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Tinnitus

Angststörung und Depression als Verstärker

Etwa jeder dritte Jugendliche hat schon Erfahrung mit einem Tinnitus. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang mit psychischen Problemen.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:

SEONGNAM. Wenn jugendliche Patienten den Arzt aufsuchen, weil es in ihren Ohren brummt, pfeift oder rauscht, sollte auch auf psychische Probleme geachtet werden, raten HNO-Ärzte aus Südkorea.

Bei einer Umfrage unter Jugendlichen haben sie nicht nur eine hohe Tinnitus-Prävalenz, sondern auch eine Verbindung mit Ängstlichkeit und depressiven Verstimmungen gefunden.

Die Ärzte um So Young Kim, Universität Seongnam, hatten 1098 Schüler im Alter von 12 bis 17 gebeten, einen Fragebogen zu Tinnitus und potenziell damit assoziierten Faktoren auszufüllen (Laryngoscope 2016, online 24. Oktober). Die Fragebogen von 962 Jugendlichen waren auswertbar. Von ihnen hatten 311 angegeben, manchmal (n = 258) oder immer (n = 53) an Tinnitus zu leiden.

17,5 Prozent hatten täglich Ohrgeräusche

Immerhin 17,5 Prozent der Patienten hatten täglich Ohrgeräusche, 22,8 Prozent wöchentlich und 59,9 Prozent monatlich. Bei 11,5 Prozent bestanden sie seit mehr als einem Jahr. 30,1 Prozent hatten einen bilateralen Tinnitus, 49 Prozent hörten hohe Töne, 33,3 Prozent nahmen ein "maschinenartiges" Geräusch wahr.

Auf einer visuellen Analogskala (VAS, 0–10, höhere Werte entsprechen stärkeren Beschwerden) wurden im Mittel Werte zwischen 3,30 für die Wahrnehmung und 1,96 für den Einfluss auf das tägliche Leben angegeben.

Die Beeinträchtigung durch den Tinnitus, erfasst mit dem Tinnitus Handicap Inventory (THI), war überwiegend gering: Im Mittel wurden 7,87 Punkte erreicht – normal sind 0–16 Punkte; nur 3,5 Prozent bzw. 1,3 Prozent der Tinnitus-Patienten waren mittelschwer (THI 35–56) oder schwer (THI 58–100) beeinträchtigt.

Signifikant häufiger als nicht betroffene Jugendliche berichteten diejenigen mit Tinnitus über eine positive Familienanamnese (adjusierte Odds Ratio, aOR 2,03) sowie über Hörverlust (aOR 10,56) und Schwindel (aOR 2,40). Kopfschmerzen und Schlafstörungen waren ebenfalls signifikant mit den Ohrgeräuschen assoziiert (aOR 1,74 bzw. 1,52).

Nicht öfter über Stress berichtet

Auch in Fragebögen zu Depression und Ängstlichkeit, dem Children's Depression Inventory (CDI) und dem Trait Anxiety Inventory for Children (TAIC), wurden bei den Tinnitus-Patienten signifikant häufiger Auffälligkeiten (CDI =22 bzw. AIC = 39) festgestellt. Über Stress berichteten sie nicht öfter als Jugendliche ohne Tinnitus.

Auch in der deutschen Tinnitusleitlinie werden Angststörungen, Depressionen und Schlafstörungen als mögliche Komorbiditäten genannt. "Depressionen und andere psychische Störungen stellen einen Risikofaktor für die Tinnitusentstehung dar und können einen Tinnitus verstärken", heißt es dort.

Die Leitlinienautoren empfehlen deswegen, Depressionen und Angststörungen anamnestisch zu erfassen und zu behandeln.

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