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Kommentar zum schützenden Sport

Kein Goldstandard

Fragen zum Lebensstil entziehen sich dem wissenschaftlichen Goldstandard, den randomisiert-kontrollierten Studien. Das gilt auch für die Frage: Verlängert Sport das Leben?

Thomas MüllerVon Thomas Müller Veröffentlicht:

Schützt Gemüse vor Krebs? Beugt ein Glas Wein am Abend einem Herzinfarkt vor? Verlängert Sport das Leben? Eigentlich sind das ganz einfache Fragen, leider gibt es darauf keine einfachen Antworten. Trotz aller Fortschritte in der Medizin müssen wir hier immer noch spekulieren, vermuten und mühsam aus unzähligen Beobachtungen die Evidenz zusammentragen, weil sich gerade Fragen zum Lebensstil dem wissenschaftlichen Goldstandard, den randomisiert-kontrollierten Studien entziehen.

Zwar gibt es immer wieder Versuche, Lebensstiländerungen in ein experimentelles Korsett zu zwängen, meistens scheitern sie kläglich, spätestens nach ein paar Wochen zeigen sich bei der Ernährung, der körperlichen Aktivität oder dem Alkoholkonsum keine großen Unterschiede mehr zwischen den einzelnen Interventionsgruppen. Wenn die Interventionen aber zu keinen anhaltenden Lebensstiländerungen führen, lässt sich auch nicht sagen, welche Effekte die Änderungen haben. Das Zauberwort heißt hier Adhärenz, und die nimmt mit der Zeit ab, der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.

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Sicher, es gibt auch einige Beispiele, wie die FINGER-Studie mit 1200 Teilnehmern: Hier ließ sich über eine multimodale Intervention die Kognition tatsächlich etwas verbessern. Um zu sehen, ob eine derartige Intervention auch die Demenzinzidenz senkt, hätte die Studie aber nicht nur zwei Jahre, sondern 20 Jahre dauern müssen. Kurzfristige Lebensstil-Interventionsstudien eigen sich allenfalls, um Auswirkungen auf relevante Biomarker, nicht aber auf harte klinische Endpunkte zu eruieren.

Insofern ist es nicht überraschend, wenn eine Analyse nun zu dem Schluss führt, dass körperliches Training in randomisiert-kontrollierten Studien das Leben nicht verlängern und nicht vor Herzinfarkten schützen konnte. Solche Studien sind für solche Fragen schlicht kein Goldstandard.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.mueller@springer.com

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