KHK / Herzinfarkt

ASS und Clopidogrel vor geplanten Eingriffen eher nicht absetzen!

Veröffentlicht: 20.03.2008, 05:00 Uhr

BERLIN (skh). Müssen Herzinfarkt-Patienten im ersten Jahr nach Im-plantation eines Koronarstents elektiv operiert werden, sollten ASS und Clopidogrel nicht einfach abgesetzt werden. Das Risiko für einen erneuten Infarkt ist ohne die Kombitherapie höher als das Risiko für schwere Blutungen durch eine verlängerte Gerinnung.

Niedergelassene Kollegen sollten in dieser Situation den Rat des behandelnden Kardiologen suchen und die gerinnungshemmende Therapie im Zweifel weiterlaufen lassen, erinnert Professor Harald Darius, Kardiologe am Klinikum Neukölln in Berlin.

Nach aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie soll die Behandlung mit Clopidogrel und ASS im ersten Jahr nach einer Koronarintervention nicht unterbrochen werden. Elektive Eingriffe sollten deshalb wenn möglich auf später verschoben werden, so Darius zur "Ärzte Zeitung". Bei subakuten Operationen mit hohem Blutungsrisiko, etwa Hüft-Operationen, müsse die Behandlung mit Clopidogrel weitergehen, ASS könne dann jedoch fünf Tage vor dem Eingriff abgesetzt werden. Das gelte auch nach mehr als einem Jahr, wenn die Patienten nur noch ASS und kein Clopidogrel mehr einnehmen. Patienten mit ASS-Unverträglichkeit, die deshalb auch nach dem ersten Jahr weiter Clopidogrel nehmen, sollten die Behandlung auch dann nicht unterbrechen.

Bei Zahneingriffen können die Patienten ASS weiter einnehmen. Blutungen im Zahnbereich lassen sich durch Kompression und Tamponaden gut stillen, so dass das Risiko für einen Reinfarkt durch ein Aussetzen der Kombitherapie nicht eingegangen werden muss.

Ein Umsteigen auf eine Antikoagulation mit niedermolekularen Heparinen (NMH) ist bei Patienten mit Koronarstents obsolet. Die gerinnungshemmende Wirkung von ASS und Clopidogrel direkt am Stent könne durch NMH nicht erreicht werden, so Darius.

Bei kleinen Eingriffen können die Patienten ASS noch am Abend nach der Operation wieder einnehmen. Nach großen, blutungsgefährdenden Operationen, etwa nach rückenmarksnaher Chirurgie, Hirn- und Leberchirurgie, sollte damit drei Tage gewartet werden, sagt Darius.

Eine präoperative Risikoabschätzung durch einen Kardiologen ist in großen Städten mit hoher Kardiologendichte meist möglich. Darius dazu: "Niedergelassene Kollegen können jedoch telefonischen Rat suchen und sollten im Zweifelsfall weder ASS noch Clopidogrel absetzen."

Risiko für Reinfarkt übersteigt Blutungsrisiko.

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