Versorgungsforschung

Immer weniger Ärzte sind allergologisch tätig

Nach Einführung der RLV Anfang 2009 hat es deutliche Änderungen im ärztlichen Verhalten ergeben. So erbringen immer weniger Ärzte allergologische Leistungen. Bei den typischen allergologisch tätigen Facharztdisziplinen wie HNO, Dermatologie und Pneumologie lässt sich dieser Einbruch besonders deutlich auf den Zeitpunkt der RLV-Einführung zurückführen.

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ESSEN. In Deutschland fällt es Allergiepatienten scheinbar immer schwerer, noch einen Arzt zu finden, der sie angemessen behandelt.

Darauf deuten Daten einer großen Versorgungsstudie von Wissenschaftlern um den Essener Gesundheitsökonomen und Vorsitzenden des Erweiterten Bewertungsausschusses Professor Jürgen Wasem hin.

Nach den Ergebnissen der Untersuchung liegt dies vor allem daran, dass immer weniger Fachärzte allergologisch tätig sind.

Grundlage der Studie sind KBV-Abrechnungsdaten zu neun Millionen gesetzlich Versicherten aus den Jahren 2007 bis 2010.

Daraus wurden Positionen zu 725.000 Patienten mit allergischer Rhinitis und 260.000 Patienten mit allergischem Asthma analysiert (Allergo Journal 2013; 22: 366-73). Die wichtigsten Ergebnisse:

Anteil der Asthmapatienten ist gestiegen

7,3 Prozent aller Patienten hatten im Jahr 2010 eine allergische Rhinitis. Ihr Anteil ist zwischen 2007 und 2010 konstant geblieben. Dagegen ist der Anteil der Asthmapatienten in den vier Jahren von 2,5 auf 2,7 Prozent gestiegen - eine Zunahme um 8,7 Prozent.

Die Zahl der durchschnittlich kodierten Allergiediagnosen pro Arztpraxis hat innerhalb von vier Jahren bei allergischer Rhinitis um 18 Prozent und bei Asthma um 23 Prozent zugenommen. Die meisten allergologischen Diagnosen wurden von Hausärzten gestellt.

Bei der Zahl der abgerechneten Gebührenordnungspositionen (GOP) pro Arztpraxis ist kein klarer Trend erkennbar, sie schwankte im Untersuchungszeitraum deutlich. Allerdings konzentrieren sich die allergologischen GOP auf immer weniger Praxen.

So ist die Zahl der Arztpraxen, die überhaupt noch entsprechende GOP abrechnen, innerhalb von vier Jahren um fast ein Drittel gesunken - bei allergischer Rhinitis von etwa 20.000 auf knapp 14.000 (minus 31 Prozent) und bei allergischem Asthma von über 8.000 auf knapp 5.900 (minus 27 Prozent).

Am stärksten zogen sich nach diesen Daten Fachärzte für Allgemeinmedizin aus der Allergologie zurück (minus 50 Prozent), gefolgt von Internisten (minus 43 Prozent).

Prozentual starker Rückgang bei den Pneumologen

Von diesem Trend blieben andere Fachärzte zunächst verschont, die Zahl der allergologisch abrechnenden Praxen stieg zwischen 2007 und 2009 sogar leicht an. Hier gab es erst 2010 - nach der Einführung der RLV - einen plötzlichen Rückgang bei den fachärztlichen Praxen, und zwar um knapp 16 Prozent.

Der Rückgang war prozentual am stärksten bei den Pneumologen (minus 20 Prozent bei Rhinitis, minus 21,4 Prozent bei Asthma), gefolgt von den Dermatologen (minus 13,2 Prozent/16,6 Prozent) und den HNO-Ärzten (minus 13,2 Prozent/11,2 Prozent).

In absoluten Zahlen verabschiedeten sich jedoch am häufigsten Dermatologen (minus 363/226 Praxen) und HNO-Ärzte (minus 409/97) aus der Allergologie, gefolgt von Pneumologen (minus 163/177).

In einem ähnlichen Maß ist auch die Zahl der Facharztpraxen gesunken, die eine spezifische Immuntherapie (SIT) abrechnen. Bei den Pädiatern blieben die Zahlen weitgehend konstant.

Allergiepatienten erhalten immer seltener ärztliche Leistungen. So ist die Zahl der Patienten, bei denen entsprechende GOP abgerechnet wurden, innerhalb von vier Jahren sowohl bei allergischer Rhinitis als auch bei Asthma um 13 Prozent gesunken.

Dies machte sich auch bei der Zahl der GOP pro Patient bemerkbar: Sie ist zwischen 2007 und 2008 zunächst gestiegen, dann aber deutlich gefallen.

Anteil der Patienten mit SIT ist konstant geblieben

Mehr als 7 Prozent der Patienten mit allergischer Rhinitis und etwa 5 Prozent der Patienten mit allergischem Asthma erhalten eine SIT. Der Anteil ist im Untersuchungszeitraum auf konstant niedrigem Niveau geblieben.

Das Fazit der Studienautoren um Wasem: Nach Einführung der RLV Anfang 2009 hat es deutliche Änderungen im ärztlichen Verhalten ergeben. So erbringen immer weniger Ärzte allergologische Leistungen.

 Bei den typischen allergologisch tätigen Facharztdisziplinen wie HNO, Dermatologie und Pneumologie lässt sich dieser Einbruch besonders deutlich auf den Zeitpunkt der RLV-Einführung zurückführen.

"Eine leistungsbezogene Vergütung von Ärzten, die allergologische Leistungen nach dem EBM außerhalb der RLV erbringen, könnte ein Lösungskonzept sein, mit dem sich die Qualität der Behandlung von Patienten mit allergischen Erkrankungen verbessern lässt", heißt es in dem Bericht. (mut)

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