Bei Rheuma ist auch das Herz in Gefahr

Für das Herz ist eine Rheumatoide Arthritis (RA) ebenso schlecht wie ein Diabetes mellitus: Das kardiovaskuläre Risiko ist bei beiden Erkrankungen etwa verdoppelt - im Vergleich zur Normalbevölkerung. Bei Patienten mit RA sollten andere Risikofaktoren für Herz und Gefäße daher eliminiert werden.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:

WIESBADEN. Die Therapie von RA-Patienten wird immer besser, berichtete Professor Klaus Krüger beim Rheuma Update. So habe etwa eine schwedische Studie Daten zweier Kohorten mit RA-Patienten - eine startete 1978, eine 1995 - ausgewertet und mit den Daten der Normalbevölkerung verglichen. Die 95er-Kohorte war intensiver behandelt und wies eine geringere Krankheitsaktivität und Funktionseinschränkung auf, sagte der Rheumatologe vom Praxiszentrum St. Bonifatius in München.

Der chronische Entzündungsprozess bei Rheumatoider Arthritis erhöht das kardiovaskuläre Risiko der Patienten. © Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Der chronische Entzündungsprozess bei Rheumatoider Arthritis erhöht das kardiovaskuläre Risiko der Patienten. © Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

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Krüger schob jedoch ein Aber hinterher: Zwar war die Gesamtmortalität der RA-Patienten im Vergleich zur Normalbevölkerung in der 95erKohorte nicht mehr erhöht, was in der 78er-Kohorte noch anders gewesen sei. "Aber die kardiovaskuläre Sterberate war in beiden Kohorten gleich." Eine Metaanalyse der Daten von fast 100 000 RA-Patienten sei zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Von 1960 bis 2008 - in fast fünf Jahrzehnten - habe sich die kardiovaskulär bedingte Mortalität bei RA-Patienten kaum verändert.

"Das kardiovaskuläre Risiko ist bei RA schon zu Beginn der Erkrankung erhöht", warnte Krüger bei der von Abbott Immunology unterstützten Fortbildungsveranstaltung. Denn pathologische arterielle Befunde seien bei RA-Patienten bereits sehr früh nachweisbar. "Bei Patienten mit RA müssen andere kardiovaskuläre Risikofaktoren unbedingt eliminiert werden", forderte Krüger und verwies auf die Empfehlungen der europäischen Rheumaliga EULAR.

Demnach soll die Krankheitsaktivität der RA zur Risikoverringerung bestmöglich gesenkt werden und ein jährliches Assessment der traditionellen Risikofaktoren erfolgen. Zur Therapie gegen diese Risikofaktoren rät die EULAR wegen möglicher zusätzlicher antientzündlicher Effekte, vorzugsweise Statine, ACE-Hemmer und Sartane anzuwenden. Glukokortikoide sollten möglichst niedrig dosiert werden, die Verordnung von NSAR solle mit Vorsicht erfolgen, vor allem bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren. Auf die Frage, ob RA-Patienten nicht prophylaktisch ASS gegeben werden solle, antwortete Krüger: "Dazu gibt es bisher keine Daten." Außerdem sei die ASS-Komedikation wegen der oft genommenen NSAR und dem dann deutlich steigenden gastrointestinalen Risiko schwierig.

Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, potenzieren sich die einzelnen Faktoren, erinnerte Krüger an die Daten der INTERHEART-Studie: Raucher mit Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck hatten demnach ein etwa 10-fach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, kamen noch schlechte Blutfettwerte hinzu, war das Risiko 40-fach, mit zusätzlicher Adipositas über 60-fach höher als in der Kontrollgruppe ohne Risikofaktoren. Bei der Berechnung der üblichen Herzrisiko-Scores sollten die Werte bei RA-Patienten mit 1,5 multipliziert werden, so Krüger zur EULAR-Empfehlung. Das gelte zumindest für RA-Patienten mit zeiner Krankheitsdauer von zehn oder mehr Jahren und wenn Rheumafaktoren und Antikörper gegen zyklische citrullinierte Peptide (CCP) nachweisbar sind. Lesen Sie auch: Bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis sind auch das Herz und das Hirn gefährdet Rheuma - da gibt's viele Komorbiditäten

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