Darmkrebs

Koloskopien zeigen offenbar Erfolge

Positive Zwischenbilanz für die Früherkennung: 2003 gestartet, konnte die Darmkrebsinzidenz seither leicht gesenkt werden. Ein Blick in andere Länder zeigt, dass tatsächlich ein Zusammenhang bestehen könnte.

Von Philipp Grätzel von GrätzPhilipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Tumorbefund: Die Darmkrebsinzidenz konnte leicht gesenkt werden.

Tumorbefund: Die Darmkrebsinzidenz konnte leicht gesenkt werden.

© psdesign1 / Fotolia

BERLIN. In Deutschland geht die Inzidenz beim Darmkrebs seit mehreren Jahren nach unten. Das könnte zumindest teilweise auf die Früherkennungskoloskopien zurückzuführen sein, wie Dr. Klaus Kreywinkel vom Robert Koch-Institut (RKI) beim Deutschen Krebskongress betonte.

Als Folge des Bundeskrebsregisterdatengesetzes aus dem Jahr 2009 wurde am RKI das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) aufgebaut, das die Daten der epidemiologischen Landeskrebsregister zusammenführt. Es wird in Kürze seinen ersten Bericht vorlegen. Kreywinkel gab jedoch bereits einen ersten Einblick in die Daten zum Darmkrebs, die schließlich im Bericht nachzulesen sein werden.

Inzidenz seit Jahren rückläufig

Kreywinkel konzentrierte sich auf die Zeit seit 2003, dem Jahr der Einführung der Früherkennungskoloskopie in Deutschland. Seither sei die Darmkrebsinzidenz sowohl bei Männern als auch bei Frauen leicht rückläufig, so Kreywinkel. Männer liegen aktuell bei unter 60 pro 100.000, Frauen bei knapp unter 40 pro 100.000 Erwachsene. Kann das schon Folge der Koloskopien sein?

Kreywinkel bejaht das. Zwar dauere es etwa zehn Jahre, bis aus einem Adenom ein Karzinom werde. Dies sei aber ein Medianwert, sodass es aus seiner Sicht plausibel ist, dass jene fortgeschrittenen Adenome, die in den ersten Jahren des Screenings entfernt wurden, jetzt langsam auf die Inzidenzstatistiken durchschlagen.

Dafür sprächen neben den deutschen Daten auch die Erfahrungen aus anderen Ländern, betonte Kreywinkel. So entwickle sich die Darmkrebsinzidenz in Österreich, wo ebenfalls ein Früherkennungsprogramm zu einem ähnlichen Zeitpunkt eingeführt wurde, ganz ähnlich. In mehreren europäischen Ländern ohne Früherkennung dagegen gebe es im analogen Zeitraum keine derartige Dynamik.

Insgesamt bewege sich Deutschland beim Darmkrebs weiterhin im europäischen Mittelfeld, so Kreywinkel: "Bei der Inzidenz liegen wir etwas über dem EU-Durchschnitt, bei der Mortalität etwas darunter."

Die beim RKI zusammengeführten Registerdaten zum Darmkrebs erlauben neben rein epidemiologischen Auswertungen wie jenen zur Inzidenz auch Aussagen über Trends in der Versorgung. "Was wir sehen, ist ein deutlicher Rückgang der stationären Behandlungsfälle", so Kreywinkel.

Auch die Zahl der stationären Rehabilitationen wegen Darmkrebs gehe zurück. Im Jahr 2012 erhielt rund einer von drei Patienten mit neu diagnostiziertem Darmkrebs eine stationäre Rehabilitation.

Zehn Prozent mehr ambulante Fälle

Der Rückgang der stationären Behandlungsfälle bestätige indirekt den Rückgang der Darmkrebsinzidenz, so Kreywinkel. Denn stationär aufgenommen werden Darmkrebspatienten vor allem für die Primäroperation. Demgegenüber gebe es seit 2008 einen klaren, etwa zehnprozentigen Anstieg der ambulanten Behandlungsfälle. Dieser steht nicht im Widerspruch zu den sinkenden Inzidenzraten, sondern spiegelt eher einen breiteren Trend hin zur ambulanten Versorgung in der Onkologie.

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