Gute Langzeitdaten zur Sicherheit von inhaliertem Insulin

BONN (KHS). Nach eigenen Worten "beruhigende Daten" zur inhalativen Insulin-Therapie bei Diabetes-Kranken berichtete Professor Claus Vogelmeier der Herbsttagung der Deutschen Diabetologischen Gesellschaft in Bonn.

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In mittlerweile fünf Phase-III-Studien ist nach den Angaben des Wissenschaftlers am Universitätsklinikum Marburg untersucht worden, ob die Inhalation von Insulin zu Veränderungen an Atemwegen oder Lungenparenchym führt.

Nach den vorliegenden Daten, so Vogelmeier, hätten sich aber keine wesentlichen Unterschiede in den Lungenfunktionswerten von Patienten ergeben, die Insulin spritzten oder inhalierten. Bei einer Gruppe von etwa hundert Patienten würden bereits seit vier Jahren Daten erhoben. Der Verlust an Lungenfunktion sei bei den Patienten, die Insulin inhalierten, wie bei den Patienten der Kontrollgruppe ähnlich.

Trotzdem muß man nach Ansicht des Pneumologen zum Beispiel fragen, ob es eine Wechselwirkung von Insulin und den Alveolar-Makrophagen gebe oder ob es zum Einstrom von Entzündungszellen aus der Blutbahn komme. Die Ergebnisse von toxikologischen Untersuchungen an Versuchstieren seien hierzu "sehr gut".

Hinweise auf die Förderung einer Lungenfibrose - bei deren Pathogenese wahrscheinlich der insulinähnliche Wachstumsfaktor IGF-1 eine Bedeutung hat - wurden bei Untersuchungen mit hochauflösender CT ebenfalls nicht gefunden.

Gasaustauschfähigkeit bleibt erhalten

Die Bestimmung der Diffusionskapazität, also der Gasaustauschfähigkeit der Lunge, die bei Patienten mit Lungenfibrose deutlich eingeschränkt ist, habe in zwei Studien keinen und in drei Studien einen geringen Unterschied mit zum Teil, so Vogelmeier, "nicht so dramatischer" Signifikanz ergeben. Eine Evidenz für eine Schädlichkeit der inhalativen Applikationsform habe sich, "nach allem, was wir wissen", nicht gezeigt.

Sofern Veränderungen der Lungenfunktion festgestellt worden waren, seien diese immer nach Wechsel auf injiziertes Insulin reversibel gewesen. Vogelmeier sprach sich trotzdem dafür aus, daß vor Beginn einer inhalativen Insulin-Therapie die Lungenfunktion der Patienten überprüft werde, und auch die weitere Therapie solle an der Lungenfunktion orientiert sein.

Nach seinem Ermessen reiche dafür eine Spirometrie aus. Alles in allem sollten die Einsekundenkapazität (FEV1) und die totale Lungenkapazität nicht deutlich eingeschränkt sein, ebenso sollte sich die Diffusionskapazität "etwa im Lot" befinden, und im Röntgenthorax sollten sich keine pathologischen Veränderungen nachweisen lassen.

Keine Kontraindikation sei stabiles Asthma, denn die Atemwege der Patienten wiesen in der Regel eine normale Struktur auf, auch Atemwegsinfekte führten zu keiner Resorptionsveränderung für Insulin. Problematisch ist die Insulin-Inhalation für Vogelmeier bei einer Pneumonie und vor allem bei Rauchern, bei denen die Aufnahmekapazität für Insulin mindestens doppelt so hoch sei wie bei Nichtrauchern. Passivrauchen mache keine Veränderungen in der Insulinresorption, so Vogelmeier auf dem von den Unternehmen Pfizer und Sanofi-Aventis unterstützten Symposium.

Diabetiker haben per se eine schlechtere Lungenfunktion

Durch die Einführung des neuen Applikationskonzeptes in der Insulintherapie habe man gelernt, daß Diabetiker generell eine schlechtere Lungenfunktion haben als Nichtdiabetiker. Nach Angaben von Vogelmeier verlieren Diabetiker schneller an Lungenfunktion als Nicht-Diabetiker und dieser Verlust sei wiederum ein unabhängiger Marker für die Gesamtsterblichkeit.

Jedes Prozent Anstieg des HbA1c-Wertes führe zu einem Verlust an Vitalkapazität der Lunge um vier Prozent. Und ein Abfall der Vitalkapazität um zehn Prozent resultiere in einem Anstieg der Gesamtsterblichkeit um zwölf Prozent. Die Ursache der verringerten Lungenfunktion bei Diabetes sei noch unklar.

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