Radionuklidtherapie

Erfolg mit Tandemtherapie bei Prostatakrebs

Mit einer neuartigen Radionuklidtherapie konnte in einer Pilotstudie das Überleben von Patienten mit metastasiertem Prostata-Ca verlängert werden.

Veröffentlicht: 01.12.2019, 15:49 Uhr

Saarbrücken. Forscher haben in einer klinischen Studie die Wirksamkeit einer neuen Radionuklidtherapie nachgewiesen, die fortgeschrittenen Prostatatumore und ihre Metastasen erfolgreich eindämmen kann – und zwar ohne gravierende Nebenwirkungen. Sie kombinierten dafür zwei radioaktive Substanzen, die unterschiedlich weit strahlen können, meldet die Uni des Saarlandes.

Die Radionuklidtherapie sei ursprünglich in Heidelberg entwickelt worden und wurde nun von saarländischen Medizinern um Professor Samer Ezziddin weiterentwickelt. Zum einen kam Lutetium-177 zum Einsatz, das einen Wirkradius von 0,5 bis 10 Millimetern hat. Es wirkt sehr zielgenau, da es an Bindungsstellen andockt, die nahezu ausschließlich auf der Oberfläche der Prostatatumore vorhanden sind, gesunde Körperzellen werden also nicht zerstört.

Sogar einzelne Tumorzellen können bestrahlt werden

Der Wirkungsradius von Lutetium-177 kann allerdings für kleinste Metastasen schon zu groß sein. Daher verwendeten die Forscher als weiteres radioaktives Nuklid Actinium-225. „Dieser Strahler zeigt sehr gute Ergebnisse, seine Reichweite liegt weit im Sub-Millimeter-Bereich“, so Ezziddin in der Mitteilung der Uni.

Das bedeutet, dass auch winzigste Tumore, im Prinzip sogar einzelne Tumorzellen, von innen bestrahlt werden können, nachdem sie über den Rezeptor in die Krebszelle eingeschleust wurden. „Umliegendes Gewebe wird dadurch nicht zerstört, da die Reichweite des Actiniums gerade einmal drei, vier Zelldurchmesser beträgt“, so der Nuklearmediziner. Bisherige Radionuklid-Therapien, die auf Actinium-225 basieren, haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Die Speicheldrüsen nehmen es auf, was zu extremer Mundtrockenheit führen kann.

Pilotstudie mit 20 Patienten

In der nun erschienenen Pilotstudie konnten die Forscher zeigen, dass diese Nebenwirkungen nicht mehr auftreten, wenn man Lutetium und Actinium miteinander auf bestimmte Weise kombiniert, heißt es weiter in der Mitteilung. „Lutetium ist für die meisten Tumorgrößen sehr gut verträglich“, erklärt Ezziddin. „Daher konnten wir die Dosierung von Actinium in unserem Ansatz deutlich reduzieren, so dass die Therapie sehr nebenwirkungsarm ablaufen kann.“

Die Forscher analysierten die Erfahrungen an 20 Patienten im Alter von 57 bis 88 Jahren mit metastasierendem Prostatakrebs in fortgeschrittenem Stadium, deren Tumore nicht mehr auf eine Therapie alleine mit Lutetium-177 ansprachen (Eur J Nucl Med Mol I 2019; online 22. November). Bei 14 von 20 Patienten konnte während der Therapie mit dem Tandem-Präparat ein starker Rückgang des prostataspezifischen Antigens beobachtet werden. Während das Tumorwachstum nach Beginn der Tandemtherapie im Median für etwa viereinhalb Monate stabilisiert werden konnte, bevor die Erkrankung wieder voranschritt, lag die Überlebensdauer nach Beginn der Tandemtherapie im Median bei elf Monaten – ohne gravierende Einschränkungen der Lebensqualität. (eb)

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