Daten aus der SPRINT-Studie

Intensive Blutdrucksenkung schützt, trotz Dämpfers für die Nierenfunktion

Durch intensive Blutdrucksenkung verschlechtert sich zwar bei zunächst Nierengesunden die renale Funktion. Doch die Therapie wirkt sich auf Sterberate und kardiovaskuläre Ereignisse zumindest kurzfristig günstig aus. Dies lässt eine weitere Auswertung der SPRINT-Studie vermuten.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Eine intensive Blutdrucksenkung reduzierte das Risiko für KHK-Ereignisse um 1,8 Prozent.

Eine intensive Blutdrucksenkung reduzierte das Risiko für KHK-Ereignisse um 1,8 Prozent.

© Anna Leopolder / panthermedia.net

SALT LAKE CITY. In der vorzeitig wegen des Vorteils einer intensiven Blutdrucksenkung beendeten SPRINT-Studie (Systolic Blood Pressure Intervention Trial) hatten nierengesunde Studienteilnehmer durch die Senkung des systolischen Blutdrucks auf unter 120 statt unter 140 mmHg ein 3,5-fach erhöhtes Risiko für Anzeichen einer chronischen Nierenerkrankung. Definiert war diese als Verminderung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) um mindestens 30 Prozent auf unter 60 ml/min/1,73 m2.

In der Subgruppenanalyse der SPRINT-Studie überprüften Dr. Srinivasan Beddhu von der University of Utah School of Medicine in Salt Lake City und seine Kollegen den Effekt der intensiven blutdrucksenkenden Therapie auf die Nieren- und kardiovaskuläre Funktion (Ann Intern Med 2017; online 4. September).

Daten von 6700 Teilnehmern

Basis der Untersuchung waren die Daten von fast 6700 Studienteilnehmern mit einer Ausgangs-eGFR von mindestens 60 ml/min/1,73 m2, die intensiv oder standardmäßig antihypertensiv behandelt wurden. Das waren mehr als 70 Prozent aller SPRINT-Teilnehmer. Das mediane Follow-up lag bei 3,3 Jahren.

Die Auswertung der Daten ergab, dass 140 der 3326 Patienten (4,2 Prozent) mit intensiver Blutdrucksenkung und 40 der 3336 Patienten (1,1 Prozent) in der Standardtherapiegruppe eine Einschränkung der Nierenfunktion entwickelt hatten. Das entspricht 1,33 versus 0,37 Ereignisse pro 100 Personenjahre. Im Vergleich zur Standardtherapie hatten die Patienten mit intensiver Blutdrucksenkung ein erhöhtes Risiko für eine eingeschränkte Nierenfunktion (Hazard Ratio [HR]: 3,54; 95%-Konfidenzintervall zwischen 2,50 und 5,02; p < 0,001).

Bei keinem Patienten entwickelte sich nach Angaben der Wissenschaftler eine Nierenerkrankung im Endstadium. Und: 25,7 Prozent der Patienten mit Intensivtherapie und anfänglichen Zeichen einer Nierenfunktionseinschränkung erholten sich im Verlauf der Studie wieder. Nicht zuletzt blieb der Unterschied bei den eGFR-Werten zwischen den beiden Patientengruppen ab 18 Monaten blutdrucksenkender Therapie vergleichsweise stabil.

Vorteil bei KHK-Ereignissen

Der Vorteil der intensiven Blutdrucksenkung spiegelt sich jedoch bei den Parametern KHK-Ereignisse und Gesamtmortalität wider. Denn bei Kombination dieser Parameter wurde während des Follow-up durch die intensive Therapie das absolute Risiko um 2,2 Prozent gesenkt, beim Parameter primäre KHK-Ereignisse um 1,8 Prozent und beim Parameter Gesamtmortalität um 0,9 Prozent. Unklar sei, welche Langzeitkonsequenzen die Einschränkung der Nierenfunktion durch die antihypertensive Behandlung mit dem Ziel < 120 mmHg systolischer Blutdruck habe, geben die Forscher zu bedenken.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
PAP senkt Mortalität signifikant

© ResMed

Lancet: Neue Meta-Analyse

PAP senkt Mortalität signifikant

Anzeige | ResMed Germany Inc.
Wie UKPS den Weg zurück in die Therapie öffnet

© ResMed

PAP scheitert oft

Wie UKPS den Weg zurück in die Therapie öffnet

Anzeige | ResMed Germany Inc.
Schlafstörungen als Warnsignal

© shapecharge | iStock

Früherkennung Demenz

Schlafstörungen als Warnsignal

Anzeige | ResMed Germany Inc.
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Subgruppenanalysen der Studie DAPA-CKD zum Einfluss von Alter, Geschlecht und Gebrechlichkeit auf di

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Dapagliflozin bei chronischer Nierenkrankheit (CKD):

Subgruppenanalysen der Studie DAPA-CKD zum Einfluss von Alter, Geschlecht und Gebrechlichkeit auf die Wirksamkeit

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Innovative Diabetestherapie

Nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonisten am Start

Lesetipps
DEGAM, DDG oder DGIM: Je nach Fachgesellschaft finden sich teils leicht voneinander abweichende Empfehlungen.

© mit KI generiert / kirania / stock.adobe.com

Keine einheitlichen Zielkorridore

Typ-2-Diabetes: So stark divergieren die aktuellen Empfehlungen

Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?