CML: Zielgerichtete Therapie ist auch über elf Jahre wirksam

Die zielgerichtete Therapie bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) ist auch über die Dauer von elf Jahren wirksam und nebenwirkungsarm. Zu diesem Ergebnis kommt ein Autorenteam um den Jenaer Hämatologen Professor Andreas Hochhaus bei einer neuen Auswertung der IRIS-Studie.

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Die Studie IRIS begründete die zielgerichtete Therapie bei CML und die begleitende molekulare Verlaufskontrolle. An IRIS (International Randomized Interferon versus STI571 Study) haben 1106 neu diagnostizierte Patienten mit Philadelphia-Chromosom-(Ph)-positiver CML teilgenommen. Das Ph-Chromosom entsteht durch wechselseitigen Austausch von DNA-Abschnitten zwischen zwei Chromosomen, wodurch ein neues Gen entsteht. Das führt zu einer übermäßig aktiven Tyrosinkinase und unkontrollierter Zellproliferation. Der Enzymhemmer Imatinib hemmt diese Kinase und dadurch die unkontrollierte Zellvermehrung.

Veröffentlichung im NEJM

"Heute leben 83 Prozent der CMLPatienten auch zehn Jahre nach der Diagnose, das ist nahe an den Überlebensraten der Normalbevölkerung", nennt Professor Andreas Hochhaus, Direktor der Klinik für Innere Medizin II des Uniklinikums Jena (UKJ), ein zentrales Ergebnis einer Langzeitauswertung der IRIS-Studie, die jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde (NEJM 2017, 376:917-927).

Die Studie war im Jahr 2000 gestartet worden, um die Wirksamkeit des Tyrosinkinase-Hemmers Imatinib mit der damaligen Standardtherapie, der Gabe des Immunstimulators Interferon alpha, zu vergleichen. Das therapeutische Ansprechen und die Verträglichkeit von Imatinib waren so gut, dass die Mehrheit der Patienten der Interferon-Gruppe zu dieser Therapie wechselte und Imatinib der Standardwirkstoff zur Behandlung der CML wurde, erinnert das UKJ in einer Mitteilung zur Veröffentlichung der Studie. Die Nachverfolgung der Studienteilnehmer liefert nun Daten zur Langzeittherapie. "Der Wirkstoff ist auch in der Langzeitanwendung effektiv, so dass Patienten zehn Jahre und länger ohne CML-Symptome leben. Die IRIS-Studie hat auch gezeigt, dass sich in dieser Zeit keine kritischen Nebenwirkungen aufsummieren oder verstärken", wird Hochhaus zitiert.

Nicht zuletzt durch die Erfahrungen aus der IRIS-Studie sei die CML mit ihrer charakteristischen Mutation zur Modellerkrankung für Diagnostik und Therapie vieler Krebserkrankungen mit komplexeren genetischen Auslösern geworden, erinnert das UKJ. Erkenntnisse zur individuellen Tumorbiologie würden genutzt, um gezielt in die molekularen Tumormechanismen einzugreifen und so zu neuen Therapieansätzen zu führen.

Die Wirksamkeit einer CML-Therapie zeigt sich an der Remission, dem Rückgang des Anteils der noch vorhandenen genetisch veränderten Leukozyten. Zu ihrer Bestimmung wurde für die IRIS-Studie eine quantitative molekulargenetische Analysemethode entwickelt, die inzwischen standardmäßig zur Verlaufskontrolle bei CML eingesetzt wird. Sinkt der Anteil der Leukozyten mit der charakteristischen Mutation unter einen Schwellenwert, so gilt die Krankheit als komplett zurückgedrängt.

Folgen auch für die Therapiekosten

"Neuere Therapiestudien haben gezeigt, dass Patienten in tiefer Remission die Therapie sicher absetzen können. Das hat wichtige Folgen für die Lebensqualität und auch für die Therapiekosten", betont Hochhaus, der in Jena die Deutsche CML-Allianz als Netzwerk aus universitären Zentren, niedergelassenen Hämatologen und Patientenvertretern koordiniert.

"Dank der in der IRIS-Studie belegten erfolgreichen zielgerichteten Therapie der CML können wir uns jetzt Fragen widmen, die über die Überlebenssicherung hinausgehen. Das betrifft zum Beispiel bessere Abläufe in der CML-Behandlung und die sozialen und psychologischen Aspekte des Langzeitüberlebens mit der Erkrankung." (eb)

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