Schilddrüsenkrebs

Inzidenz steigt durch Überdiagnostik

Weltweit ist seit etwa 30 Jahren eine Zunahme der Fälle von Schilddrüsenkrebs zu verzeichnen. Ob dies eine echte biologische Grundlage hat oder doch eher auf Überdiagnostik beruht, haben australische Forscher untersucht.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Der vermehrte Einsatz etwa von Sonografie könnte die steigende Inzidenz von Schilddrüsen-Ca erklären.

Der vermehrte Einsatz etwa von Sonografie könnte die steigende Inzidenz von Schilddrüsen-Ca erklären.

© zilli / iStock.com

CANBERRA. Die Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen hat sich je nach Weltregion in den vergangenen Jahrzehnten verdreifacht und manchenorts, etwa in Südkorea, verfünfzehnfacht.

Der Zuwachs geht hauptsächlich auf das Konto kleiner, differenzierter Karzinome, überwiegend vom papillären Typ. Die durch Schilddrüsenkrebs bedingte Mortalität ist hingegen im gleichen Zeitraum konstant geblieben.

Das nährt den Verdacht, die steigende Inzidenz könnte auf Überdiagnostik beruhen, verursacht beispielsweise durch den vermehrten Einsatz der Sonografie an Schilddrüse und Karotiden sowie der Computertomografie der Hals- und Thoraxregion.

Andererseits ist die Mortalität von Schilddrüsenkarzinomen und speziell von kleinen papillären Tumoren so gering, dass es schwierig wäre, eine eventuell vorhandene Differenz aufzuspüren.

Suche nach Studien von Autopsien

Bevölkerungsmediziner um Luis Furuya-Kanamori von der Australian National University in Canberra haben deshalb einen anderen Weg gewählt, um eine Antwort auf die Frage "Überdiagnostik – ja oder nein?" zu finden. Sie machten sich auf die Suche nach Studien von Autopsien, die an Patienten vorgenommen wurden, bei denen zum Todeszeitpunkt keine Schilddrüsenerkrankung bekannt war.

Sollte es sich erweisen, dass die Prävalenz von Schilddrüsenkarzinomen über die Zeit hinweg konstant geblieben ist, spräche dies für Überdiagnostik als Grund für die gestiegene Inzidenz.

Furuya-Kanamori und Kollegen fanden 35 Studien mit 42 Datensätzen zu 12.834 Autopsien aus den Jahren 1949 bis 2007 (J Clin Oncol 2016, online 6. September).

Je nachdem, ob nur makroskopisch auffällige Bereiche der Schilddrüse oder die gesamte Schilddrüse unabhängig vom makroskopischen Eindruck genauer untersucht wurde, lag die Prävalenz von inzidentellem differenziertem Schilddrüsenkrebs bei 4,1 beziehungsweise 11,2 Prozent.

"Erhebliches Reservoir für Schilddrüsenkrebs"

Die Prävalenzraten waren in den Jahren vor 1970 viel niedriger, danach blieben sie stabil auf dem Niveau der Quoten des definierten Referenzzeitraums von 1970 bis 1975.

"Die Studie bestätigt, dass es ein erhebliches Reservoir für inzidentellen Schilddrüsenkrebs gibt", schreiben Furuya-Kanamori und Mitarbeiter.

In den vergangenen paar Jahrzehnten habe es sich nicht verändert. Daher sei es wahrscheinlich, dass der Anstieg der Inzidenz von differenziertem Schilddrüsenkrebs auf einer vermehrten Entdeckung der an sich stabilen Zahl inzidenteller Tumoren beruht.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Komplementärmedizin

Gefährdet Alternativmedizin das Überleben bei Brustkrebs?

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
In New Orleans findet in diesem Jahr die Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) statt.

© aceshot/stock.adobe.com

New Orleans

Herzkongress ACC 2026: Das sind die wichtigen neuen Studien

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram