Influenza und RSV

Atemwegserkrankungen belasten Krankenhäuser schwer

Krankenhäuser im Norden und im Süden Deutschlands melden extreme Belastungen durch die aktuelle Welle an Atemwegserkrankungen. Teilweise werden planbare Eingriffe schon wieder verschoben.

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Patienten mit Atemwegserkrankungen halten aktuell viele Krankenhäuser in Dauerstress, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Notfallzentrum Bogenhausen. Corona spielt dabei mittlerweile gar nicht mehr eine so große Rolle, insbesondere in Kinderkliniken nicht.

Patienten mit Atemwegserkrankungen halten aktuell viele Krankenhäuser in Dauerstress, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Notfallzentrum Bogenhausen. Corona spielt dabei mittlerweile gar nicht mehr eine so große Rolle, insbesondere in Kinderkliniken nicht.

© Stephan Rumpf / SZ Photo / picture alliance

Itzehoe/Kiel/München. Eine Welle von Atemwegserkrankungen belastet die Krankenhäuser in mehreren Bundesländern. In Schleswig-Holstein hat am Wochenende das Klinikum Itzehoe gemeldet, dass es den Regelbetrieb zunächst bis zum 19. Dezember einschränke. Planbare Eingriffe wurden abgesagt. „Wir können nur noch Notfälle und Patienten mit unaufschiebbarem Behandlungsbedarf wie zum Beispiel Krebstherapien aufnehmen“, teilte der Ärztliche Direktor Michael Kappus mit. Die „Hamburger Morgenpost“ berichtete am Sonnabend darüber.

Die große Zahl der Atemwegserkrankungen treffe das Klinikum doppelt: Sie führe zu einem hohen Ausfall bei Mitarbeitern und gleichzeitig stark steigenden Patientenzahlen. „Eine so extreme Situation wie im Moment ist noch nie da gewesen“, sagte Kappus.

„Extreme Situation wie noch nie“

Das Städtische Krankenhaus Kiel hatte wegen der Häufung verschiedener Atemwegserkrankungen bereits am Donnerstag eine Einschränkung des Regelbetriebs bis einschließlich Montag angekündigt. Zahlreiche Krankenhäuser in Hamburg und Schleswig-Holstein haben ihre Besuchsregelungen an die Welle von Infektionen angepasst.

In Bayern melden vor allem die Kinderkliniken weiter Landunter. „Die Wartezeiten sind weiterhin lang und wir müssen auch immer noch kranke Kinder in näher und weiter entfernt gelegene Kinderkliniken verlegen“, sagte Johannes Hübner, Leiter der Pädiatrischen Infektiologie des Dr. von Haunersches Kinderspital am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität. „Unsere Klinik ist im Moment voll, wir müssen Kinder entlassen oder verlegen, um neue aufzunehmen. Gleichwohl wird bisher kein Kind, das eine stationäre Betreuung benötigt, weggeschickt.“

Angespannte Lage in Bayern vor allem durch RSV

Matthias Keller, Leiter der Kinderklinik Dritter Orden in Passau und Vorsitzender der süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, sagte der dpa: „Die Teams leisten hervorragende Arbeit, jeder Patient wird versorgt.“ Gleichwohl sei die Situation sehr angespannt. Er erkenne noch kein Abflauen der Infektwelle.

Grund für die überfüllten Kliniken sind schwere Atemwegserkrankungen. Die betroffenen Kinder haben sich häufig mit dem RS-Virus angesteckt, der vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden kann, die dann in der Klinik beispielsweise eine Sauerstoffzufuhr oder Flüssigkeit per Infusion brauchen. Auch Influenza und Lungenentzündung sind häufig.

Die jetzige Lage zeige „wie im Brennglas“ auf, welche Defizite es seit Jahren gebe, betonte Keller. Gerade in Ballungsräumen drohten immer häufiger Bettensperrungen, weil es keine Pflegekräfte gebe, die die Betten betreuen könnten.

80 bis 90 Kinder pro Tag im Uniklinikum in Augsburg

In die Notaufnahme des Uniklinikums Augsburg kämen jeden Tag 80 bis 90 Kinder, erläuterte eine Sprecherin. 30 Prozent davon würden stationär aufgenommen: „Insgesamt haben wir inklusive Kinderchirurgie 148 belegbare Betten. Die sind aktuell alle belegt.“ Eine Kinderklinik gelte bei 80 Prozent Belegung aus voll ausgelastet. In Augsburg habe man in den vergangenen Wochen auch zeitweise 120 Prozent erreicht.

Auf der Kinderintensivstation gebe es 16 Betten, 4 davon seien aber so gut wie durchgehend gesperrt, weil Personal fehle. „In den nächsten Monaten drohen weitere Bettensperrungen aufgrund von Personalengpässen“, warnte die Sprecherin.

Auch Würzburg voll belegt

Die Klinik sei voll belegt, sagte ein Sprecher des Uniklinikums Würzburg. Jedoch: „Die Notfallversorgung ist weiterhin sichergestellt durch extra vorgehaltene Notfallbetten.“ Geplante Aufnahmen würden jedoch, wenn es medizinisch vertretbar sei, aktuell noch verschoben. Er wies darauf hin, dass auch immer noch Kinder mit positivem Corona-Test versorgt werden: „Auch dies ist nach wie vor Alltag in unserer Kinderklinik.“

Aus dem Klinikum Bayreuth heißt es, man habe aktuell nur noch Notfallbetten zur Verfügung. RSV- als auch Influenza-Infektionen bei Kindern treten häufiger, aber auch deutlich früher auf als in den Vorwintern. „Die Notaufnahme unserer Kinderklinik arbeitet unter Hochdruck. Dennoch sind Wartezeiten von mehreren Stunden derzeit leider im Bereich des Möglichen“, betonte eine Sprecherin des oberfränkischen Krankenhauses.

Der Passauer Chefarzt Keller sagte, man beobachte in den vergangenen Tagen jedoch auch zunehmend aggressives Verhalten von Eltern in den Notaufnahmen. Hierfür habe er kein Verständnis. Die Teams aus Ärzten und Pflegekräften würden ihr Möglichstes geben, „aggressives Verhalten ist aber inakzeptabel“. (dpa)

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