄK-Wahl in Tweets Bildergalerie zur Wahl: Trubel und Jubel Nach acht Jahren an der BÄK-Spitze: Montgomerys Ägide endet

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