Direkt zum Inhaltsbereich

Gefährliche Eltern

Antibiotika bei Husten ist sinnlos

Dass Antibiotika bei einfachem Erkältungshusten allgemein weit über das Ziel hinausschießen, ist bekannt. Doch noch immer wird ordentlich verordnet. Offenbar liegt es an den Eltern.

Veröffentlicht:
Lieber Hustensaft.

Lieber Hustensaft.

© greenland / shutterstock.com

ATLANTA. Bei einem einfachen Erkältungshusten sind Antibiotika allgemein ungeeignet. Häufig werden sie nur zur Beruhigung der Eltern verschrieben, erläuterte Francesco De Blasio von der Universität Bologna seine Daten, die auf dem jährlichen Treffen der amerikanischen Pneumologen CHEST 2012 vorgestellt wurden.

Viele Eltern von hustenden Kindern sind erst beruhigt, wenn sie ein Rezept für ein Antibiotikum in Händen halten. Doch für den Nutzen bei einem einfachen Infekt fehlt bislang jeglicher Nachweis, ganz zu schweigen von möglichen Nebenwirkungen.

Um die aktuelle Verschreibungspraxis der Ärzte zu untersuchen, beobachteten Francesco De Blasio und Kollegen 305 italienische Kinder, die wegen einer Erkältung mit akutem Husten einen Pädiater aufsuchten (CHEST 2012; Pediatric Pulmonolgy Posters beim Annual Meeting of the American College of Chest Physicians 20.-25. Oktober 2012 in Atlanta, Georgia).

42% der Kinder erhielten ein Antibiotikum: 89 als einziges Medikament, 38 zusammen mit einem Antitussivum (16 ein zentral und 22 ein peripher wirksames). 44 Kinder erhielten ausschließlich ein zentral wirksames Hustenmittel und 79 nur ein peripher wirkendes. 55 Kinder wurden ganz ohne Medikation wieder nach Hause geschickt.

Die Antibiotikatherapie zeigte keinen Erfolg. Ob die Kinder nur antitussiv behandelt wurden oder in Kombination mit einem Antibiotikum, änderte nichts an der Dauer der Symptome.

Im Gegenteil: Kinder, die nur ein Antitussivum einnahmen, hatten ihren Husten sogar schneller wieder los als diejenigen, die nur antibiotisch therapiert wurden. Gleichzeitig zeigte sich ein signifikanter Vorteil in der Wirksamkeit für Levodropropizin gegenüber zentral wirksamen Präparaten z. B. mit Codein (47% vs. 28%).

Periphere Antitussiva wie Levodropropizin scheinen den Husten am besten zu stillen, resümierte de Blasio. Seine Ergebnisse bestätigen die Empfehlungen in den evidenzbasierten Leitlinien zum Husten des American College of Chest Physicians.

Zwar können Antibiotika hilfreich sein, wenn dem Husten eine bakterielle Infektion zugrunde liegt. Aber De Blasio warnte vor Übertherapie, da durch den wahllosen Einsatz dieser Medikamente mehr Schaden als Nutzen entstehe, vor allem im Hinblick auf Allergien und die Resistenzlage. (St)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Metaanalyse

Atemwegsviren auch bei nichtakutem Asthma häufig nachweisbar

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Konzepte gegen Ärzte- und Nachfolgermangel

Mit dem Blockpraktikum Lust auf den Landarztberuf machen

Lesetipps
Die Sonne verschwindet hinter einer Mohnblüte in den dunklen Wolken

© Thomas Warnack/dpa

Aktuelle Daten

RKI: Fast 10.000 hitzebedingte Tote in diesem Jahr