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Depressive Symptome haben kulturelle Variationen

BERLIN (gvg). Eine psychische Erkrankung zu erkennen, ist schon bei Einheimischen oft nicht einfach. Noch schwerer kann das wegen Sprachproblemen und anderer Symptomwahrnehmung bei Patienten mit Migrationshintergrund sein.

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Patienten mit Migrationshintergrund sind in den deutschen Kliniken für Psychiatrie nicht mehr unterrepräsentiert. Das hat Dr. Meryam Schouler-Ocak von der Charité berichtet. Daten aus dem Mikrozensus 2005 des Statistischen Bundesamts zufolge sind in Deutschland knapp 19 Prozent der Bevölkerung ausländische Staatsangehörige oder deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund.

Diese Quote wird auch in psychiatrischen Kliniken erreicht. Bei einer von Berlin aus koordinierten Erhebung in 350 psychiatrischen Kliniken in Deutschland hatten 17,4 Prozent der Patienten einen Migrationshintergrund, so Schouler-Ocak bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lundbeck in Berlin.

Einfach haben es diese Patienten nicht. So existieren Sprachprobleme, die in der Psychiatrie ungleich schwerer wiegen als etwa in der Chirurgie. Sieben Prozent mit Migrationshintergrund gaben in der Studie an, im psychiatrischen Arztgespräch Sprachprobleme zu haben. Mit 39 Prozent deutlich höher lag die Quote derer, die über kulturelle Verständigungsschwierigkeiten berichteten.

Vor allem über diese kulturellen Barrieren sollten sich Ärzte im Gespräch etwa mit depressiven Patienten aus anderen Kulturkreisen bewusst sein, so Schouler-Ocak. So könnten sich Erklärungsmodelle und Behandlungserwartungen, aber auch Symptome deutlich vom Gewohnten unterscheiden. Schouler-Ocak nannte als Beispiel türkische Frauen mit Depression, die nicht selten über pseudohalluzinatorische Symptome berichten. Wer hier stur den auf den westlichen Kulturkreis zugeschnittenen Krankheitsklassifikationen folge, lande da leicht in der falschen Schublade, etwa bei Schizophrenie.

"Schwere Depressionen sehen in den Kulturkreisen tendenziell gleich aus. Aber bei leichten und mittelschweren Verläufen gibt es deutliche Unterschiede", so die Expertin. So habe eine Vergleichsuntersuchung zwischen Deutschland und Indonesien gezeigt, dass deutsche Patienten mit Depression eher agitiert sind, eher Verarmungsideen haben, zu Selbstbeschuldigungen neigen und mehr Suizidgedanken haben.

Eine ähnliche Studie der WHO fand heraus, dass somatische Symptome in orientalischen Kulturkreisen häufiger sind, in Mitteleuropa und Nordamerika dagegen sehr viel mehr Schuldgefühle vorkommen. Ignorieren dürfen Ärzte solche Unterschiede nicht. Sie sollten sich aber auch vor Verallgemeinerungen hüten: "Den muslimischen Patienten gibt es genauso wenig wie den christlichen oder den jüdischen."

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