Direkt zum Inhaltsbereich

Bei Insektengift-Allergie hilft eine spezifische Immuntherapie

LEIPZIG (scho). Bei bis zu fünf Prozent der Bevölkerung kommt es nach einem Bienen- oder Wespenstich zu systemischen Reaktionen wie generalisierten Hautreaktionen und Blutdruckabfall bis hin zu Schock und Herz-Kreislaufstillstand. Erneuten Reaktionen dieser Art kann durch eine spezifische Immuntherapie wirksam vorgebeugt werden.

Veröffentlicht:

Nach Angaben des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) werden bisher nur zehn Prozent der Insektengiftallergiker mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) behandelt. Bei Patienten mit systemischen Reaktionen und nachgewiesener IgE-vermittelter Sensibilisierung stellt sie jedoch die einzige kausale Therapie dar.

Hierbei wird in einer mehrtägigen stationären Einleitungsphase ein Insektengiftextrakt in steigender Dosierung bis zur Maximaldosis subkutan injiziert. Danach wird die Therapie über drei bis fünf Jahre ambulant fortgesetzt - mit einer Erhaltungsdosis von 100 µg des Insektengiftextraktes alle vier Wochen. Unerwünschte Wirkungen sind hierbei selten.

Der große Nutzen einer solchen Therapie ist in einer Studie bestätigt worden, sagte die Internistin Anne Moeser auf einem Symposium des Unternehmens Bencard in Leipzig. Untersucht wurde die Wirksamkeit einer SIT bei knapp 200 Patienten, die sich zwischen 1980 und 2000 einer Hyposensibilisierung gegen Bienen- oder Wespengift unterzogen hatten.

Von diesen Patienten wurden knapp 130 nach der Therapie erneut von einem Insekt gestochen. Lediglich zwölf Prozent reagierten mit einer systemischen Reaktion auf den Stich. Die Ergebnisse werden durch Literaturangaben bestätigt, wonach das Rezidivrisiko bei hyposensibilisierten Betroffenen nach fünf bis sieben Jahren 7,5 bis 19 Prozent beträgt.

Besonders gefährdet für erneute allergische Reaktionen seien Patienten, die die Hyposensibilisierung vorzeitig abbrechen, so Moeser von der Klinik für Innere Medizin der Universitätsklinik Jena. In diese Gruppe gehörten 40 Prozent der in der Studie behandelten Patienten, die ein Rezidiv erlitten.

Weitere Risikofaktoren für erneute systemische Reaktionen nach Insektenstichen seien eine länger zurückliegende SIT sowie eine erhöhte basale Tryptase-Serum-Konzentration. Tryptase ist eine weitgehend Mastzell-spezifische Serinendoprotease, die bei anaphylaktischen Reaktionen freigesetzt wird.

Da bei Insektengiftallergikern auch nach einer SIT mit systemischen Reaktionen nach einem Stich gerechnet werden müsse, sei es wichtig, auch diesen Patienten Notfallmedikamente zu verschreiben, so Moeser. Hierzu zählen ein rasch wirksames Antihistaminikum, ein orales Glukokortikoid und Adrenalin zur Inhalation.



STICHWORT

Die SCIT

Die subkutane spezifische Immuntherapie (SCIT) ist die einzig kausale Therapieform IgE-vermittelter allergischer Erkrankungen. Durch zahlreiche immunologische Veränderungen entsteht über die Therapiedauer hinaus eine Toleranz gegenüber den verabreichten Allergenen. Dabei werden nicht modifizierte Allergene als wässrig oder physikalisch gekoppelte Semidepot-Extrakte sowie chemisch modifizierte Allergoide als Semidepot-Extrakte benutzt. Die SCIT ist besonders bei systemischen Reaktionen auf Insektengifte gut wirksam, aber auch bei Pollen-, Hausstaubmilben- und Schimmelpilzallergie.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© FOMF

Forum für medizinische Fortbildung

Eviplex: KI-gestützte Recherche speziell für den medizinischen Alltag

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Juristische Einordnung

Rassistische Diskriminierung im Praxisteam: So verhält man sich als Ärztin oder Arzt rechtskonform

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruckschwankungen: Worauf es dann ankommt

Lesetipps
Ein Kind erhält eine Spritze und schaut ängstlich weg.

© yanadjan / stock.adobe.com

Vom Schmerzgel bis zum Wiegenlied

Zehn Strategien gegen Impfstress

Die Rückseite eines jungen Mannes mit großflächigen Tätowierungen.

© PeopleImages / Getty Images / iS

Kasuistik

Lebensgefahr! Tattoo mit schockierenden Folgen

Nahaufnahme des rechten Handegelenks eines Patienten das mit einer Handgelenksschiene ruhig gestellt ist.

© Ondrej Novotny / stock.adobe.com

Therapie der ersten Wahl

Was bringt eine Handgelenksschiene beim Karpaltunnelsyndrom?