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Impfen bei Rheuma

Junge Leute mit Zoster? – bei Lupus keine Seltenheit

Es war die wohl wichtigste Botschaft der Impfsession beim EULAR-Kongress: Bei jedem Rheumapatienten ans Impfen zu denken – jedes Jahr. Lupuspatienten sind besonders gefährdet. Und Herpes zoster ist bei ihnen keineswegs nur ein Problem der Älteren.

Dr. Bianca BachVon Dr. Bianca Bach Veröffentlicht:
Junge Leute mit Zoster? – bei Lupus keine Seltenheit

© [M] Artemida-psy / stock.adobe.com

Für Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind Impfungen besonders wichtig. Viele impfpräventable Erkrankungen, wie Influenza, Pneumokokkeninfektionen oder Herpes zoster kommen bei ihnen häufiger vor und können schwerer verlaufen. Menschen mit Vaskulitiden oder systemischem Lupus erythematodes (SLE) sind besonders gefährdet. Während Herpes zoster bei Gesunden eher im höheren Lebensalter vorkommt, trifft er beim SLE gerade die Jüngeren.

Wie die Epidemiologin und Rheumatologin Prof. Dr. Kimme Hyrich, Universität Manchester, berichtete, liegt die Zoster-Inzidenz bei 21-30-jährigen SLE-Patienten bei 24,6 pro 1000 Personen und Jahr – deutlich höher als bei altersgleichen Gesunden (2,7), in der Referenzgruppe gesunder 61-70-Jähriger (8,5) und selbst bei älteren Diabetikern (11) [1].

Impfung immer wieder besprechen

Impfungen beugen vor und sollten allen Patienten mit autoimmunen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen empfohlen werden. „Wir sollten Impfungen jedes Jahr mit unseren Patienten besprechen“, betonte Hyrich. Am besten, Rheumatologe, Patient und Hausarzt – meist impft er – entscheiden gemeinsam. Orientierung bieten die 2019 aktualisierten EULAR-Impf-Empfehlungen. „Die Wahrheit ist: Impfstoffe funktionieren“, sagte Hyrich. So senkt die Grippeimpfung das Sterberisiko bei SLE um nahezu 60 Prozent [2].

Idealerweise impft man vor Beginn der immunmodulierenden Therapie und in einer Phase geringerer Krankheitsaktivität – ohne eine dringend nötige Behandlung zu verzögern. Lebendimpfungen sind unter Therapie meist kontraindiziert, wobei es laut Hyrich inzwischen „sehr beruhigende Daten zur Sicherheit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung bei Kindern, die Methotrexat oder Biologika erhalten haben“ gibt.

Keine vermehrten Schübe durch Impfung

„Sicherheit ist die größte Sorge, die unsere Patienten haben, und einer der Hauptgründe, warum Patienten sich nicht impfen lassen“, erinnerte die Rheumatologin. Das wurde in der SARS-CoV-2-Pandemie deutlich. Sie lieferte aber auch viele wertvolle Information, dass Rheumapatienten mit gut kontrollierter Grunderkrankung die Impfung nicht schlechter vertragen als andere und dadurch auch keine Schübe bekommen. Subjektiv können sich erwartbare Impfreaktionen – Myalgien, Arthralgien Fatigue – wie ein Schub anfühlen. Nach COVID-19-Impfungen gaben 51% der Menschen mit Autoimmunerkrankungen und 52 % gesunder Kontrollen milde Symptome an [3]. In der internationalen VACOLUP-Studie mit 696 SLE-Patienten berichteten 45 % und 53 % über Impfreaktionen ab Tag 0-1 nach der ersten beziehungsweise zweiten COVID-19-Impfung. Nach insgesamt 1039 Impfungen gab es nur in 8 % Arzt-Konsultationen, in 1 % Notfallvorstellungen und in <1 % Krankenausaufnahmen. SLE-Schübe wurden nur in 3 % berichtet, überwiegend waren es Myalgien und Fatigue [4]. Dem EULAR COVAX-Register wurden bei 4,4 % der COVID-19-Impfungen bei Rheumapatienten Schübe berichtet. Sie waren meist mild und erforderten nur in 1,5 % eine Therapie-Anpassung [5].

Hyrich betonte ausdrücklich, dass eine Antiphospholipidsyndrom kein Risikofaktor für eine Vakzine-induzierte immunogene thrombotische Thrombozytopenie ist.

[1] Yun H et al., Arthritis Rheumatol. 2016 Sep;68(9):2328-37. doi: 10.1002/art.39670.

[2] Chang CC et al., Sci Rep. 2016 Dec 2;6:37817. doi: 10.1038/srep37817.

[3] Boekel et al., Lancet Rheumatol. 2021 Aug;3(8):e542-e545. doi: 10.1016/S2665-9913(21)00181-8

[4] Felten et al., Lancet Rheumatol. 2021 Sep;3(9):e613-e615. doi: 10.1016/S2665-9913(21)00221-6.

[5] Machado PM et al., Ann Rheum Dis. 2022 May;81(5):695-709. doi: 10.1136/annrheumdis-2021-221490.


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