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Besonders jungen Adipösen hilft Chirurgie

Zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben morbide Adipositas mit einem BMI über 40. Lebensqualität und Lebenserwartung dieser Menschen sind deutlich reduziert. Therapiemöglichkeiten wie Adipositas-Chirurgie werden beim Internistenkongress erörtert.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:

WIESBADEN. Selbst mit intensiven Lebensstiländerungen können extrem adipöse Menschen nur wenig abspecken. Durch einen chirurgischen Eingriff etwa mit Magenbypass oder Magenband verlieren Betroffene deutlich mehr Gewicht, und auch Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes werden eher positiv beeinflusst.

Besonders junge Menschen mit extremem Übergewicht können von der sogenannten bariatrischen Chirurgie profitieren. Folgekrankheiten sind in diesem Alter noch selten und können so häufig vermieden werden. Bei Jugendlichen sind die Eingriffe allerdings noch umstritten. Was etwa mit einem Magenband im Vergleich zu einem intensiven konventionellen Abspeckprogramm bei schwer adipösen Jugendlichen erreicht werden kann, haben kürzlich australische Forscher demonstriert (wir berichteten).

An der zweijährigen Studie nahmen 50 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren mit einem mittleren BMI über 40 teil (JAMA 303, 2010, 519). Je die Hälfte wurde nach dem Zufallsprinzip entweder einem intensiven Ernährungs- und Bewegungsprogramm zugeführt oder operativ mit einem Magenband versorgt.

Teilnehmer der Lebensstilgruppe erhielten einen individuellen Diätplan von 800 bis 2000 kcal/Tag sowie ein täglich mindestens 30-minütiges Bewegungsprogramm (Ziel: mehr als 10 000 Schritte). Jedes Mitglied dieser Gruppe wurde zudem sechs Wochen von einem persönlichen Trainer geschult. 24 Jugendliche in der Magenband-Gruppe und 18 in der Vergleichsgruppe beendeten die Studie.

Minimalinvasive Magenband-Operation: Adipositas-Zentren sollten jährlich mindestens 125 der schwierigen Eingriffe machen. © Carsten Kattau / fotolia.com

Minimalinvasive Magenband-Operation: Adipositas-Zentren sollten jährlich mindestens 125 der schwierigen Eingriffe machen. © Carsten Kattau / fotolia.com

© Carsten Kattau / fotolia.com

Ergebnis: Die Teilnehmer der Magenband-Gruppe nahmen binnen zwei Jahren im Mittel 34,6 kg und damit 12,7 BMI-Einheiten ab im Vergleich zu einer Reduktion von 3,0 kg und 1,3 BMI-Einheiten in der Lebensstilgruppe. Zu Studienbeginn hatten 19 Studienteilnehmer ein metabolisches Syndrom (Magenband-Gruppe: 9, Vergleichsgruppe: 10) mit Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und gestörter Glukosetoleranz. Nach der zweijährigen Studie hatten keiner der Magenbandgruppe, aber weiterhin vier Teilnehmer der Vergleichsgruppe ein metabolisches Syndrom. Wegen Komplikationen in der Magenband-Gruppe waren allerdings acht Revisions-Operationen erforderlich.

Trotz geringer Gewichtsreduktion sind Lebensstiländerungen bei adipösen Jugendlichen wichtig zur Verringerung von Risikofaktoren für Herzkreislauf-Krankheiten und Diabetes, heißt es in einem Kommentar (JAMA 303, 2010, 559) zur Studie. Das Magenband sollte als Option für Jugendliche weiter untersucht werden.

In Deutschland gibt es für die schwierigen Eingriffe bisher nur wenige spezialisierte Zentren. Nach internationalen Richtlinien sollten solche Adipositas-Zentren mindestens 125 Eingriffe im Jahr machen. Wichtig für die Patienten ist auch eine lebenslange Nachsorge mit einer angepassten Ernährung und eventuell einer Nährstoff-Substitution.

Adipositas-Chirurgie

Das Magenband wird laparoskopisch um den oberen Teil des Magens gelegt. Nur geringe Mengen breiiger Speisen werden durchgelassen. Patienten mit Magenband müssen gut kauen, sind schnell satt und können bei guter Mitarbeit mehr als 50 Prozent ihres Übergewichts in einem Jahr abnehmen. Hochkalorische Speisen wirken jedoch einer Abnahme entgegen.

Beim Magenbypass werden ein Großteil des Magens und das Duodenum stillgelegt. Der Magenrest wird mit dem Jejunum verbunden. Typischerweise reduzieren Patienten dabei ihren BMI um etwa 18 Punkte.

Bei beiden Verfahren ist im Anschluss an die Op eine Ernährungstherapie nötig. (eb)

Veranstaltung: Adipositas - ein schwergewichtiges Problem; Sonntag, 11. April (Saal 2B) 10:15-11:45 Vorsitzende: B. Schultes (Rorschach, CH), A. Wirth (Bad Rothenfelde) Vorträge: H. Blüher (Leipzig): Adipositas und Folgekrankheiten, H. Hauner (München): Konservative Therapie O. Mann (Hamburg): Bariatrische Therapie R. Weiner (Frankfurt/Main): Perioperative Probleme des fettleibigen Patienten.

Mehr auf www.dgim2010.de

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